Für immer finanziell abgesichert, wer wünscht sich das nicht? Wer ein S&P500-Geschäft betreibt, hat gute Chancen, dieses Ziel in nur einem Jahr zu erreichen.
Die Gehälter der CEOs der 500 größten Unternehmen in den Vereinigten Staaten sind den sechsten Monat in Folge gestiegen. Laut Wall Street Journal liegt der Durchschnitt für 2021 bei 14,7 Millionen Dollar.
Peter M. Kern steht ganz oben auf dem Siegertreppchen für die besten Gewinne. Der Chef des Online-Reisebüros Expedia Group verdiente 296,3 Millionen Dollar, 2.900-mal mehr als sein durchschnittlicher Angestellter, der immerhin 102.270 Dollar erhielt.
David M. Zaslav, CEO von Warner Bros. Discovery, belegt mit 246,6 Millionen Dollar den zweiten Platz. Tim Cook, der das zweitgrößte Unternehmen der Welt, Apple, leitet, konnte 2021 98,7 Millionen US-Dollar einfordern.
Bestes Schweizer Jahresgehalt: 15 Millionen
In der Schweiz führte Severin Schwan 2021 die Liste der bestverdienenden Schweizer CEOs an. Jahresgehalt: gut 15 Millionen Franken. Ralph Hamers von UBS wurde Zweiter mit 11,5 Millionen. Es sind immer noch unvorstellbar hohe Summen. Da die USA aber immer als Vorbild dienen, stellt sich die Frage: Sind die besten amerikanischen Löhne auch eine Bedrohung für die Schweiz?
Schweizer Unternehmen sind deutlich kleiner. Mehr als 60 S & P500-Unternehmen beschäftigen mehr als 100.000 Mitarbeiter, davon nur vier in der Schweiz. Auch Vergütungsexperte Urs Klingler (64) weist darauf hin, dass die Rollentrennung zwischen Verwaltungsratspräsident und CEO in den USA oft nicht ganz klar sei. Daher hat der CEO noch mehr Einfluss, einschließlich seines eigenen Gehalts. Auch bei der Zusammensetzung der Löhne gibt es länderspezifische Unterschiede. In der Schweiz macht das Fixgehalt zwischen 20 und 30 Prozent der Gesamtvergütung aus. In den USA hingegen bestehen die Löhne fast ausschließlich aus variabler Vergütung in Form von Boni, Aktien und Optionen. Von den knapp 300 Millionen Dollar, die Peter M. Kern 2021 verdiente, werden nur 850.000 Dollar in bar überwiesen.
Variable Komponente als unternehmerische Motivation
Der variable Gehaltsanteil wird grundsätzlich erst ab Erreichen einer bestimmten Börsennotierung ausbezahlt. Dies sollte den CEO ermutigen, wie ein Unternehmer zu handeln. Allerdings hängt der Marktwert von vielen Faktoren ab: Auf die meisten davon hat der CEO keinen Einfluss, zum Beispiel die aktuelle Konjunktur. Katja Rost (46), Professorin am Institut für Soziologie der Universität Zürich, sieht weitere Probleme: Mit der Veröffentlichung vermeintlich positiver Geschäftszahlen könne der CEO kurzfristig den Kurs eines Unternehmens anheben können zum Einzug ihrer variablen Vergütung. Auch die Aussicht auf ein großes Aktienpaket könnte den Kopf dazu verleiten, sich nur auf die zu messenden Dinge zu konzentrieren. Langfristige Investitionen in neue Technologien sind für ihn/sie kein Anreiz mehr. Das ist das komplette Gegenteil eines Unternehmers.
Stärker regulierter Schweizer Markt
In der Schweiz spielen Boni, Aktien und Optionen als Teil des Gehalts keine so große Rolle wie in den USA. Das liegt unter anderem daran, dass hierzulande mehr Regulierung herrscht und die Attraktivität von Boni nach der Finanzkrise durch Sanktionsregelungen gemindert wurde. Zudem seien laut Klingler die Leistungsbarrieren in den USA deutlich niedriger als in der Schweiz, was dazu führe, dass US-CEOs ihre Ziele leichter erreichen könnten.
Der Experte glaubt daher nicht, dass die Schweizer CEOs in denselben Dimensionen vordringen wie ihre Kollegen im Ausland. Er erwartet nicht, dass höhere Löhne fallen oder stark steigen werden. Aktionäre bei Hauptversammlungen würden solche Exzesse vermeiden.
Was ist ein faires Gehalt?
Katja Rost widerspricht. Er geht davon aus, dass der Schweizer Finanzplatz dem amerikanischen zunehmend nacheifern wird. Aufgrund der Globalisierung ziehen Manager von einem Land ins andere und bringen ihre Erfahrungen und Anforderungen mit. Zudem wollen sich Schweizer Unternehmen auch um die wichtigsten internationalen CEOs bewerben. Manager gewöhnen sich sehr schnell an hohe Gehälter und erst ein exogener Schock, zum Beispiel in Form einer langfristigen Inflation, würde eine variable Vergütung uninteressant machen.
Lässt sich überhaupt ein fairer Lohn ermitteln? Darauf hat Urs Klingler eine klare Antwort: «Nein. „gerecht“ und „gerechtfertigt“ sind subjektive Begriffe. Zum anderen kann die Vergütung des „fairen Marktes“ bestimmt werden. Für eine verantwortungsvolle Ausführung sind Erfahrung, Leistungsfähigkeit und Unabhängigkeit bei der Besetzung des Vorstands von größter Bedeutung.“ Katja Rost lobt besonders das Vergütungssystem von Bund und Kantonen: „Leistung und Verantwortung tragen Früchte; aber es gibt keine Übertreibung zwischen dem Mindestlohn und dem Höchstlohn. Auf diese Weise tragen diese Systeme der Subjektivität der Leistungen Rechnung, denn die Entfernung wird als fair empfunden“.
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