Stand: 26.05.2022 08:53 Uhr
Der Satiriker Hans Scheibner prägte vor allem in den 1970er Jahren den Geist der Bundesrepublik. Bekannt wurde es unter anderem durch die Sendung „scheibnweise“. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.
Der Hamburger Sänger, Liedermacher und Kabarettist Hans Scheibner ist am Montag im Alter von 85 Jahren gestorben, wie seine Familie jetzt der Nachrichtenagentur dpa meldete.
Mit Liedern wie „Ich stehe gerne am Fließband“, mit seiner Serie „scheibnweise“ (1979 im Ersten) oder der NDR-Politsatire-Sendung „Walther und Willy“ (2001–2006) hatte Scheibner den überregionalen Erfolg gefeiert. Seine beste Zeit hatte der Spediteursohn jedoch in der legendären „Hamburger Szene“ der 1970er Jahre. Mit seinem Liedtext „Schmidtchen Schleicher“ gelang Sänger Nico Haak 1976 ein sehr beliebter Hit unter den Top Ten.
Erreichen Sie eine Anti-Atom-Bewegung
Der Hauptsong seiner LP „Achterndiek“ wurde nicht nur in Brokdorf zum Hit der Anti-Atom-Bewegung. Der Künstler selbst hat seine Karriere jedoch immer wieder gebremst. So verglich er 1985 in der NDR-Talkshow Soldaten mit Attentätern, woraufhin er “wegen Betrugs” für lange Zeit entlassen wurde. Der Satiriker, der sich auch gern mit Alltäglichem und Zwischenmenschlichem beschäftigte (“Wer nimmt Oma weg?”), wirkte oft zu konservativ für Linke und zu links für Konservative.
“Ich will nicht in den Himmel kommen!”
Anlässlich eines Jubiläums sagte Scheibner der dpa einmal, er habe sich ein „humanistisches Menschenbild“ angeeignet, indem er alles von Sokrates und Plato bis zu Lessing und Kierkegaard gelesen habe. Kirche und Religion hatte er ebenso abgeschworen wie später der dem Zeitgeist entsprechende Marxismus. Seiner Autobiografie, die er im Spätsommer 2016 zu seinem 80. Geburtstag präsentierte, gab er den Titel „Ich will nicht in den Himmel!“
Scheibner wurde 1936 in Hamburg geboren und erhielt auch die Biermann-Ratjen-Medaille seiner Heimatstadt. Der Künstler, in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Petra Verena Milchert verheiratet und Vater von vier Töchtern, starb nach kurzer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Hamburg.