Umfassende Renovierung für Passionsspiele

Die Entscheidung für eine Neufassung traf Intendant Norbert Mladek gemeinsam mit dem Vorstand des Passionsspielvereins. „Die bereits zehnmal bearbeitete, gekürzte und geänderte Altfassung des Textes wurde aufbereitet und erläutert“, sagte er im APA-Interview. Auch die Idee, für Thiersee eine Version von Pier Paolo Pasolinis „Il Vangelo secondo Matteo“ und dessen Drehbuch zu erstellen, wurde erneut verworfen.

Schließlich trafen sie den Autor und Literaturwissenschaftler Toni Bernhart, den Mladek bereits von seiner Dramatisierung von Vergils „Aeneis“ kannte. „Wer damit umgehen kann, kann auch mit Leidenschaft umgehen“, betonte Mladek. Und genau das sei passiert, sagte er zu Bernhart Rosen.

Passionsspiel Thiersee Nicht alle waren begeistert von der Neugestaltung des Passionsspiels

Umschreiben als schwierige Aufgabe

Aber der Verantwortliche hat auch die Last hervorgehoben, eine Leidenschaft zu übernehmen. „Sie haben es unter anderem mit 2.000 Jahren Literaturgeschichte, 2.000 Jahren Religionsgeschichte und etwa 600 Jahren Ausübung des Leidenschaftsspiels zu tun“, erklärte er. Zu dieser „einzigartigen Chance“ habe er aber sofort „Ja“ gesagt und nach der Anfrage, so Bernhart.

Im kreativen Prozess, der nach Angaben des Autors etwa ein Jahr dauerte, traf er dann mehrere Entscheidungen. „Ich habe apokryphe Texte mitgebracht, also Texte, die in der kanonisierten Bibel nicht zu finden sind“, erklärte Bernhart. Nach Angaben des Autors der Neufassung des Textes habe er sich auch mit zahlreichen Theologen ausgetauscht und beraten. Außerdem wagte er den Trick, die Figur Jesu in drei Akteure aufzuteilen: Kind, Erwachsener und Jesus nach der Auferstehung.

Die Änderungen stießen auf Widerstand

All dies stieß schließlich auf Widerstand aus Thiersee, gab Passionsspielpräsident Michael Juffinger offen zu. „Natürlich hatten viele die alte Leidenschaft im Hinterkopf und einige konnten sich auf die neue nicht einlassen“, sagt Juffinger. Schließlich gelang es nun aber, die Leidenschaft in die Moderne zu bringen und gleichzeitig einen für Thiersee typischen „realistischen Charakter“ zu bewahren.

Auch der Regisseur fand das Projekt Passionsspiele-Neu endlich gelungen: „Die alten Meinungen der Spieler kollidierten mit den neuen, aber am Ende kam alles nach Diskussionen und Erklärungen heraus.“ Abseits der Diskussionsprozesse war es immer ein Gewaltakt: „Es gibt mehr als 100 Rollen und insgesamt 150 Mitwirkende auf der Bühne dieser Leidenschaft“, sagt Mladek. Dass 60 junge Menschen mitmachen, freut den Regisseur besonders: „Das ist auch die Zukunft der Leidenschaft.“

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