Urteil gegen Franco A. Die Frage der Bestimmung

Stand: 15.07.2022 04:45 Uhr

Franco A. wird vorgeworfen, eine rechtsextreme Stimmungsattacke geplant zu haben. Er soll sich als syrischer Flüchtling eine Pseudoidentität zugelegt haben. Ein Urteil wird heute erwartet.

Das letzte Wort des Angeklagten ist ebenso kurz wie schüchtern. Franco A. erklärt, er sei an vielen „schmerzhaften Erfahrungen“, die er in den letzten Jahren machen musste, teilweise selbst schuld, und sein Verhalten habe auch zur langen Dauer des Prozesses beigetragen. Er bedauert dies alles.

Am Ende weiß nur er selbst, ob es eine echte Vision ist, die Franco A.s letzte Aussage vor dem Landgericht Frankfurt (OLG) so kurz gehalten hat, oder sein Rücktritt. So wie am Ende nur er selbst die Fragen beantworten kann. Seit über einem Jahr läuft der ganze Prozess darüber: Wollte der Bundeswehr-Obersturmführer einen rechtsterroristischen Anschlag verüben? Und hat er sich konkret als syrischer Flüchtling ausgegeben?

„Gefährlicher Rechtsextremist“, Joscha Barlitz, HR, zum erwarteten Urteil gegen Franco A.

tagesschau24 10:00 Uhr, 15.7.2022

Am Flughafen deponierte Waffe

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass der 33-jährige Offenbacher am Flughafen der österreichischen Hauptstadt Wien festgenommen wurde. Zwei Wochen zuvor hatte er eine funktionstüchtige, geladene Pistole auf dem Putzschacht einer Behindertentoilette deponiert. Als er wieder danach greift, klicken die Handschellen. Die Waffe wurde von einer Putzfrau entdeckt und der Polizei gemeldet. Er wartete geduldig auf die Rückkehr von Franco A.

Das ist der Anfang des Falles von Franco A. Beim späteren Abgleich seiner Fingerabdrücke stellt sich heraus, dass sie bereits registriert sind: mit dem Namen Benjamin David – ein syrischer Flüchtling, der in Bayern registriert war. Weitere Recherchen folgen. Und sie bringen Bedrohliches ans Licht.

Nach seiner Festnahme in Wien wurde Franco A. schnell wieder freigelassen. Doch Ende April wurde der Bundeswehroffizier erneut festgenommen. Nicht der einzige. Zwei Freunde, von denen die Ermittler glauben, dass sie Kenntnis von den terroristischen Plänen von A. Bei Hausdurchsuchungen wurden Waffen, Munition und Sprengstoff sichergestellt. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft.

Zahlreiche Spuren

Fünf Jahre später sitzt Franco A. allein auf der Anklagebank. Seitdem wurde ein mutmaßlicher Mitverschwörer wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt, während der andere nicht einmal angeklagt wurde. Für einen Terrorvorwurf reichte es in beiden Fällen nicht. Im Fall von Franco A. hingegen wurde die Anklage nach langem juristischem Hin und Her erlassen.

Heute, nach 14 Monaten Verhandlung, soll das Urteil verkündet werden. Klar ist, dass Franco A. verurteilt wird. Die Frage ist: wofür? Der dreifache Familienvater hat teilweise den illegalen Besitz von Waffen, Munition und Sprengstoff eingeräumt. Er hat auch zugegeben, unter der falschen Identität von Benjamin David staatliche Unterstützung erhalten zu haben.

Der Angeklagte bestreitet jedoch weiterhin die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Seine Verteidigung besteht auf dem Freispruch dieser Anklage. Tatsächlich lieferte die Beweisaufnahme in dem umfangreichen Verfahren eine Vielzahl von Indizien, aber keine endgültigen Beweise.

Mit unbewachter Haltung hinter dem Berg

Wenn der Prozess jedoch etwas sehr deutlich beweisen konnte, dann ist es die Weltanschauung des Angeklagten. In zahlreichen Notizen und Sprachnotizen hat A. selbst erklärt, dass er an den Verschwörungstheorien der extremen Rechten festhält, wie zum Beispiel zu glauben, dass westliche Gesellschaften durch gezielte Massenmigration zerstört werden sollten, dass die USA versuchen, „ihre schmutzigen demokratischen System.“ auf den Rest der Welt und daher von den „Juden“ kontrolliert.

Franco A. hielt sich mit diesen Meinungen nicht zurück. Er sprach sie offen gegenüber seinen Kollegen aus und übergab sie auch einer Masterarbeit an der französischen Militärakademie Saint Cyr. Dies wurde zwar abgelehnt, seine Vorgesetzten beließen es aber dabei. Weitere Konsequenzen musste der Berufssoldat nicht befürchten.

Im Zweifel für den Angeklagten

Die Verteidigung hingegen zeichnet ein völlig anderes Bild von ihrem Mandanten. Franco A. gab sich nur als Flüchtling aus, um zu dokumentieren, wie einfach es war, das deutsche Asylsystem auszunutzen. Deshalb, erklärte Moritz-Verteidiger David Schmitt-Fricke, solle er nun in einem politischen Prozess bestraft werden.

Fällt das Urteil gegen Franco A. mild aus, könnte er am Freitag durchaus als freier Mann den Gerichtssaal verlassen. Er sitzt seit Februar in Untersuchungshaft. Nach Anfertigung von Notizen und NS-Erinnerungen auf einer Reise an seinen früheren Wohnort im französischen Straßburg ging das Gericht von einer geheimen Absprache aus.

OLG Frankfurt: Urteil im Prozess gegen Franco A. geplant

Wolfgang Hettfleisch, DLF, 15.7.2022 09:22 Uhr

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