Teure Ferien: Starke Preiserhöhungen für Schnitzel, Eis und Mietwagen

Die Schweiz hat Fieber, Reisefieber. Nach zwei Jahren Pandemie werden wieder ferne Länder, weite Strände und das blaue Meer gerufen. Leider grassiert noch ein anderes Fieber: das Inflationsfieber. Seine Rückfälle haben das Leben – und damit das Reisen – in vielen Ländern erheblich teurer gemacht. Unterbrochene Lieferketten, der Krieg in der Ukraine und billiges Geld lassen die Preise explodieren. Neben dem grossen Nachholbedarf beim Reisen kann die Inflation die Reisekasse vieler Schweizer stark belasten. Blick zeigt, was das Portfolio in einigen beliebten Sommerferiendestinationen bedroht.

Italien (Inflation 6,9 %)

Die Lieblingsbeschäftigung des Italieners – ein schneller Kaffee an der Bar – ist Weltkulturerbe. Allein dieses Jahr kostet es 5 Prozent mehr. Das Lecken eines Eises auf dem Platz hat in letzter Zeit dazu geführt, dass das Reisebudget von Familien aufgebraucht ist, da die Eiscremekugel 12% teurer geworden ist. Der Tag an italienischen Stränden, meist privat, war noch nie wirklich günstig, jetzt sind die Preise für Speisen und Getränke dort deutlich gestiegen. Noch größer ist die Zunahme der obligatorischen Sonnenschirme und Sonnenliegen. Im bei Schweizern beliebten Alassio in Ligurien kostet eine Woche Schirm und Liege bis zu 400 Franken. Ein kleiner Trost ist, dass Pizza nur 4 Prozent mehr kostet.

Griechenland (Inflation 10,9 %)

Griechenland tut viel, damit die Bevölkerung nicht übermäßig unter steigenden Energiepreisen leidet. Der Staat subventioniert zum Beispiel energiesparende Kühlschränke oder bringt die Beamten mit Klimaanlagen im Rücken zum Schwitzen. Aber Touristen haben nichts davon. Die Fährpreise sind gestiegen, ebenso die Hotelkosten, und insbesondere die Übernachtungen in Drei- und Vier-Sterne-Hostels haben stark zugenommen. In der Hochsaison ist bereits von einer „Betrugskultur“ die Rede. Souflaki kostete ein Drittel mehr als vor einem Jahr, eine kleine Flasche Bier gibt es vielerorts für über 5 Franken, die Weinpreise steigen jede Woche, wie viele Wirtshausbesitzer klagen.

Spanien (Inflation 8,7 %)

Mit dem Flugzeug von der Schweiz an die Küste und weiter mit dem Mietwagen dorthin, das kann dieses Jahr ganz schön teuer werden. Weil die Mietpreise geradezu in die Höhe geschossen sind, waren sie zu Ostern doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Das soll auch im Sommer gelten, in Spanien mangelt es an Mietwagen. Ein globales Phänomen: Weltweit sind die Mietwagenflotten um ein Fünftel geschrumpft. Denn es nützt wenig, wenn die spanische Regierung den Spritpreis senkt. Die Paella ist teurer geworden, ebenso der Verzehr in Restaurants oder Tapas. Die spanischen Hotelpreise sind in den letzten zwölf Monaten sogar um 21 Prozent gestiegen.

Frankreich (Inflation 5,2 %)

Die Franzosen haben die Inflation relativ gut unter Kontrolle. Bäcker halten viel aus, damit der Preis für ein Baguette nicht durch die Decke geht. Die Franzosen würden es kaum zu schätzen wissen. An der Zapfsäule wird ein Liter Benzin mit 16 Rappen subventioniert, sonst würde Benzin mehr kosten als in der Schweiz. Strom- und Gaspreise sind begrenzt. Touristen profitieren auch von staatlichen Eingriffen. In diesem Jahr sind die Mautgebühren jedoch stärker gestiegen als in den Vorjahren, im Durchschnitt um 2 Prozent. Auch die französische Post verlangt in diesem Jahr mehr Geld für die Eiffelturm-Postkartenmarke. Autofahrer aufgepasst: Frankreich ersetzt seine alten Blitzer durch moderne Hightech-Geräte. Zu schnelles Fahren kann teuer werden und noch mehr kosten.

