Trockenheit in Wäldern Robuste Baumarten gegen Wüstenbildung

Stand: 16.06.2022 17:25

Die UN fordert mehr Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Doch seine Folgen sind längst sichtbar. Hitze und Dürre setzten dem deutschen Wald zu. Kann es sich an veränderte Bedingungen anpassen?

„Lebensgefahr durch herabstürzende Äste und tote Bäume“, steht auf dem Schild am provisorischen Holzzaun am Ende einer beliebten Joggingstrecke durch den Lenneberger Wald bei Mainz. Hier geht es nicht weiter.

„Es wäre sehr fahrlässig, Menschen hier hereinzulassen“, erklärt Förster Stefan Dorschel, während er durch sein Revier geht. Im Lennebergwald gibt es mehrere solcher Sperrflächen, 20 Hektar sind nicht mehr zugänglich. Die Bäume dort sind so beschädigt, dass sie gefährlich werden können.

Über 700 Hektar erstreckt sich das Waldgebiet zwischen Mainz, Ingelheim und Budenheim, eine grüne Lunge in einer waldarmen Region. Wanderer, Wanderer und Radfahrer suchen hier Entspannung und Ruhe.

Folgen des Klimawandels

Schulklassen und andere Gruppen sind vermehrt unterwegs. Förster Dorschel bietet Führungen an, die die Folgen extremer Trockenheit zeigen. Oft richtet sich der Blick nach oben, denn das Sterben eines Baumes beginnt an seiner Krone. „Wer den Klimawandel sehen will, ist hier genau richtig“, sagt Dorschel. Besonders die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 haben den Wald mit dramatischen Folgen hart getroffen.

Kiefern und Buchen verschwinden

Zu den Besonderheiten des Lenneberger Waldes gehört, dass der Boden hier besonders sandig ist. In Trockenperioden erhalten Bäume noch weniger Wasser als anderswo, weil durchlässige Sandböden Feuchtigkeit nicht gut speichern können. Die Folge: Jahrhunderte alte Kiefern sind vertrocknet; Überall im Wald gibt es Freiflächen. Der Lenneberger Wald bestand früher zu 60 Prozent aus Kiefern. Heute sind es nicht mehr als 30 Prozent. „Tendenz zum Fallen“, ergänzt der Förster.

Hunderte Buchen sind auch eingegangen, die Hälfte des Bestandes ist beschädigt oder tot. „Anfangs war es für uns alle hier im Team sehr schwierig“, sagt Dorschel. “Unsere Herzen haben sehr geblutet und wir haben total gelitten.”

Inzwischen haben er und sein Team akzeptiert, dass nur wenige Kiefern überleben werden und sich ihr Wald grundlegend verändert. Sie arbeiten jeden Tag daran, dass der Lennebergwald erhalten bleibt.

Dorschel arbeitet am Umbau des Waldes. Bild: Lucretia Gather / SWR

BUND: Nur jeder fünfte Baum ist gesund

„Dem deutschen Wald geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagte Jörg Nitsch, Sprecher des Arbeitskreises Forstwirtschaft des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Seit Beginn der Prospektion war der durchschnittliche Zustand der Baumkronen noch nie so schlecht. Die Schichten von mehr als einem Drittel der Bäume sind deutlich “beleuchtet”. Nur jeder fünfte Baum in Deutschland ist gesund.

Die Situation habe sich “drastisch verschlechtert”, sagt Nitsch. Denn Trockenheit und Hitze hätten Wälder und Waldböden nicht nur ausgetrocknet, sondern auch anfälliger gemacht. Waldbrände, Stürme und Schädlinge wie Käfer und Schmetterlinge haben zum Einsturz ganzer Bestände von Fichten- und Kiefernmonokulturen geführt.

Anpassung des Waldes an den Klimawandel

Der aktuelle Forstregierungsbericht der Bundesregierung zeigt, dass in Deutschland 277.000 Hektar Waldfläche wieder aufgeforstet werden müssen, eine Fläche, die etwas größer ist als die Saar.

Experten setzen daher auf einen Umbau des Waldes: weg von Fichten- und Kiefernwäldern hin zu Laubmischwäldern mit heimischen Baumarten. „Nahezu natürliche Mischwälder sind viel stabiler und damit widerstandsfähiger gegen Klimastress“, erklärt Nitsch. Doch dem BUND geht der Umbau des Waldes zu langsam voran: „Es muss noch viel mehr getan werden, auch von der Politik.“

Pflanzung klimastabiler Baumarten

Im Forst Lenneberg in Mainz wurde vor einigen Jahren mit dem Umbau des Waldes begonnen. Förster Dorschel und seine Mitarbeiter pflanzen auf lichten Flächen Bäume neu. „Wir pflanzen viele verschiedene Arten“, sagt Stefan Dorschel, „wie Eichen, Elsbeere, Linden oder Buchen, und hoffentlich setzen sich später die robusteren durch.“ Die Holzzäune schützen den Neuen, wenige Zentimeter hoch, filigran. Hirsch- und Wildschweinpflanzen.

Kann man seinen Wald dauerhaft retten? Prognosen wagt der Förster nicht. Sie befürchtet heißere Sommer, die den Baumbestand weiter reduzieren und auch Jungpflanzen schaden könnten. „Im schlimmsten Fall wird unser Lenneberger Wald zu einer Steppenlandschaft“, befürchtet Dorschel. Bestenfalls überwiegen robuste Baumarten und passen sich an den Klimawandel an, sagt er: „Das wäre in Ordnung, für uns alle.“

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