Trotz Missbrauchsstudie: Der Münsteraner Bischof will nicht zurücktreten

Trotz Studium der Missstände will der Münsteraner Bischof nicht zurücktreten

17.06.2022, 14:56

„Die Wahrheit muss ans Licht“: Nach der Studie zum sexuellen Missbrauch in seiner Diözese will Bischof Genn ein Fazit ziehen, doch sein Rücktritt gehört nicht dazu. Rund 200 katholische Geistliche werden in der kürzlich veröffentlichten Studie als Kriminelle genannt; Die Zahl der Opfer übersteigt 600.

Münsters Bischof Felix Genn weigert sich trotz persönlicher Kritik in einer Studie zum sexuellen Missbrauch in seinem Bistum zurückzutreten. In der am Montag veröffentlichten Studie wird dem Bischof ein zu lascher Umgang mit Priestern vorgeworfen, die nach seiner Tat Reue gezeigt hatten. Genn räumte an diesem Freitag Fehler ein. Aber er verbarg nichts.

„Deshalb möchte ich den Rest meiner Amtszeit als Bischof von Münster mit größtem Engagement nutzen, um weiterhin aufmerksamer darauf zu hören, was mir Betroffene und unabhängige Stellen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bistum Münster empfehlen und versuche es umzusetzen. das.“ Münster ist eines der größten deutschen Bistümer.

Die Krypta des Bischofs der Kathedrale bleibt geschlossen

In einer ersten ausführlichen Erklärung kündigte Genn an, dass seine Diözese Konsequenzen aus der Studie ziehen werde, in der fast 200 katholische Geistliche als Kriminelle identifiziert wurden. Dazu gehört, die Krypta des Dombischofs vorerst geschlossen zu halten. Drei Vorgänger sind beerdigt, die sich der Studie zufolge bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen grob fahrlässig verhalten haben.

„Ich werde die Toten ruhen lassen, aber die Wahrheit muss ans Licht kommen“, sagte Genn. Der Weg dazu ist noch offen. Auch Betroffene sollen das Wort haben. Der Bischof sprach von einer missverstandenen Brüderlichkeit im Umgang mit den Tätern. Sexueller Missbrauch sei “immer Machtmissbrauch”. Sie wird daher prüfen, ob eine Verwaltungsgerichtsbarkeit der Kirche eine Lösung sein kann. Der Bischof sollte sich seinen Entscheidungen unterwerfen.

Die Bischofskonferenz prüft bereits diese Einführung. Genn will auch, dass Personalentscheidungen transparenter werden. Bisher besteht die Personalkonferenz nur aus Männern und Priestern. Laut der Studie gibt es “männliche Gewerkschaftsstrukturen”.

Vorschlag für einen Prüfungsausschuss

Genn schlug auch vor, in der Diözese eine Überprüfungskommission einzurichten. Eine entsprechende Vereinbarung findet sich in einer gemeinsamen Erklärung des ehemaligen unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs von Kindern, Johannes-Wilhelm Rörig, und des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann. Auch der Autor der Studie, der Historiker Thomas Großbölting, und der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sollen in der Kommission sitzen.

Die Studie hat laut Bischof auch persönliche Konsequenzen. Der ehemalige Domherr Theodor Buckstegen forderte seine Freilassung. Von 1986 bis 2009 wurde ihm als Leiter der Abteilung Seelsorge/Personal ein massenhaftes Fehlverhalten bei der Behandlung von sexuellem Missbrauch auferlegt. Der Hamburger Altbischof Werner Thissen – ehemals Weihbischof und Generalvikar in Münster – bat darum, das Arbeitszimmer in Ruhe besichtigen zu dürfen. Erst danach soll über die Beibehaltung des Ehrenkanonikertitels entschieden werden.

Fast 200 Täter, mehr als 600 Opfer

Zwischen 1945 und 2020 waren nach Recherchen des fünfköpfigen Ermittlungsteams mindestens 196 Geistliche Täter und 610 Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch. Nach dem Erzbistum Köln ist Münster nach der Zahl der Katholiken neben Freiburg und Stuttgart eines der größten Bistümer Deutschlands. Zum Bistum gehören auch Teile des Oldenburger Münsterlandes in Niedersachsen.

Auch konnten die Ermittler in mehreren Fällen jahrzehntelanges Versagen der Diözesanleitung, Verschleierung und Frustration der Justiz durch Personalverantwortliche nachweisen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *