Der ehemalige US-Präsident Donald Trump (75) hat kein Problem damit, dass seine Fans am 6. Januar 2021 das Kapitol stürmen. Noch mehr mit seinem damaligen Vize Mike Pence (63).
Pence spielte nach den demokratischen Spielregeln, als Joe Biden (79) offiziell zum Sieger der Kongresswahl erklärt wurde. Seitdem lässt Trump kaum eine Gelegenheit aus, seinem damaligen Stellvertreter mündlich eine Botschaft zu überbringen.
„Mike hatte nicht den Mut zu handeln“, sagte Trump am Freitag in Nashville, Tennessee, bei einer Veranstaltung, die von einer ultrakonservativen religiösen Organisation organisiert wurde. Pence hatte am 6. Januar 2021 die Chance, „historisch“ zu werden. „Aber Mike hatte Angst, wovor er Angst hatte.“
Trump nährt unverhohlen die Legende, er sei der rechtmäßige Gewinner der US-Wahl und Opfer eines massiven Wahlbetrugs.
Trump-Anhänger hatten damals das Parlamentsgebäude in Washington gestürmt. Dort traf sich der Kongress, um den Wahlsieg von Joe Biden formell zu bestätigen.
Der gewalttätige Mob wollte es vermeiden. Damals leitete Pence als Vizepräsident die Kongresssitzung, rechtlich eine rein zeremonielle Aufgabe.
Zuvor hatte Trump seinen Stellvertreter offen aufgefordert, das Verfahren zu blockieren, um ihm später zum Wahlsieg zu verhelfen.
Kurz vor dem Angriff auf das Kapitol hatte Trump seine Anhänger erneut zu einer Kundgebung mit der falschen Behauptung aufgehetzt, sie hätten ihm den Wahlsieg gestohlen.
Während dieser Rede lag “unglaubliche Liebe und Patriotismus” in der Luft des Publikums, sagte Trump. Nur ein kleiner Prozentsatz ging danach ins Kapitol. Und auch von diesen “haben viele nichts falsch gemacht”.
Als das Kapitol nach brutalen Kämpfen mit der Polizei gestürmt wurde, verwüstete die Menge Büros und machte Jagd auf Volksvertreter. Sie verschanzten sich in den Räumen oder flohen in letzter Sekunde, viele aus Todesangst.
Trump-Aktivisten am 6. Januar 2021 im Capitol Foto: Manuel Balce Ceneta / dpa
Die Terrorbilanz: fünf Tote, 138 verletzte Polizisten. Damals suchten Trump-Anhänger in dem Gebäude nach Pence, den sie als Verräter anklagten und mit dem Strang drohten.
Am Donnerstag wurden bei einer öffentlichen Sitzung des Untersuchungsausschusses zum Angriff auf das US-Kapitol neue Details über die chaotischen Stunden dieses Tages enthüllt.
Trump prangerte das Komitee und seine Mitglieder in seiner Rede an. Er ist ein „Entführer“. „Jeder von ihnen ist ein linker Hasser, der euch alle hasst“, sagte Trump seinem Publikum.
Trump hat die Ermittlungen bereits als „Parodie der Gerechtigkeit“ bezeichnet. Er beharrt weiterhin auf seinen Vorwürfen des Wahlbetrugs. Das Komitee sei nur ein “Versuch, die Öffentlichkeit von der Wahrheit abzulenken”.