Deutschland (Inflation 7,9 %)

Vorbei sind die Zeiten, in denen eine Reise nach Deutschland eine Schnäppchenjagd bot. Speziell für Gäste, die sich einige Tage in Deutschland aufhalten. Ferienwohnungen kosten in der Hauptreisezeit von Juni bis August durchschnittlich zwölf Prozent mehr. Hotelpreise sind sogar 16 Prozent höher. Allerdings können die Preissteigerungen sehr unterschiedlich ausfallen: Eine schöne Unterkunft auf der Insel Rügen mit Meerblick, die letztes Jahr noch für rund 120 Franken pro Tag zu haben war, kostet heute über 180 Franken. Auch ein Aufenthalt in einem eleganten Wellnesshotel ist deutlich teurer. Vor allem die Getränkepreise sind gestiegen: Ein Glas Wein am Abendbuffet kann schon mal über 15 Franken kosten.

Österreich (8% Inflation)

Urlaub in Österreich ohne ein üppiges Wiener Schnitzel – für viele undenkbar. Aber das ist jetzt ein teurer Scherz. Denn die Preise einzelner Zutaten haben sich teilweise verdreifacht. Wer Pommes will, zahlt noch mehr, denn in Österreich ist – wie in vielen anderen Ländern – Speise- und Frittieröl knapp. Das Land ist auch bekannt für Kuchen und Desserts in Cafés und Konditoreien. Nichts für Kalorienbewusste, denn Süßigkeiten haben meistens viel Butter. Und es kostet mehr als ein Fünftel mehr. Ganz zu schweigen von der starken Abhängigkeit des Landes von russischem Erdgas. Österreichische Hoteliers kosten mittlerweile ein Vermögen, um Wellnessbereiche, Saunalandschaften und Zimmer zu beheizen, was sich in den Zimmerpreisen widerspiegelt. Diese steigen um 8 bis 15 Prozent.

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Türkei (73,5 % Inflation)

In keinem anderen Urlaubsland ist die Inflationsrate so hoch wie in der Türkei, obwohl diese Zahl laut Experten verschönert werden soll. Allerdings dürfte der Urlaub in der Türkei auch in diesem Jahr zu den günstigsten gehören. Trotz explodierender Preise kosten Übernachtung und Verpflegung in der Türkei mehr als ein Drittel weniger als in der Schweiz. Zudem könnte es viele freie Betten geben, da in diesem Jahr viele Touristen aus der Ukraine, aber auch aus Russland ausbleiben dürften. Die schwache türkische Lira hilft Touristen aus der Schweiz und dem Euroraum im Geldbeutel. Da der Euro in vielen türkischen Urlaubsregionen mittlerweile aber die Hauptwährung ist, dürfte vor allem der Einkauf von Lebensmitteln etwas mehr kosten. Brot hat sich stark geöffnet, die Preise für Gurken und anderes Gemüse steigen exorbitant.

USA (Inflation 8,6 %)

Die USA sind immer noch das Traumland vieler Schweizer Touristen. Flüge sind gut oder gut gebucht, Tickets (auch wegen steigender Kerosinkosten) deutlich teurer. Wer sich mit seinem Wohnmobil frei und unabhängig durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bewegen möchte, muss in die Tasche greifen, wegen der hohen Nachfrage, aber auch weil Benzin in den USA so teuer ist wie nie zuvor. Selbst große Einkäufe in Malls lohnen sich nicht mehr, die hohe Inflation frisst Preisunterschiede ebenso auf wie den erstarkenden Dollar. Insgesamt sind die Ferien in den USA um 20 bis 40 Prozent gestiegen.

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