UN-Bericht Die Weltbevölkerung wächst langsamer

Stand: 11.07.2022 08:16 Uhr

Laut den Vereinten Nationen werden im November acht Milliarden Menschen auf der Erde leben. Daher bleibt die Geburtenrate hoch, insbesondere im globalen Süden. Insgesamt wächst die Zahl der Menschen aber langsamer.

Laut einem neuen UN-Bericht wächst die Zahl der Menschen auf der Erde langsamer. „Bis 2020 wird die Wachstumsrate der Weltbevölkerung zum ersten Mal seit 1950 jährlich unter 1 % gefallen sein“, sagten die Vereinten Nationen in einem neuen Bericht anlässlich des Weltbevölkerungstages.

Derzeit liegt das Bevölkerungswachstum bei nur 0,8 Prozent, wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) unter Berufung auf UN-Daten mitteilte. Aufgrund der Corona-Pandemie sank auch die Lebenserwartung im Jahr 2021 auf 71 Jahre; 2019 waren es 72,8 Jahre.

Acht Milliarden fallen im November

Die Daten stellen laut Stiftung aber keine Trendwende beim Bevölkerungswachstum dar. In absoluten Zahlen wächst die Weltbevölkerung weiter: rund 66 Millionen Menschen pro Jahr oder durchschnittlich 2,1 Menschen pro Sekunde.

Die Stiftung sagte, dass es derzeit 7.977.000.000 Menschen auf dem Planeten gibt. Die Acht-Milliarden-Grenze soll voraussichtlich am 15. November dieses Jahres erreicht werden. Forscher sagen voraus, dass es bis 2030 8,5 Milliarden Menschen auf der Erde geben wird und 9,7 im Jahr 2050, bevor 2080 maximal 10,4 Milliarden Menschen leben werden, was schätzungsweise bis etwa 2100 andauern wird.

Forderung nach “feministischer Entwicklungspolitik”

Die Geburtenrate ist nach wie vor hoch, insbesondere im globalen Süden. Dort „kriegen viele Mädchen und Frauen immer noch mehr Kinder, als ihnen lieb ist“, sagt DSW-Stellvertretende Geschäftsführerin Angela Bähr.

In Subsahara-Afrika zum Beispiel liegt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 4,6, weit über dem Weltdurchschnitt von 2,3, trotz der rückläufigen Zahl. Die Möglichkeit einer selbstbestimmten Familienplanung von klein auf sei nicht nur ein Menschenrecht, sondern auch ein Schlüssel zur Armutsbekämpfung, erklärte Bähr. „Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, dass Sexualaufklärung und Zugang zu Verhütungsmitteln die Säulen einer feministischen Entwicklungspolitik sein sollten.“

Weniger Wachstum als Chance für Entwicklungsländer

Für John Wilmoth, Direktor der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen, gibt es bei allen regionalen Unterschieden gerade für Entwicklungsländer viele Chancen in der langfristigen globalen Entwicklung. Neben Armuts- und Hungerbekämpfung gilt dies vor allem für das Thema Bildung: Weniger Nachwuchs erhöht die Aufmerksamkeit für jedes Kind.

„Wenn die durchschnittliche Familiengröße abnimmt, werden sowohl Familien als auch Gesellschaften in der Lage sein, mehr in jedes Kind zu investieren, die Qualität der Bildung zu verbessern und das Humankapital der Bevölkerung zu entwickeln“, sagte Wilmoth der Nachrichtenagentur dpa. Der Nachteil geringerer Geburtenraten ist jedoch, dass die Bevölkerung insgesamt altert und ein größerer Teil ein Alter erreicht, in dem sie auf Hilfe angewiesen sind. Vor allem, weil auch die Lebenserwartung steigen wird.

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