Stand: 21.11.2022 11:41 Uhr
In den neuesten öffentlichen Fernsprechern können Sie jetzt nur noch mit Karte bezahlen. Ab dem kommenden Jahr sperrt die Telekom alle Telefonsäulen. Nostalgiker können ins Museum gehen, alle benutzen noch ihr Handy.
Auf den bundesweit rund 12.000 verbliebenen Telefonen kann ab sofort nicht mehr mit Münzen bezahlt werden. Die Bezahlung mit Bargeld werde deaktiviert, teilte die Telekom in Bonn mit.
Ab Ende Januar wird auch die Bezahlfunktion mit Telefonkarten eingestellt. Dann werden alle Telekommunikationsdienste zu den Telefonmasten oder -kabinen beendet.
Auf Wiedersehen zu Telefonzellen
Anke Plautz, Radio Bremen, Morgenmagazin, 21. November 2022
Das Ende des schmalen Hauses
Die Smartphone-Generation mag sich jetzt fragen: Was ist eine Telefonzelle? Sie können sich nur schwer vorstellen, was in der vormobilen Zeit normal war: Wenn man von zu Hause weg war, musste man erst eine Telefonzelle finden, um mit den Liebsten zu sprechen oder andere wichtige Angelegenheiten zu klären.
In den engen Kabinen roch es meist unangenehm, oft geradezu stinkig nach geschwärztem Telefonbuchpapier, Schweiß, Zigarettenrauch, ja sogar Urin. Manchmal fielen die Münzen durch den Automaten oder gingen zu schnell aus, und die Leute warteten ungeduldig an der Tür und wollten auch schnell anrufen. All dies wird nur eine Erinnerung an den Januar sein.
“Halte es kurz!”
Damit endet eine Ära. Begonnen hat alles 1881 in Berlin mit der ersten „Telefonkioske“. Deutschlands gelbe Telefonzellen der Bundespost (die zwischen 1947 und 1994 bestanden) hoben sich früher in der Landschaft oder im Stadtbild ab. Mitte der 1990er Jahre betrieb die Telekom mehr als 160.000 öffentliche Telefone. Sie wurden nicht nur in Einkaufsstraßen oder Bahnhöfen gefunden, sondern auch in reinen Wohngebieten oder am Waldrand.
2025 werden auch die letzten Pfeiler und Telefonzellen abgebaut. (Dateibild) Bild: dpa
Seit Jahrzehnten heißt es „Kurz halten!“ Als Aufforderung ans Haus, oft ergänzt durch den Hinweis „Achtung der Wartenden“, wurden später moderne Telefonkarten „Anrufen ohne Münzen“ verwendet.
Telefonsäulen sind Stromfresser
Sogenannte Basistelefone und -stelen fanden sich schließlich nur noch in stark frequentierten Bahnhöfen, Flughäfen oder Messegeländen. Die Kolonnen waren nicht mehr wirtschaftlich. Auch sie sind laut Telekom Energiefresser: „Im Schnitt liegen sie zwischen 500 und 1.250 Kilowattstunden pro Jahr.“ Seit der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes Ende 2021 besteht „die Pflicht zum Betrieb öffentlicher Fernsprecher“ nicht mehr. Auch für Notrufe sind sie irrelevant. Auch dort übernahm der Mobilfunk.
Wenn die letzten Telefonleitungen endgültig abgebaut sind, ist laut Telekom das Jahr 2025 angebrochen. In Absprache mit den Kommunen will das Unternehmen rund 3.000 der zuletzt 12.000 Räumlichkeiten ohne Telefonfunktion weiter nutzen. Sie müssen mit sogenannten Small Cells ausgestattet sein, kleinen Antennen, die Handysignale verstärken.
Die Gelben sind bereits ausverkauft: Ausrangierte Telekom-Telefonzellen auf einem Gelände in Brandenburg. Bild: dpa
Die Telekom verkauft die alten Zellen
Für Nostalgiker bleibt nur noch das Museum. Zum Beispiel das Kommunikationshaus in Frankfurt am Main, wo Sie mehr als 50 Objekte rund um die öffentliche Telefonie sehen können. Zahlreiche umgebaute Telefonzellen, ob als Bücherregal, Eiskiosk, Mini-Tonstudio oder sogar als Dusche, sind noch heute deutschlandweit im Einsatz.
Ausrangierte Telefonzellen können online über Verkaufsplattformen oder direkt bei der Telekom erworben werden. Allerdings seien sehr alte Gelbe Zellen schon lange ausverkauft, sagt eine Telekom-Sprecherin.