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Erstellt: 31.05.2022, 19:31 Uhr
Von: Patrick Mayer, Franziska Schwarz
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Die russischen Truppen rücken weit in die umkämpfte Stadt Sewerodonezk vor. Die USA warnen vor umeilten Kampfhandlungen in Odessa. Der News-Ticker zur militärischen Lage.
- Ukraine-Konflikt: Kiew fürchtet die „maximale Kampfkraft“ der Putin-Truppen im Donbass.
- Nach heftigen Gefechten rücken die russischen Truppen ins Zentrum von Sewerodonezk vor .
- US-Generalstabschef Mark Milley warnt vor „hochriskantem Militäreinsatz“ in Odessa
- Verluste unter russischen Offizieren: Der britische Geheimdienst zieht Rückschlüsse aus den gemeldeten Zahlen.
- Dieser News-Ticker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg wird fortlaufend aktualisiert.
Update vom 31. Mai, 19.20 Uhr: US-Generalstabschef Mark Milley hält eine Beendigung der Blockade des Hafens von Odessa mit militärischen Mitteln für eine „hochriskante“ Option. „Derzeit sind die Seewege durch Minen und die russische Marine blockiert“, sagte Milley am Dienstag bei einem Besuch in London. „Um diese Seewege zu öffnen, wäre eine sehr große militärische Anstrengung eines Landes oder einer Gruppe von Ländern nötig.“ Ein solcher Einsatz wäre „ein hochriskanter Militäreinsatz“, betonte der US-General.
Die Ukraine und Russland gehören zu den weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Der Export aus beiden Ländern ist wegen des Krieges in der Ukraine, der russischen Blockade von Schwarzmeer-Häfen und der Sanktionen gegen Russland eingebrochen. Der Schiffsverkehr im Schwarzen Meer wird zudem durch Minen gefährdet, die von ukrainischen Einheiten zur Abwehr russischer Angriffe gelegt wurden.
Ukraine-Krieg: Sjewjerodonezk wohl in russischer Hand
Update vom 31. Mai, 15.10 Uhr: Bei ihrer Offensive in der Ostukraine haben die russischen Truppen die Stadt Sjewjerodonezk nach Behördenangaben zur Hälfte erobert. „Leider teilt die Front die Stadt in zwei Hälften“, sagte Bürgermeister Olexander Stryuk. Die ukrainische Armee leiste aber weiterhin Widerstand. Sjewjerodonezk werde weiterhin von der ukrainischen Armee verteidigt, sagte Bürgermeister Stryuk. „Die Stadt ist immer noch ukrainisch“, so Stryuk. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, hatte die Lage in Sjewjerodonezk zuvor als „äußerst kompliziert“ bezeichnet. Er räumte ebenfalls ein, dass ein Teil der Stadt von der russischen Armee kontrolliert werde.
Ukraine-Krieg: Russland meldet Leichenfund in Azovstal – 152 ukrainische Leichen in Containern
Update vom 31. Mai, 11.31 Uhr: Mehr als 150 Leichen will das russische Militär nun in unterirdischen Bunkern gefunden haben, und zwar im Asowstal-Stahlwerk in Mariupol. „In einem Container mit nicht mehr funktionierender Kühlung wurden 152 Leichen von gefallenen Kämpfern und Soldaten der ukrainischen Streitkräfte gelagert“, sagte ein Verteidigungsministeriums-Sprecher.
Die ukrainische Führung habe bis heute keine Anfrage gestellt, die Toten zu überführen. Im Gegenteil, die russischen Truppen hätten unter den Leichen Minen entdeckt, mit denen der Container wohl auf Anweisung Kiews in die Luft gesprengt werden sollte, um Moskau anzuschwärzen, behauptete der Sprecher. Russland werde die Toten in Kürze Vertretern der Ukraine übergeben, erklärte er. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig prüfen.
Die Hafenstadt Mariupol mit vormals mehr als 440.000 Einwohner ist inzwischen fast völlig zerstört. Sie liegt im Süden der Ukraine und wurde bereits in den ersten Kriegstagen von russischen Truppen eingekreist. Die ukrainischen Verteidiger, von denen ein Teil zum Asow-Regiment zählte, verschanzten sich schließlich im Asowstal-Stahlwerk. Mitte Mai ergaben sich dort die letzten Soldaten.
Aufnahme vom 22. Mai: Zerstörte Anlagen des Asowstal-Stahlwerks in Mariupol © Victor/XinHua/dpa
Ukraine-Krieg: Moskau geht laut Geheimdienst mit Luhansk-Offensive Risiken ein
Update vom 31. Mai, 11.19 Uhr: Der Fokus auf Luhansk bedeutet, dass Putins Truppen in anderen besetzen Gebieten ihre Kontrolle riskieren – so schätzt es der britische Geheimdienst aktuell ein. Allerdings: Moskau habe in der Region langsame, aber größere Fortschritte gemacht als in früheren Phasen des Krieges, warnen die Geheimdienstler. Grund sei, dass es seine Truppen und Waffen in einer relativ kleinen Region konzentriert habe.
Um die Regionen Luhansk und Donezk vollständig zu besetzen, wie es Moskau wohl anstrebe, müssten sie neben Sjewjerodonezk auch die wichtige Stadt Kramatorsk und die Hauptverkehrsader zwischen Dnipro und Donezk unter ihre Kontrolle bringen, hieß es im jüngsten Ukraine-Krieg-Update des britischen Verteidigungsministeriums, das die Nachrichtenagentur dpa zusammenfasste.
