Temperaturen von bis zu 40 Grad werden erwartet. Der schlimmste aller Stürme: die Hitze

Bericht

Stand: 13.07.2022 17:43

Der Südwesten steckt bereits mitten in der Hitzewelle. Es wird erwartet, dass es sich nächste Woche im ganzen Land ausbreitet. Die Hitze sei schlimmer als bei jedem anderen Sturm, sagt ARD-Wetterexperte Plöger. Die Folgen sind im Südwesten bereits sichtbar.

Ein Bericht von Daniela Diehl und Julia Henninger, SWR

Es bricht, als Ingo Kramer, Hauptgeschäftsführer des Landesfischereiverbandes Freiburg, am Flussbett der Dreisam entlang geht. Statt Wasser gibt es zwischen den Ufern nur einen mehrere hundert Meter langen Kiesgraben. “Es tut sehr weh. Es ist verheerend. Denn diese Trockenheit macht sich von selbst. Das macht der Mensch, das ist unsere Schuld und das muss nicht sein”, sagt Kramer.

Er sucht nach Tieren, die unter einem nassen Felsen überlebt haben könnten, umkreist unzählige Felsen. Aber alles, was er findet, sind tote Insekten und Larven, die dort vorher gelebt haben. Er klagt: “Da ist nichts mehr. Kein Leben mehr. Alles vertrocknet.”

Es wird noch heißer

Und diese Woche wird es in der Dreisam noch heißer, bis zu 36 Grad, sagt Sven Plöger, ARD-Wetterexperte. Südwestdeutschland steckt mitten in einer Hitzewelle. Nach aktuellen Prognosen könnte es kommende Woche sogar bis auf 40 Grad heiß werden. Die Hitzewelle breitete sich dann über ganz Deutschland aus.

„Hitze ausgesetzt zu sein ist verrückt, aber Hitze wie Tornados oder Stürme kann man nicht fotografieren, also ist es nicht so besorgniserregend. Es ist der schlimmste Sturm von allen“, sagt Plöger. Für die Natur ist Dürre das Hauptproblem.

Dürre beeinträchtigt auch den Wald

Auch Lukas Stange von der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg macht sich große Sorgen über die Dürre. Er ist Experte für Waldbrände. Probieren Sie den Waldboden in Waghäusel, Landkreis Karlsruhe, mit der Hacke aus. Fasst er die ausgehobene Erde an, läuft sie ihm wie Sand über die Finger, auch wenn er tief gräbt. Für ihn ein klares Signal: Hier würde ein Funke genügen, um an bestimmten Stellen einen Flächenbrand auszulösen.

Wo es Kiefern gibt, ist die Gefahr sehr groß. Jedenfalls sind sie sehr trocken und würden dazu führen, dass sich das Feuer schnell ausbreitet. Zigarettenstummel sind für ihn die häufigste Ursache für Waldbrände. Auch offenes Feuer auf öffentlichen Grillplätzen ist gefährlich.

Für den Notfall gibt es im Wald Brunnen für Löscharbeiten, gebaut von freiwilligen Feuerwehrleuten. Glücklicherweise wurden sie trotz der anhaltenden Trockenheit dieses Sommers hier noch nicht benötigt.

Ingo Kramer untersucht die Steine ​​des ausgetrockneten Flussbettes. Bild: Jasmin Bergmann

Jahr für Jahr gibt es keinen Niederschlag

Aber auch in den kommenden Tagen werde es kritisch bleiben, im Südwesten werde es wohl nicht regnen, zumindest nach aktueller Prognose, sagt Wetterexperte Plöger. Trockenheit ist nicht erst seit diesem Sommer ein Thema. Deutschland plagt sie seit 2018. 2021 mit ihren verheerenden Überschwemmungen sei eine Ausnahme gewesen, erklärt Plöger. Sonst hätte es Jahr für Jahr zu wenig Regen gegeben und der Boden ist extrem trocken.

Und 2022 war bisher zu trocken. „Wir haben genau das, was uns die Wissenschaft vor 30 oder 40 Jahren gesagt hat. Das ist Extremstress für die Natur. Und Extremstress für die Natur wird nach einer X-Periode zu Extremstress für uns“, sagt Plöger.

Dreisamer Fisch muss bewegt werden

Welchen extremen Stress die Natur ohnehin schon hat, zeigt sich auch in der Freiburger Dreisam. Es ist nicht nur vielerorts ausgetrocknet, sondern dort, wo noch Wasser steht, ist es auch zu heiß. Nach vielen hundert Metern trockenem Kiesbett stößt Ingo Kramer auf einen Tropf, Reste des Flusses. Elritzen, Widerhaken und Welpen kollidieren im seichten Wasser.

Ingo Kramer untersucht die Steine ​​des ausgetrockneten Flussbettes. Bild: Jasmin Bergmann

Es ist dringend notwendig, die Fische wie in den Vorjahren in Bereiche mit mehr Wasser zu bringen, um mehr Platz und die richtige Temperatur des Wassers zu haben. Das Messgerät von Ingo Kramer zeigt hier 25,2 Grad im Flachwasser an. “Zu heiß, 20 Grad wären ideal.” Doch Ingo Kramer weiß nicht, wo er die Fische fangen soll. “Es gibt praktisch kein Gewässer, das noch genug Wasser führt, und fast kein Gewässer, das so vielen Fischen Platz bietet.”

Regen- und Schmelzwasser in den Alpen sind von großer Bedeutung

Tiefstwerte zu dieser Jahreszeit seien früh, sagt Wetterexperte Plöger. „Manchmal haben wir im August oder Anfang September sehr niedrige Werte. Jetzt haben wir gerade Mitte Juli.“ Neben dem Regen fehlt es auch an Tauwasser, denn im letzten Winter hat es zu wenig Schnee gegeben.

Plöger warnt davor, dass Deutschlands große Flüsse in Zukunft weiter in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Dies wäre auf Veränderungen in den Alpen zurückzuführen. Damit beschäftigt er sich in seinem aktuellen Buch. Als Beispiel nennt Plöger den Rhein. 60 Prozent des Rheinwassers stammen aus den Alpen. Teils Regenwasser und teils Gletscherwasser.

Doch die Gletscher ziehen sich aufgrund des Klimawandels zurück, mit Folgen. Ohne Gletscherwasser sinken die Flusspegel. „Das ist die Zukunft Ihrer eigenen Kinder und Enkel“, sagte Plöger. Deshalb muss man …

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