Verdi-Streik: Lufthansa streicht fast gesamtes Programm wegen Streiks

Aufgrund des Warnstreiks von Verdi am Mittwoch streicht die Lufthansa fast das gesamte Programm an ihren deutschen Drehkreuzen Frankfurt und München. Das Unternehmen teilte in Frankfurt mit, dass es an diesem Dienstag sowie Donnerstag und Freitag zu Flugausfällen kommen werde.

Insgesamt sollen mehr als 1.000 Flüge gestrichen worden sein, 134.000 Passagiere seien betroffen. Grund dafür ist ein Streik. Die Gewerkschaft Verdi hat rund 20.000 Beschäftigte vor Ort zu einem Generalstreik aufgerufen, um Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen auszuüben.

Auch die Swiss setzt auf Lufthansa-Personal

Auch die Tochtergesellschaft Lufthansa Swiss muss ein Dutzend Flüge streichen. Konkret strich die Swiss Flüge von Genf nach Frankfurt (drei Hin- und Rückflüge) und von Zürich nach Düsseldorf (drei Hin- und Rückflüge). Der Grund für die Flugausfälle: Der Bodenabfertigungsdienstleister der Lufthansa ist auch für Swiss-Flüge nach Deutschland zuständig. Und die Belegschaft dort streikt morgen, Mittwoch.

„Auch Flüge von Zürich nach Frankfurt und München, die derzeit von Lufthansa durchgeführt werden, sind von Streichungen wegen des Streiks betroffen“, schreibt Sprecher Michael Pelzer auf Blick-Anfrage. Zudem wird der Swiss-Flug nach Düsseldorf am 28. Juli mit einem grösseren Flugzeug durchgeführt, um mehr Passagiere an ihr Ziel zu befördern. Rund 1000 Passagiere sind von der Annullierung von Swiss-Flügen betroffen.

Kommen Sie nach Möglichkeit nicht zu Flughäfen

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte das Vorgehen: „Die frühe Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer bislang konstruktiven Tarifrunde richtet enormen Schaden an. Dies gilt insbesondere für unsere Passagiere in der Spitzenzeit.“ Reisesaison und belastet unsere Mitarbeiter zusätzlich in einer ohnehin schwierigen Flugreisephase.“

Laut der Nachrichtenagentur SDA sind neben den Drehkreuzen Frankfurt und München auch Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln betroffen. Die Lufthansa Group unterhält dort meist kleinere Einheiten, die ihre Dienste auch anderen Fluggesellschaften anbieten. Freitag ist in Bayern der letzte Schultag vor den Sommerferien.

Passagiere ohne Umsteigen sollten nicht zu Flughäfen kommen, da dort „wenige oder gar keine“ Serviceschalter geöffnet sein werden, warnte das Unternehmen.

Nahezu alle Bodenarbeiten betroffen

Passagiere beschwerten sich online über kurzfristige Annullierungen von Interkontinentalflügen in die USA oder nach Hongkong. Das sind in der Regel die letzten Flüge, die Lufthansa im Streikfall streicht. Die Lufthansa warnte Umsteigepassagiere davor, deutsche Drehkreuze ohne Anschlussflug anzufliegen. Es besteht das Risiko, dass Gäste für mehrere Stunden oder Tage nicht anreisen können.

Der ganztägige Streik soll am Mittwoch um 3.45 Uhr beginnen, wie Verdi mitteilte. Dabei kommen ganz unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern zum Einsatz, etwa das Empfangspersonal, Flugzeugtechniker oder die Fahrer der riesigen Schlepper, die die Flugzeuge am Flughafen an die richtigen Stellen schieben. Ohne diese Dienste können Flugzeuge genauso wenig abheben wie ohne Piloten oder Kabinenpersonal.

Lufthansa-Chef hinterfragt Nutzen des Streiks

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock steht vor dem Hintergrund eines teilweise chaotischen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben bereits in diesem Sommer ohne Streiks zu großen Managementproblemen geführt. Verdi macht dafür das Missmanagement von Flughäfen und Fluggesellschaften verantwortlich. Lufthansa-Airline-Chef Jens Ritter hingegen sieht die fragliche Streik-Ankündigung als Fortschritt. Der Streik werde Kunden und Mitarbeiter über den Tag des Streiks hinaus belasten, sagte Ritter auf der Plattform LinkedIn.

Lufthansa bietet nach eigenen Angaben eine pauschale Gehaltserhöhung in zwei Stufen von insgesamt 250 Euro über einen Zeitraum von 18 Monaten an, die ab dem 1. Juli nächsten Jahres mit einer 2-prozentigen Leistungssteigerung einhergeht Bei einem monatlichen Grundgehalt von 3.000 Euro würde dies eine Steigerung von 9 bis 11 Prozent bedeuten, rechnet das Unternehmen vor. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle bezeichnete das Beispiel als „schön kalkuliert“.

Für andere Gehaltsbereiche liege die Erhöhung nur bei rund vier Prozent und führe damit zu Reallohneinbußen bei den Beschäftigten, sagten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Geld in den Lohntabellen bei 12 Monaten Laufzeit, mindestens aber 350 Euro.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *