Ungarn blockiert erneut neue EU-Sanktionen gegen Russland

Aktualisiert am 01.06.2022 um 20:57 Uhr

  • Der Weg des neuen Sanktionspakets gegen Russland ist endlich klar: Das war die Botschaft des letzten EU-Gipfels in Brüssel.
  • Nur einen Tag später kommt es erneut zu einer Blockade des Landes, die in den Wochen zuvor eine Entscheidung verhindert hat.
  • Konkret fordert das EU-Land einen Verzicht auf die geplanten Strafmaßnahmen gegen das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill.

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Ungarn fordert weitere Änderungen am neuen EU-Sanktionspaket gegen Russland und blockiert erneut dessen Inkrafttreten. Konkret fordert das Land die Einstellung der geplanten Strafmaßnahmen gegen das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend bestätigten.

Eigentlich wollte die EU am Mittwoch den Beschlussfassungsprozess für das sechste Sanktionspaket einleiten. Am Dienstagabend zuvor war nach wochenlangen Diskussionen auf einem Gipfel im ebenfalls geplanten Öl-Embargo-Streit eine Einigung erzielt worden. Ungarn hat verhängt, dass Öllieferungen durch Pipelines zunächst vom Einfuhrverbot ausgenommen sind.

Nach dem Willen anderer EU-Staaten soll Patriarch Kirill wegen seiner Unterstützung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in die EU-Sanktionsliste aufgenommen werden. Kirill hält engen Kontakt zu Präsident Wladimir Putin und ist dem Kreml bisher sehr treu geblieben. Der 75-Jährige hat in seinen Predigten immer wieder den Kriegsverlauf unterstützt und zuletzt sogar behauptet, Russland habe noch nie ein anderes Land angegriffen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, hat kürzlich ein geplantes Treffen mit Kirill abgesagt.

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Orban: „Ungarn wird es nicht zulassen, dass Kirchenführer so behandelt werden“

Beim EU-Gipfel am Montag und Dienstag wurden laut Diplomaten die geplanten Sanktionen gegen Kirill nicht diskutiert. Allerdings hatte Orban bereits Anfang Mai in einem Radiointerview seine Absage ausgesprochen. „Ungarn wird es nicht zulassen, dass Kirchenführer auf diese Weise behandelt werden“, sagte er damals. “Das ist aus prinzipiellen Gründen ein noch wichtigeres Thema als das Ölembargo.”

Wie der Streit beigelegt werden könnte, war am Mittwochabend zunächst unklar. Am Donnerstag könnten nach Angaben von Diplomaten außerhalb eines EU-Ministertreffens in Luxemburg neue Gespräche und ein neuer Versuch einer Einigung stattfinden. (dpa/fra)

Aktualisiert am 01.06.2022 um 12:41 Uhr

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