Ukraine: Präsident Selenskyj entlässt Botschafter Melnyk

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Präsident Selenskyj entlässt Botschafter Melnyk

Stand: 10:45 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten

„Der Diplomat aus einem anderen Land, so diplomatisch wie Deutschland es noch nie erlebt hat“

Der zurückgerufene Botschafter Andriy Melnyk habe in Deutschland „wie ein Löwe“ für sein Land gekämpft, so WELT-Journalistin Tatjana Ohm in der Ukraine. Aber am Ende könnte sein Interview mit dem Ultranationalisten Bandera der Grund für seine Entlassung gewesen sein.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat per Dekret den Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andriy Melnyk, entlassen. Melnyk war zuletzt wegen Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera zunehmend in die Kritik geraten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Botschafter seines Landes in Deutschland, Andriy Melnyk, entlassen. Das ging aus einem am Samstag ergangenen Erlass des Präsidialamtes in Kiew hervor. Der Diplomat war zuletzt wegen Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten und Antisemiten Stepan Bandera in die Kritik geraten.

Wenige Tage zuvor war gemeldet worden, Melnyk solle abgezogen und ins Außenministerium nach Kiew versetzt werden. Der 46-Jährige könnte im Herbst stellvertretender Außenminister werden, schrieb Bild.

Neben Melnyk wurden laut Präsidialamt auch ukrainische Botschafter in Norwegen, Tschechien, Ungarn und Indien entlassen. Die Gründe oder der künftige Einsatz der Diplomaten wurden zunächst nicht genannt.

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Melnyk war acht Jahre lang Botschafter in Berlin. Er hat die Bundesregierung in den vergangenen Monaten wiederholt kritisiert, unter anderem wegen fehlender oder verspäteter Waffenlieferungen an die Ukraine. In letzter Zeit wurde er selbst für seine Verteidigung von Bandera kritisiert.

In einem Interview mit dem Journalisten Tilo Jung sagte Melnyk: „Flag war kein Massenmord an Juden und Polen.“ Dafür gibt es keine Beweise, aber Bandera wurde von der Sowjetunion bewusst dämonisiert. Deutsche, polnische und israelische Historiker leisteten ihren Beitrag. „Ich bin dagegen, Bandera für alle Verbrechen verantwortlich zu machen“, sagte der Botschafter.

Auch aus Israel und Polen war Melnyk scharf kritisiert worden

Bandera war der ideologische Führer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Unterstützer der Ukraine waren 1943 für ethnische Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische Zivilisten getötet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh Bandera nach Deutschland, wo er 1959 von einem sowjetischen Geheimdienstagenten, dem KGB, ermordet wurde.

Die israelische Botschaft in Berlin und der stellvertretende polnische Außenminister kritisierten Melnyks Äußerungen scharf. Das Außenministerium der Ukraine distanzierte sich. Laut einer Erklärung hat Melnyk seine persönliche Meinung zum Ausdruck gebracht und spiegelt nicht die Position des Außenministeriums der Ukraine wider.

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