Trotz der Änderung der US-Zinsen bleiben die Anleger ruhig

Stand: 08.08.2022 12:42 Uhr

Der DAX konnte seine frühen Kursgewinne zwar nicht vollständig verteidigen, blieb aber robust auf hohem Niveau. Der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag wirkt nach wie vor und wird heiß diskutiert.

Während es zunehmend Anzeichen für eine weitere Straffung der US-Geldpolitik gibt, bleiben die Anleger vorerst ruhig. Es gibt keine Anzeichen für einen Verkauf, auch wenn der DAX seine frühen Mittagsgewinne nicht halten kann. Der deutsche Leitindex hatte im frühen Handel die Marke von 13.700 Punkten überschritten und war um gut 1 % auf 13.715 Punkte gestiegen.

Die Frankfurter Wertpapierbörse weist aktuell einen Vorsprung von rund einem halben Prozent aus. Das bedeutet, dass die Anleger nach dem Rückschlag vom Freitag wieder mehr Risiken eingehen. Auch der Rentenmarkt, der am meisten verloren hatte, erholt sich.

„Vollbeschäftigung in den USA ist eine Art Lizenz zur Straffung der Geldpolitik“, sagt Jochen Stanzl, Analyst bei CMC Markets. Alle Augen werden also diese Woche auf neue US-Inflationsdaten gerichtet sein, um weitere Hinweise auf zukünftige Zinsbewegungen zu erhalten.

Nach den vielen Quartalszahlen der vergangenen Woche stehen heute auch zahlreiche neue Analysteneinschätzungen auf der Agenda.

Wirtschaftsupdate vom 08.08.2022

Anne-Catherine Beck, HR, 08.08.2022 09:46 Uhr

Lieferant an der Spitze des DAX, so Bayer-Tahlfahrt weiter

Unter den DAX-Einzeltiteln stechen nach positiven Analystenkommentaren die Versorger E.ON und RWE heraus und stehen an der Spitze des Index. Morgan-Stanley-Analyst Robert Pulleyn hob sein Rating von „underweight“ auf „equal weight“ an und setzte ein leicht reduziertes Kursziel von zehn Euro. Pulleyn glaubt, dass Gasversorgungsrisiken bewertet werden müssen und ein erneuter Test des Jahrestiefs bei 7,716 Euro unwahrscheinlich ist. Jefferies-Experte Ahmed Farman äußerte sich ebenfalls optimistisch zu RWE.

Auf der anderen Seite gibt es bei der Deutschen Post Gewinnmitnahmen. Bayer liegt noch rund 1,7 Prozent im Minus und gehört zu den schwächeren DAX-Werten. Für die Aktie des Leverkusener Pharma- und Agrochemiekonzerns wäre es der dritte rückläufige Tag in Folge seit der Veröffentlichung der Quartalsdaten in der vergangenen Woche und ein Gesamtverlust von rund zehn Prozent. Vor allem die hohen latenten Rechtsrisiken in den USA im Zuge der Monsanto-Akquisition wirken sich weiterhin negativ aus.

Laut Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, trotzen die Aktienmärkte der Politik noch immer. Die Episode um den Besuch der Sprecherin des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten in Taiwan, Nancy Pelosi, deutet jedoch darauf hin, dass der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt um die Unabhängigkeit der demokratischen Inselrepublik in eine neue Phase getreten ist . .

„Nirgendwo wird deutlicher, dass Chinas wirtschaftliches Erstarken mit einer Verschiebung der politischen und militärischen Macht einhergeht“, so Kater weiter.

Der Dollar ist wieder unter 1,02 $

Der Euro bewegt sich mittags kaum. Die geteilte Münze wird bei 1,0185 $ gehandelt, ungefähr auf dem Niveau von Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins kürzlich deutlich höher auf 1,0233 $ festgesetzt. Die US-Wirtschaft hatte im Juli überraschend viele Arbeitsplätze geschaffen, was Spekulationen über eine erneute deutliche Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) nährte und dem US-Dollar Auftrieb verlieh.

Zudem hat ein Mitglied der US-Notenbank Hinweise auf einen weiteren starken Anstieg der Zinsen vorgelegt. Die Fed sei mit der Eindämmung der Inflation noch lange nicht fertig, sagte Mary Daly, Präsidentin der San Francisco Regional Reserve Bank. Starke Arbeitsmarktdaten bieten Spielraum für eine weitere Straffung.

Konjunkturstimmung in Europa etwas besser

Überraschenderweise verbesserte sich die wirtschaftliche Stimmung in der Eurozone im August leicht. Nach einem starken Einbruch im Juli stieg der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindikator um 1,2 Punkte auf 25,2 Punkte weniger, wie Sentix mitteilte. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen. Im Juli war der Indikator auf den niedrigsten Stand seit zwei guten Jahren gefallen.

China mit gemischten Außenhandelsdaten

Positive Wirtschaftsnachrichten kamen auch aus China: Ein unerwartet starkes Exportwachstum gibt der wirtschaftlichen Erholung des Landes neue Impulse. Die Exporte in US-Dollar stiegen im Juli gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 18 Prozent, während Analysten eine Verlangsamung des Exportwachstums prognostiziert hatten. Die Importe stiegen im Jahresvergleich um 2,3 Prozent und lagen damit deutlich unter den prognostizierten 3,7 Prozent.

Italien am Rande des Ramschstatus

Am europäischen Staatsanleihemarkt stiegen die Renditen italienischer Staatsanleihen zunächst entgegen dem allgemeinen Markttrend. Zeitweise überschritt die Rendite über die zehnjährige Laufzeit die 3,0-Prozent-Marke. Aber der Handel bleibt nervös. Gefragt waren Anleihen aus den restlichen Euro-Ländern, wobei die Renditen teilweise deutlich zurückgingen. Deutsche Bundesanleihen haben ihre Gewinne ausgeweitet und geben nur noch nach…

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