Termin Ende Juni: Russlands Pleite ist jetzt ein mögliches Szenario

– Der Bankrott Russlands ist jetzt ein mögliches Szenario

Moskau droht die Zahlungsunfähigkeit, obwohl das Land seinen Verbindlichkeiten nachkommen will und kann. Warum das.

Markus Zydra aus Frankfurt

Gepostet heute um 14:42 Uhr

Kann der Kreml seine Schulden bezahlen? Theoretisch ja, aber praktisch nein.

Foto: Jens Kalaene (Picture Alliance / DPA)

Es wäre ein ungewöhnlicher Zahlungsausfall: Russland könnte bis Ende des Monats zahlungsunfähig werden, obwohl das sanktionierte Land genügend Reserven hätte, um seine Schulden in Euro und Dollar zu bezahlen. Bisher sind Zins- und Tilgungszahlungen immer durchgegangen, eine vorübergehende Ausnahmeregelung des US-Finanzministeriums machte das möglich. Bis Mitternacht am 25. Mai durften US-Banken Zahlungen der russischen Zentralbank vornehmen, aber nur, um Russlands Staatsschulden zu begleichen. Doch das Office of Foreign Assets Control (OFAC) hat die Frist nun verstreichen lassen. Das heißt, Russlands Geld kommt nicht mehr bei den Anleihen an.

Die internationale Gemeinschaft hat klare Regeln aufgestellt, wann ein Staat zahlungsunfähig ist. Grundsätzlich hat der säumige Schuldner 30 Tage Zeit, das Geld einzureichen. Diese Frist läuft nun für eine russische Anleihe ab, die Zinsen, die die russische Notenbank am 27. Mai angeordnet hat. Wenn die US-Banken das Geld nicht ausgeben, bekommen die Anleihegläubiger nichts. Wenn das so weitergeht, ist Russland am Ende der 30-Tage-Frist Ende Juni zahlungsunfähig. In der Tat.

Eines der am wenigsten verschuldeten Länder

Aber es ist gut möglich, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. US-Experten gehen davon aus, dass Russland die “Pleite” nicht einfach hinnehmen und vor ein US-Gericht bringen wird. Ein Land, das im Zahlungsrückstand ist, gilt nicht als solvent. Das Argument: Das geschuldete Geld sei angewiesen worden; Wenn das US-Bankensystem sie nicht überholte, war es nicht Russlands Schuld. Dieser Prozess könnte lange dauern und die Entscheidung darüber verzögern, ob Russland zahlungsunfähig ist oder nicht.

Laut Prospekt könnten Anleihegläubiger, die zusammen 25 Prozent der ausstehenden Anleihen halten, den Ausfall selbst bestimmen. Dies ist auch bis zu drei Jahre nach Auszahlungsdatum möglich. „Meine Erwartung ist, dass die Anleihegläubiger im Laufe der Zeit zunächst einen Zahlungsverzug einreichen und dann rechtliche Schritte einleiten werden, um ihre Ansprüche geltend zu machen“, sagte Dennis Hranitzky von der Anwaltskanzlei Quinn Emanuel gegenüber Bloomberg.

Mit einer Schuldenquote von nur etwa 20 Prozent der Vorkriegswirtschaftsleistung gilt Russland als eines der am wenigsten verschuldeten Länder der Welt. Aufgrund seiner Rohstoffexporte weist das Land einen großen Leistungsbilanzüberschuss auf. Die Staatsverschuldung im Ausland beträgt nur vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was angesichts der Devisenreserven Russlands kaum eine Rolle spielt. Allerdings droht dem Land aufgrund von Sanktionen der Bankrott: Diese westlichen Maßnahmen machen es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, Anleihen in Dollar oder Euro zu bedienen. Zwar hat Russland nach dem Einmarsch auf der Krim 2014 auch Staatsanleihen begeben, die in Rubel beglichen werden dürfen, doch gilt dies nicht für die meisten Auslandsschulden.

Laut Wertpapierprospekt könnte Russland die betreffende Anleihe auch in Rubel bezahlen, Anleihegläubiger sollten aber 15 Werktage vor Auszahlung informiert werden. Für andere Anleihen, die bald verkauft werden, ist die Zahlung in Rubel nicht möglich.

Betroffene Anleihegläubiger haben zudem die Möglichkeit der Schiedsgerichtsbarkeit. Der Schiedsspruch könnte vollstreckbar sein. Eine weitere Option, die sich in anderen Zusammenhängen bewährt hat: Es wird eine außergerichtliche Einigung erzielt. Angesichts der damit verbundenen Reputationsrisiken erscheint dieser Weg im vorliegenden Fall nicht gangbar: Welcher Investor will schon mitten im Ukrainekrieg mit dem Aggressor an einem Tisch sitzen?

Gepostet heute um 14:42 Uhr

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