Ukraine-Krieg-News: Selenskyj warnt vor „maximaler Kampfkraft“ der Putin-Truppen
Update vom 31. Mai, 9.18 Uhr: Die „maximale Kampfkraft der russischen Armee“ sieht Wolodymyr Selenskyj inzwischen in der Ostukraine versammelt. Es ist der 97. Tag des Krieges. Nach Sjewjerodonezk sind nach ukrainischen Angaben bereits am 30. Mai russische Truppen vorgedrungen. Der Feind führe im Raum Sjewjerodonezk „Sturmaktivitäten“ durch, teilte der ukrainische Generalstab mit.
Die Großstadt ist seit Monaten Ziel russischer Angriffe. Sie gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert. Selenskyj nannte in seiner jüngsten Videobotschaft aber noch diese wichtigen Ziele von Putins Truppen:
- Lysytschansk
- Bachmut
- Slowjansk
- Awdijiwka
- Charkiw (zweitgrößte Stadt der Ukraine)
- die Region Sumy
Russland hatte den Angriffskrieg auf das Nachbarland am 24. Februar begonnen. Die Ukraine rechnet derzeit mit einem Großangriff auf das Zentrum ihrer Verteidigungskräfte im Donbass im Osten des Landes. Der Raum Slowjansk-Kramatorsk ist der größte Ballungsraum, der noch unter Kontrolle Kiews steht. Hier ist auch das Oberkommando der Streitkräfte im Osten des Landes stationiert.
Aufnahme vom 29. Mai: Selenskyj in der Region Charkiw © –/Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa
Ukraine-Krieg-News: Kiew meldet russische Sturmversuche von Sjewjerodonezk
Update vom 31. Mai, 7.35 Uhr: Im Osten der Ukraine gehen die Kämpfe um die frühere Großstadt Sjewjerodonezk in die entscheidende Phase. Der Feind führe „im Raum Sjewjerodonezk Sturmaktivitäten im Bereich der Ortschaften Sjewjerodonezk und Toschkiwka durch, die Kampfhandlungen halten an“. Das teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Dienstag mit.
Weitere russische Bodenangriffe werden aus dem etwas weiter westlich gelegenen Raum Bachmut gemeldet. Dort hätten die Russen die Ortschaften Solote, Komyschuwacha, Berestowe, Pokrowske und Dolomitne angegriffen. Im Lagebericht heißt es zwar, die Attacken seien erfolglos verlaufen, gleichzeitig jedoch, dass sie fortgesetzt würden. Die Angriffe rund um Bachmut bezwecken offenbar, den letzten von der Ukraine gehaltenen Ballungsraum in der Region Luhansk, Sjewjerodonezk – Lyssytschansk, abzuschneiden und so die dort stationierten Truppen aufzureiben.
An anderen Frontabschnitten verlief die Nacht auf Dienstag ruhiger. So meldet der ukrainische Generalstab im Raum Slowjansk, der als Zentrum der kiewtreuen Truppen im Donbass gilt, nur vereinzelte Gefechte. Der russische Angriff auf die Ortschaft Dowgenke sei abgewehrt worden. Auch beim Versuch, aus der jüngst vom russischen Militär eroberten Kleinstadt Lyman heraus neue Angriffsrouten zu erkunden, habe der Feind Verluste erlitten und sich zurückgezogen. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.
Slowjansk wurde nach Angaben des Chefs der Militärverwaltung von Donezk, Pawlo Kyrylenko, in der Nacht von einem Raketenschlag getroffen. Dabei seien eine Schule und sieben Wohnhäuser getroffen worden, teilte er am Dienstag mit. Seinen Angaben nach wurden drei Menschen getötet und sechs verletzt.
Ukraine-Krieg: „Maximale Kampfkraft der russischen Armee“ im Donbass
Update vom 31. Mai, 6.40 Uhr: Die Lage im Osten der Ukraine bleibt am 97. Tag des Krieges äußerst schwierig. Im Donbass sei nun die „maximale Kampfkraft der russischen Armee“ versammelt, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft in der Nacht zum Dienstag. In derselben Nacht einigte sich die EU auf einen Kompromiss beim Öl-Embargo. Auch weitere Sanktionen gegen Russland sowie Finanzhilfen für die Ukraine sollen kommen.
In die umkämpfte Großstadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes waren nach ukrainischen Angaben bereits am Montag russische Truppen vorgedrungen. Die Stadt ist seit Monaten Ziel russischer Angriffe. Sie gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert (siehe vorheriges Update). Am Montagmorgen hatten die russischen Truppen nach Angaben des Generalstabs zunächst noch am Stadtrand und in den Außenbezirken gekämpft.
Update vom 30. Mai, 22.43 Uhr: Am späten Montagabend berichten ukrainische Medien von Angriffen im Norden und Süden des Landes: Laut Kyiv Independent habe die russische Armee innerhalb einer Stunde von der Grenze Shostka aus 20 Raketen auf die Region Sumy abgefeuert. Es gäbe keine Berichte über Schäden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.
Außerdem gebe es weitere Versuche der russischen Armee, in der Region Saporischschja vorzurücken, die Region liegt im Süden des Landes. Der Gouverneur sprach von Angriffen auf die Dörfer Orikhiv und Hryhorivka.
Ukraine-Krieg: Russische Truppen – Straßenkämpfe in Sewerodonezk
Update vom 30. Mai, 21.32 Uhr: Sewerodonezk im Osten der Ukraine wird zu einem schwer umkämpften Schauplatz im Ukraine-Krieg: Russische Truppen waren am Montag in Richtung Zentrum von Sewerodonezk vorgedrungen.
Am Montagabend meldet die Ukraine, dass es einen Straßenkampf gebe. Dies schrieb der Gouverneur des Gebietes Luhansk, Serhij Hajdaj, am Montagabend in seinem Telegram-Kanal. Er empfahl Bewohnern der Stadt, in Notunterkünften zu bleiben.
Sewerodonezk gilt als letzter Punkt, den das…