Total, Shell und Repsol verzeichnen Gewinne für die großen europäischen Ölkonzerne

Stand: 28.07.2022 15:50 Uhr

Die Energiekonzerne Shell, Total und Repsol präsentierten Rekordergebnisse für das zweite Quartal. Die durch den Krieg in der Ukraine stark gestiegenen Ölpreise haben Milliarden in ihre Kassen gespült.

Die europäischen Energieriesen Shell, TotalEnergies und Repsol erzielten im zweiten Quartal dank steigender Ölpreise Rekordergebnisse, da sie ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr um ein Vielfaches steigern konnten.

Europas größter Ölkonzern Shell hat im vergangenen Quartal einen bereinigten Gewinn von 11,5 Milliarden US-Dollar erzielt. Die Gruppe schlug im ersten Quartal den Rekordgewinn von 9,1 Milliarden US-Dollar. Die Gruppe kompensierte niedrigere Handelsergebnisse für verflüssigtes Erdgas (LNG) mit höheren Raffineriepreisen und Margen sowie besseren Gas- und Stromhandelsergebnissen.

Shell plant nun, zusätzlich zur Zahlung einer Dividende von 25 Cent pro Aktie 6 Milliarden US-Dollar für ein weiteres Aktienrückkaufprogramm auszugeben. Das gab das Unternehmen heute bekannt. Das Programm soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Im ersten Halbjahr kaufte der multinationale Ölkonzern Aktien im Wert von 8,5 Milliarden Dollar.

TotalEnergies mit Rekordwert

Während Shell-Aktionäre positiv auf die Ankündigung milliardenschwerer Aktienrückkäufe reagierten und den Preis um zwei Prozent erhöhten, waren die Anleger des französischen Energiekonzerns Total mit der Aussicht nicht zufrieden. Insgesamt verloren die Aktien an der Pariser Börse dreieinhalb Prozent. Laut Jefferies-Analyst Giacomo Romeo sind die Anleger enttäuscht, dass das Aktienrückkaufprogramm nicht aufgestockt wurde.

Stattdessen kündigte TotalEnergies an, im dritten Quartal weitere Aktien für bis zu 2 Milliarden US-Dollar zurückzukaufen. Der Konzern hatte im zweiten Quartal dank stark gestiegener Preise und hoher Margen im Raffineriegeschäft deutlich mehr verdient. Trotz einer weiteren Abschreibung auf eine Beteiligung an einem russischen Gasproduzenten stieg der Gewinn um 158 Prozent auf 5,7 Milliarden US-Dollar. Vor einem Jahr waren es nur 2,2 Milliarden. Bereinigt um Sondereffekte verdreifachte sich der Gewinn fast auf einen Rekordwert von 9,8 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn war etwas höher als von Experten erwartet.

Der spanische Ölkonzern macht Milliardengewinne

Und auch beim spanischen Ölkonzern Repsol klingelte die Kasse dank des stark gestiegenen Ölpreises. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von knapp über 2,5 Milliarden Euro. Das war doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Fast die Hälfte des Gewinns stammt aus dem Buchwert der Aktien, die Repsol als strategische Reserve für Spanien hält.

Zusammen mit den 2,5 Milliarden Euro, die der Konzern im vergangenen Jahr verdient habe, könnten die Verluste von 2019 und 2020 mehr und mehr kompensiert werden, teilte Repsol heute in Madrid mit. Damals führten die Corona-Pandemie und Vermögensanpassungen zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen zu Gesamtschäden von mehr als sieben Milliarden Euro.

Sondersteuer für Energieunternehmen

Viele Ölkonzerne wie Shell haben vom starken Anstieg der Ölpreise profitiert. Ein Barrel Brent-Rohöl kostet derzeit mehr als 108 US-Dollar, verglichen mit 75 US-Dollar vor einem Jahr. Rekordergebnisse werden auch von den Energiegiganten ExxonMobil, Chevron und BP erwartet, die ihre Zahlen voraussichtlich in den kommenden Tagen veröffentlichen werden. Die Milliardengewinne der Energiekonzerne dürften die Debatte um die Einführung einer Gewinnsteuer befeuern. Mit einer solchen Sondersteuer sollen unter anderem die Gewinne von Unternehmen eliminiert werden, die derzeit von hohen Energiepreisen profitieren.

Im Mai führte die britische Regierung infolge steigender Rohstoffpreise eine Sondersteuer auf überdurchschnittliche Gewinne in der Öl- und Gasindustrie ein, die auch Shell betrifft. Bei der Energiequote von 25 Prozent will die britische Regierung fünf Milliarden Pfund zur Finanzierung der Sozialausgaben einnehmen.

Auch in Ländern wie Belgien und Spanien soll es eine Sonderbesteuerung für Energieunternehmen geben. In Deutschland wurde bereits über die Einführung einer Gewinnsteuer diskutiert, doch die Koalition ist in der Frage gespalten. Die Grünen-Chefin Ricarda Lang erklärte, diese exzessive Gewinnbesteuerung sei ein logischer Schritt. Im Mai hatte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) die Einführung einer Sondersteuer abgelehnt.

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