Überraschende Einblicke in das Immunsystem bei MS

Professor Flügel ist ein renommierter Grundlagenforscher zur Immunpathogenese der MS. Seine bahnbrechenden Ansätze zur intravitalen Mikroskopie haben zu neuen Erkenntnissen über die Immunpathogenese von MS geführt. Dadurch können die unterschiedlichen Krankheitsverläufe der MS, Entzündung und Demyelinisierung, genauer definiert werden mit dem Ziel, Therapien präziser einsetzen zu können bzw. passgenauere Therapien entwickeln zu können.

Der Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und MS-Forschung hat eine innovative Methode entwickelt, um antigenspezifische T-Zellen im experimentellen Modell der MS-Erkrankung zu markieren und an Entzündungsorten und beim Eintritt in das zentrale Nervensystem sichtbar zu machen. In einem weiteren entscheidenden Forschungsschritt kombinierte der Göttinger Forscher die 2-Photonen-Mikroskopie mit der bereits erwähnten Fluoreszenzmethode. Er zeigte erstmals die Bewegungsmuster pathogener T-Zellen, bevor sie die Blut-Hirn-Schranke überqueren, am lebenden Mausmodell.

T-Zellen als Übeltäter

Unter dem Titel „Selbstaggression im Gehirn: Die Schuldigen sind in Sicht“ beschrieb Professor Flügel in seinem Vortrag anlässlich der Preisverleihung Sobek T-Zellen als „Schuld“ der Selbstaggression im Gehirn. Klinische Beweise, dass MS-Patienten nach einer Atemwegsinfektion vermehrt Schübe entwickeln und Rauchen das MS-Risiko erhöhen kann, brachten ihn auf einen Weg, der seine Forschungsarbeit bestätigte: Die „Schuldigen“ der EM werden in die Lunge umgeleitet, wo die ursprünglich neutrale T-Zellen werden wieder aufgebaut und erhalten die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und zum Gehirn zu wandern.

Die Lunge hat offensichtlich über ihr Mikrobiom eine Verbindung zum Gehirn und beeinflusst auch das Verhalten von B-Zellen, Mikrogliazellen und Makrophagen (Fresszellen) als weitere Akteure im Entzündungsprozess. Mit der 2-Photonen-Mikroskopie lässt sich die Wanderung markierter krankheitsverursachender T-Zellen beobachten: von der Lunge gegen die Blutbahn durch Blutgefäße im Rückenmark zum Gehirn, wenn sie die Gefäßwände aufbrechen und in den Liquor eindringen. . Sie sind fast da: Der Liquor zieht sie ins Gehirn, wo sie nicht nur die weiße Substanz, sondern auch die graue Substanz angreifen und chronische Krankheiten, irreversible Schäden und Atrophie verursachen.

Wer sind die Komplizen?

Weitere innovative Erkenntnisse des renommierten Wissenschaftlers beziehen sich auf das Verhalten von selbstaggressiven T-Zellen. Er zeigte, dass sie nahezu mühelos durch sehr dichtes Nervengewebe manövrieren können, bis sie auf lokale Makrophagen treffen und von diesen aktiviert werden. Erst dann wird eine immunologische Kettenreaktion ausgelöst, die den Beginn der MS markiert. Darüber hinaus identifizierte Flügel die Mechanismen, die es Immunzellen ermöglichen, in verschiedene Regionen des Gehirns einzudringen und diese zu schädigen.

Viele Fragen bleiben unbeantwortet: Woher kommt zum Beispiel die Gehirnangriffsplanung? Gibt es andere Szenarien oder Einflüsse? Welche Rolle spielt der Darm und sein Mikrobiom? Welche Komplizen gibt es? Welche Werkzeuge verwenden Täter, um das Gehirn zu schädigen? Welche anderen Zugangspunkte oder “Eingabehilfen” verwenden Autoren?

Die Lungen- und Darmmikrobiomforschung ist ein relativ neues Gebiet, und erst wenn ihre Rolle entschlüsselt und die oben genannten Fragen adäquat beantwortet sind, können Therapien entwickelt werden, die gezielt an kritischen Stellen im Krankheitsverlauf ansetzen, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden. Bis aus dem jetzigen Experimentierstadium Therapien entwickelt werden können, werden jedoch noch viele Jahre vergehen.

Multiple Sklerose als systemischer Prozess

Die vielfältigen Erkenntnisse der Doktorarbeit haben bereits zu einer neuen Perspektive auf die Immunpathogenese geführt: Multiple Sklerose muss als systemischer Prozess betrachtet werden und nicht nur als eine auf das Zentralnervensystem beschränkte Immunreaktion. Ihre Forschungsergebnisse sind daher wichtige Bausteine ​​auf dem Weg zu hochwirksamen Therapieformen.

Professor Flügel forscht und lehrt an der Universität Göttingen, publiziert seine Arbeiten in renommierten internationalen Fachzeitschriften und wirkt auf Leitungsebene in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien in ganz Europa mit.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *