Verbot von Verbrennungsmotoren am Rande: Auftrieb aus EU-Staaten:

Nach dem „Nein“ der FDP könnte nun das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 auf europäischer Ebene aufgehoben werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke von den Grünen beteuert, die Koalition habe einer Zustimmung zugestimmt. Bislang ist die FDP aber nicht weicher geworden. Dies hat auch auf EU-Ebene für neue Impulse gesorgt. Zumindest Italien, Bulgarien, Rumänien, Portugal und die Slowakei fordern nun in einem am Donnerstag vorgelegten gemeinsamen Dokument, das Ende auf 2040 zu verschieben. Das Dokument ist bei der FAZ erhältlich.

Bis 2035 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen „nur“ um 90 Prozent gesenkt werden. Autokonzerne müssten noch einen großen Teil ihrer Flotte auf Elektrofahrzeuge umstellen, könnten aber zumindest einige Verbrenner oder Hybridfahrzeuge verkaufen. Darüber hinaus verlangen alle fünf Länder, dass synthetische Kraftstoffe oder elektronische Kraftstoffe angerechnet werden, um die Ziele zu erreichen. Auch das Europäische Parlament diskutierte beide Vorschläge, lehnte sie jedoch in der Woche nach Pfingsten ab.

Fortschritt kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die französische EU-Ratspräsidentschaft will bei einem Treffen der Umweltminister am kommenden Dienstag eine Einigung über weite Teile des “Fit for 55”-Pakets der Kommission vom vergangenen Juli erzielen. Das Paket zielt darauf ab, die CO2-Emissionen der EU bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, dazu soll das Verbot von Verbrennungsmotoren für Neuwagen beitragen. Botschafter aus EU-Staaten sollen es bereits am Freitagnachmittag ansprechen.

Deutschland gab das Zünglein an der Waage

Allein die fünf Unterzeichner des Dokuments im Kabinett haben nicht genug Sperrminorität, um das Ende der Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 zu stoppen. Daran wird auch die ebenfalls absehbare Ablehnung Ungarns gegen das Verbot nichts ändern. Genau hier kommt die Bundesregierung ins Spiel. Können sie sich gegen den Widerstand der FDP nicht auf eine gemeinsame Position einigen und müssen sich anschließend der Stimme enthalten, so hat dies die Wirkung einer Gegenstimme. Da damit das notwendige Ziel einer qualifizierten Mehrheit, der 65 Prozent der EU-Bevölkerung zustimmen müssen, nicht erreicht würde, wäre der Vorschlag der EU-Kommission gescheitert.

Jetzt muss die französische Ratspräsidentschaft versuchen, einen Kompromiss auszuhandeln. Den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2035 um 100 Prozent zu reduzieren, unterstützen laut Diplomaten bisher Spanien und Polen. Laut Brüssel haben sich sogar Österreich, Belgien, die Länder Niederlande, Irland, Luxemburg und Schweden zu Wort gemeldet zugunsten von 2030. Es ist auch durchaus denkbar, dass Gegner des Ausstiegs aus Verbrennungsmotoren zu Zugeständnissen bei anderen Gesetzen des Klimapakets überredet werden. Insgesamt umfasst das Paket ein Dutzend Gesetze.

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Wenn der Ministerrat am Dienstag kommender Woche seine Position festgelegt hat, ist das Gesetzgebungsverfahren aber ohnehin nicht zu Ende. Minister und Europäisches Parlament müssen sich dann auf eine gemeinsame Position einigen. Obwohl sich die EU-Staaten darauf einigen, das Verbot von Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 zu lockern oder zu verschieben, kann das Parlament es immer noch aufheben.


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