Gerne nehmen Anna Netrebko und ihr Klavierbegleiter Malcolm Martineau den Schlussapplaus an der Mailänder Scala entgegen.
Bild: Schlussstein
Operndiva Anna Netrebko hat nur gezögert, sich vom Ukrainekrieg zu distanzieren. Nun taucht sie nach einer Pause wieder auf, am Freitag zum Beispiel an der Mailänder Scala. Im Publikum saß Musikkritiker Christian Berzins.
Anna Netrebko ist zurück.
Die russisch-österreichische Star-Sopranistin hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel Kritik für den Krieg in der Ukraine und ihre Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin einstecken müssen.
Daraufhin sagten mehrere große Opernhäuser ihre Vorstellungen ab und der langjährige Regisseur verließ den Künstler. Anfang März wurde Anna Netrebko auch an der Mailänder Scala in Francesco Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“ eingewechselt.
Am vergangenen Freitag stand die 50-jährige Operndiva erstmals wieder auf der Bühne der norditalienischen Stadt. Er eröffnete das ausverkaufte Konzert mit der Arie „Io son l’umile ancella“ aus Cileas Oper.
Christian Berzins, am Freitag kehrte Anna Netrebko auf die großen Bühnen zurück: Sie trat bei einem Liederabend an der Mailänder Scala auf. Wie haben Sie Ihr Konzert erlebt?
Künstlerisch gemischt, aber das war bald egal: Fans der internationalen Oper – Deutsche, Schweizer, Franzosen, Russen und Italiener – feierten ihre Anna. Und sie genoss es.
Bedingt durch den Krieg in der Ukraine musste die Diva der russisch-österreichischen Oper in den letzten Wochen und Monaten viel schlechte Presse einstecken. Netrebko ist ein Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Wie reagierte das als durchaus kritisch bekannte Mailänder Publikum auf seinen Auftritt?
Persönliche Daten: Christian Berzins
zVg
Christian Berzins ist Autor und Musikkritiker von CH Media. Mit neun Jahren hörte er seine erste „Zauberflöte“ bei den Salzburger Festspielen, und in den folgenden Jahren lebte der Jahrhundertregisseur Herbert von Karajan mehrfach dort. 1998 wurde er Musikkritiker bei der Aargauer Zeitung, schrieb für die Zeit und die Weltwoche, später wurde er Kulturjournalist bei der NZZ am Sonntag.
Die Diva wurde gefeiert: Der ganze Politiker wurde vergessen, das war kein Problem: Blau und Gelb gab es nicht. Es ging auch nicht um die Stimme, obwohl die Mailänder dagegen sehr kritisch sind.
Bei seinem letzten Auftritt am 7. Dezember 2021 im Macbeth buhte das Mailänder Publikum aus.
Diesmal hieß es von Anfang an “Brava”. Doch trotz Standing Ovations am Ende war es kein Triumph.
Warum nicht?
Ganz anders klingt das in Mailand. Anna Netrebko sang nicht gut genug, um das Publikum zu erzürnen. Auch der Blumenstrauß, der nach dem ersten Song wie ein totes Tier auf die Bühne klatschte, half nicht viel.
Die Operndiva eröffnete ihr ausverkauftes Konzert zurück in der Mailänder Scala mit der Arie „Io son l’umile ancella“ aus der Oper „Adriana Lecouvreur“. Anfang März hatte er sich entschieden, in dieser Oper von Francesco Cilea nicht aufzutreten.
Der Beginn des Konzerts war ziemlich bedeutsam. Anna Netrebko liebt schwanger mit Bedeutung.
Wie beurteilen Sie als erfahrener Musikkritiker Ihre Leistung?
Wie gesagt: durch. Anna Netrebko spielt zu sehr Diva, sie vertraut ihrem glänzenden Kapital, aber sie sang Arien und Lieder durch, die ihr keine großen Schwierigkeiten bereiteten.
Als wir Mitte April über die 50-jährige Sängerin sprachen, sagten Sie: “Sie kommt sicher runter.”
Ja, wenn es so weitergeht, soll es so sein. Er zeigt bereits Schwächen, aus seinem Mund kommt noch alles Gold im Schwarzen Meer. Mit 50 Jahren erfand An Edita Gruberova sich und ihre Gesangstechnik neu.
Anna Netrebko trat Mitte vergangener Woche auch in der Pariser Philharmonie auf. Die Opernwelt hat der 50-jährigen Sopranistin also schon vergeben?
Es scheint so.
Werden andere große Häuser bald wieder mit Netrebko arbeiten, nachdem Met New York, das Opernhaus Zürich und das KKL Zürich mehrere Auftritte mit ihr abgesagt haben?
Die Met wahrscheinlich nicht so schnell, die anderen, wenn sie sie bekommen, ja.
Die Operndiva selbst sagte am Freitag, dass sie und ihr Mann Yusif Eyvazov in diesem Jahr für Konzerte nach Regensburg, in die Kölner Philharmonie und in die Hamburger Elbphilharmonie kommen würden.
Es wird sicherlich so sein. Am Freitag waren viele Deutsche an der Mailänder Scala, auch Franzosen und Schweizer. Sie ermutigten sie.
Lesen Sie hier die Kritik von Christian Berzins zum Rückkonzert von Anna Netrebko an der Mailänder Scala.
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