Tempo 60 auf der Autobahn soll das Engpassproblem lösen

Ob im Morgenverkehr oder an Feiertagen am Gotthard: Der Verkehr auf Schweizer Strassen fliesst oft nicht so wie erwartet.

Bild: Schlussstein

Staus auf der Autobahn sind nicht nur lästig für Autofahrer, sie kosten auch Geld: Rund zwei Milliarden Franken kosten Staus pro Jahr. Deshalb plant die Bundesregierung einen radikalen Schritt.

Mittlerweile haben sich die Schweizer an die 80 km/h Autobahn gewöhnt. Teilweise reduzierte Tempolimits lassen den Verkehr flüssiger fließen und im Idealfall werden Staus vermieden.

Doch die Staus nehmen schweizweit stetig zu: Zwischen 2010 und 2019 hat sich die Zahl der erfassten Staustunden auf Nationalstrassen laut Bundesamt für Statistik fast verdoppelt. Im Jahr 2021 gab es insgesamt 32.481 Stunden Stau.

Die Bundesregierung entscheidet, dass es zu viel ist, und will handeln. Deshalb prüft Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga mehrere Massnahmen, wie die Tamedia-Zeitungen am Dienstag publizierten. Besonders drastisch wäre eine weitere Reduzierung des Tempolimits. „Wir prüfen, ob der Verkehr mit Tempo 60 in Geschwindigkeitsharmonisierungsanlagen länger aufrechterhalten werden kann als mit Tempo 80“, sagte ein Mediensprecher des Bundesamtes für Straßenwesen (Astra).

Die genannten Harmonisierungssysteme sind die elektronischen Geschwindigkeitsanzeiger auf Autobahnen, die die zulässige Höchstgeschwindigkeit anzeigen und dem Verkehrsfluss angepasst werden können.

Eine Entscheidung fällt nächstes Jahr

Dem Bericht zufolge führt der Astra derzeit mehrere Modellrechnungen durch, wie sich der Tempo 60 auf den Verkehrsfluss oder das Ausweichverhalten auswirkt. Ob tatsächlich auch ein Pilotversuch startet, entscheidet sich nächstes Jahr.

Die Bundesregierung sorgt sich nicht nur um die Nerven der Autofahrer, denn Staus verursachen immense Kosten. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Staus beliefen sich 2019 auf 1,67 Milliarden Franken, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Raumentwicklung gegenüber Tamedia-Zeitungen. Einschliesslich Umwelt-, Klima-, Energie- und Unfallkosten übersteigen diese zwei Milliarden Franken.

Der Autoclub ACS kritisiert diese Pläne: Den Verkehr bei einer variablen Höchstgeschwindigkeit einzuschränken, sei in Ordnung, aber 60 km/h seien zu weit. «Das ist völlig unnötig», sagte Thomas Hurter, Präsident der ACS und SVP-Nationalrat.

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