Großverbraucher wie Industrie und Kraftwerke werden aufgefordert, so weit wie möglich auf alternative Energieträger, vor allem Öl, umzusteigen. Alle in Österreich lebenden Menschen sollten sich auf die kommende Heizperiode vorbereiten und dabei helfen, Strom und Gas zu sparen, sagte Gewessler bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
Eine entsprechende Verordnung zur Energiesteuerung werde zur Begutachtung geschickt, sagte Gewessler. Gleichzeitig betonte der Minister, dass die Situation bei der Gasversorgung weiterhin ungewiss sei. Die Frühwarnstufe – Teil des dreistufigen Gas-Notfallplans – wird vorerst aufrechterhalten, doch mit der angekündigten Wartung der Pipeline „Nord Stream 1“ ab dem 11. Juli steht das nächste kritische Ereignis bevor.
APA/Roland Schlager Die Lage sei kritisch, aber gemeinsam könnten wir die Krise meistern, sagte Gewessler
Der Minister sagte: „Wir stehen derzeit vor einer unsicheren Situation. Ich kann Ihnen nicht versichern, dass die Speicherung auf diesem Niveau fortgesetzt wird, und ich kann auch nicht vorhersagen, wie sich (Russischer Präsident, Anm.) Wladimir Putin verhalten wird.“ Russland ist jedenfalls kein verlässlicher Partner.
Daher werden die Entwicklungen weiterhin genau beobachtet und gegebenenfalls neue Maßnahmen ergriffen.
Keine Alarmstufe
Aus den Analysen zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch „zu schließen, dass derzeit kein Anlass besteht, die Alarmstufe im Gasnotfallplan auszurufen“, so Gewessler. Allerdings müssen nun zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden, um im Ernstfall mit weniger Gas auszukommen.
Debatte
Alternativen zu Gas: Wo soll der Staat ansetzen?
Natürlich können Großunternehmen nicht über Nacht auf alternative Energiequellen umsteigen, aber es ist wichtig, jetzt damit zu beginnen, um für Herbst und Winter gerüstet zu sein. Hier erstattet laut Gewessler der Staat die Kosten.
“Machen Sie sich bereit für die Heizsaison”
An die Privathaushalte gewandt sagte er: „Ich weiß, dass die aktuelle Situation schwierig und anstrengend ist.“ Aber die Krise lässt sich nur gemeinsam bewältigen, was den Einsatz jedes Einzelnen erfordert. „Machen Sie sich jetzt fit für die Heizsaison“, appellierte Gewessler.
Bürger sollten beispielsweise ihre Gastherme reparieren und Heizkörper effizient reinigen und einstellen lassen. Heizkörper sollten frei von Möbeln sein, Fenster und Türen sollten gut abgedichtet sein. Einfache Maßnahmen wie diese hätten ein Einsparpotenzial von rund 15 Prozent.
Laut Urbantschitsch kann derzeit die Gasversorgung durch die APA gewährleistet werden
E-Control: Versorgungssicherheit
E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch betonte, dass derzeit die Gasversorgung gesichert werden könne. Zudem findet eine Speicherung statt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass das Speicherziel im Frühwinter erreicht wird.
Die E-Control akzeptiert die Energiesubstitutionsmaßnahme. Neben Öl als Alternative verwies Ubranzhich auch auf erneuerbare Energiequellen. Ziel sei es, einerseits die Abhängigkeit Russlands zu verringern und andererseits die Auswirkungen von Gasversorgungsstörungen “so gering wie möglich” zu halten.
Wem gehört das Gas?
Laut Gewessler sind die Speicher derzeit zu 46 Prozent gefüllt. Auf die Frage, wie viel davon Österreich gehöre, sagte Urbanschitsch, einzelne Unternehmen sollten die Antwort geben. Auch Gewessler wollte keine konkreten Details nennen, merkte aber an, dass Österreich im Notfall auf das gesamte Lager zugreifen könne.
Er forderte jedoch eine europaweite Koordinierung der nationalen Notfallpläne und eine solidarische Lösung. Die EU-Kommission hat laut Gewessler bereits angekündigt, einen Vorschlag vorzulegen. Schließlich handelt es sich um ein europäisches Netzwerk, das auch entsprechend genutzt werden sollte. Nicht zuletzt ist Österreich auch auf den Gastransport aus anderen EU-Staaten angewiesen.
Der „Worst Case“ mit einem Gas-Totalausfall ist laut Gewessler nicht angenehm und würde ganz Europa erfordern. Mit der Energiesteuerung haben Sie jedoch ein „Maßnahmenpaket“ in der Hand, um die Versorgung sicherzustellen.