„Tropfen auf den heißen Stein“? Die Nettorenten steigen so schnell wie lange nicht
31.01.2023 17:44
Vor zehn Jahren betrug die Nettorente 855 Euro. Nach kleinen Steigerungen machte der Rentensatz im vergangenen Jahr einen großen Sprung und stieg um 5,8 Prozent. Aber immer noch bekommt mehr als die Hälfte der Rentner weniger als 1000 Euro. „Zutiefst unfair“, sagt VdK-Präsident Bentele.
Die Nettorenten in Deutschland sind im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. Die durchschnittlich gezahlte Rente stieg von 1.089 auf 1.152 Euro, ein Plus von 63 Euro, bestätigte die Deutsche Rentenversicherung. Angesichts steigender Preise nannte der Sozialverband VdK dies einen „Tropfen auf den heißen Stein“ und forderte kurzfristige Einmalzahlungen. Mehr als die Hälfte der Rentner erhalten immer noch weniger als 1000 Euro.
Männer erhielten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.276 Euro pro Monat und damit netto 68 Euro mehr; bei den Frauen waren es 1060 Euro, ein Plus von 59 Euro. 2013 lag die durchschnittliche Rente noch bei 855 Euro. Seitdem sind die Altersleistungen um durchschnittlich 34,8 Prozent gestiegen, wie die Rentenversicherung mitteilte.
Mehr Frauen profitieren von der Witwenrente
Sie umfasst alle Renten, also Alters-, Invaliditäts- und Witwenrenten. Hauptgründe für den starken Gesamtanstieg im vergangenen Jahr waren unter anderem die kräftigen Rentenerhöhungen zum 1. Juli von 5,35 Prozent im Westen und 6,12 Prozent im Osten. Auch für Invalidenrentner und die Umsetzung der Grundrente gab es Verbesserungen. Die durchschnittliche Netto-Witwerrente stieg im vergangenen Jahr von 512 auf 540 Euro, die der Witwer von 374 auf 396 Euro. Gemeint sind Rentner, die keine andere Altersrente bezogen haben.
Die Zahl der Mehrfachrentner, die zusätzlich zur eigenen Rente eine Witwenrente beziehen, ist den Angaben zufolge im Jahr 2022 erstmals gesunken – um knapp 10.000 auf 4,117 Millionen Menschen. Als mögliche Ursache gelten die vielen Todesfälle bei älteren Menschen durch die Corona-Pandemie. Männer, die zusätzlich eine Witwenrente bezogen, erhielten im Schnitt 1.717 Euro netto (plus 89 Euro). Frauen mit eigener Rente und Witwenrente erhielten monatlich 1.573 Euro, eine Steigerung um 83 Euro.
Der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dirk von der Heide, sagte, dass vor allem Frauen von mehreren Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung profitierten. „Rund 3,5 Millionen erhalten zusätzlich zur eigenen Altersrente eine Witwenrente. Demgegenüber erhalten nur rund 610.000 Männer zusätzlich zur eigenen Rente auch eine Witwenrente.“ Gerade für Witwen leistet die Rentenversicherung einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Absicherung im Todesfall des Partners.
“Zutiefst unfair”
VdK-Präsidentin Verena Bentele wies darauf hin, dass viele Rentner eine Öl- und Gasheizung haben und mit steigenden Energiekosten zu kämpfen haben. Auch Lebensmittel sind immer teurer geworden. „Lange Zeit mussten viele Bezieher kleiner Renten jeden Cent zurückzahlen“, sagt Bentele. Daher benötigen Rentner mit geringem Renteneinkommen “dringend und kurzfristig zusätzliche Einmalzahlungen”.
Bentele bezeichnete es als „zutiefst ungerecht, dass den Beziehern der Grundsicherung im Alter die gesetzliche Rente voll angerechnet wird“. Der Vorsitzende des VdK fordert: „Rentner, die unterhalb des Existenzminimums leben, müssen mehr in der Tasche haben als solche, die nie in die Rentenversicherung eingezahlt haben.“
Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Dietmar Bartsch, forderte trotz stark gestiegener Nettorenten eine außerordentliche Anhebung der Renten um zehn Prozent. “Die Rentenerhöhungen kompensieren die Energie- und Lebensmittelpreise nicht einmal ansatzweise”, sagte Funke den Zeitungen. Neben einer Rentenerhöhung um zehn Prozent müsse das Rentenniveau dauerhaft auf 53 Prozent angehoben werden, so Bartsch.