Verfassungsschutzbericht: Die neue Gefahr für Deutschland

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Die neue Gefahr für Deutschland

Ab: 20:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

“Kronen-Leugner sind jetzt oft pro-russisch”

Angriffe auf Staat und Verfassung nehmen zu. Das geht aus dem neuen vorgelegten Verfassungsschutzbericht für 2021 hervor. Der Vorsitzende des Verfassungsschutzes, Thomas Haldenwang, betont, dass eine neue extremistische Gruppierung die Behörde beunruhige. Die „Think outside the box“-Bewegung.

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Der Verfassungsschutz warnt in seinem Bericht 2021 vor einem diffusen Umfeld, das eine „Delegitimation des Staates“ anstrebe und für Sicherheitsbehörden schwer zu kontrollieren sei. Gleichzeitig bleibt die Gefahr von Rechts- und Linksextremisten sowie Islamisten für Deutschland hoch.

Ein Blick in den Verfassungsschutzbericht 2021 könnte Entspannung suggerieren: Der Eindruck, dass die Bedrohung von Menschen und staatlichen Institutionen durch Extremisten in Deutschland allgemein abnimmt. Aber das ist irreführend. Doch die Gefahrenlage wird immer unübersichtlicher und neue Bedrohungen tauchen auf. „Die Sicherheitslage ist angespannt“, sagte Thomas Haldenwang, Vorsitzender des Bundesamtes für Verfassungsschutz, bei einer gemeinsamen Vorstellung des Berichts mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in Berlin.

Zwar ist die Zahl der rechts- und linksextremen Gewalttaten im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr gesunken, teilweise sogar deutlich. 2021 gab es beispielsweise ein Fünftel weniger linksextremistische Gewalttaten als im Vorjahr.

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Im Detail heißt es in dem Bericht auch, dass es insgesamt weniger islamistische Bedrohungen und potenzielle Gewalttäter gegeben habe. Extremistenforscher Hajo Funke – als Leiter des Amtes für Verfassungsschutz Haldenwang – kam in einem Interview mit WELT jedoch zu folgendem Fazit: „Sicherheitsbehörden und Polizeikräfte stehen derzeit vor Herausforderungen in einer ganz neuen Dimension.“

Einerseits ist der Wille zu Gewalt und Kriminalität bei Extremisten nach wie vor hoch. Für die rechtsextreme Szene sieht der Verfassungsschutz durch die wachsende Vernetzung und Online-Radikalisierung sogar ein erhöhtes Bedrohungspotenzial. Sicherheitsbehörden registrieren zunehmend jünger werdende „selbsternannte Einzeltäter“. “Gewaltaffinität und Gewaltbereitschaft bei Minderjährigen ist keine Seltenheit mehr”, sagte Haldenwang.

Thomas Haldenwang, Präsident des Verfassungsschutzes, und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Was: REUTERS

Die wohl größte Herausforderung für die Sicherheitsbehörden ist jedoch die Tendenz, dass einige Extremisten, die die freiheitliche demokratische Grundordnung ablehnen und gegen den deutschen Staat kämpfen, nicht mehr ohne Weiteres in Kategorien eingeteilt werden können. Er ist auch nicht in der Lage, dem mit den üblichen Methoden entgegenzuwirken. Das Medium, das sie nun zusätzlich beobachten, ist diffus.

Weder eindeutig links noch rechts

Gemeint sind Menschen, die demokratische Entscheidungsprozesse und Institutionen verachten und verlangen, dass behördliche oder gerichtliche Anordnungen ignoriert werden. Sie treten als „Nebendenker“ auf und rufen bei Crown-Demonstrationen zu Gewalttaten auf oder organisieren sogenannte Hausbesuche bei Politikern, um diese einzuschüchtern. Im Allgemeinen sind diese Gruppen eindeutig weder rechts noch links.

Zwar seien sie, wie Verfassungsschutzchef Haldenwang sagte, etwa in Sachsen oder Thüringen eng mit der rechtsextremen Szene verflochten, in Süddeutschland dagegen eher mit linken, radikalen Gegnern. zur Impfung oder Esoterik. Die Zuordnung zu „Reichsbürgern“ und „Selbstverwaltern“ ist schwierig.

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Im Verfassungsschutzbericht wird das Phänomen daher als „Delegitimierung des verfassungsschutzrelevanten Staates“ bezeichnet. Die Gefahr dieser Gruppierungen besteht aus Sicht der Sicherheitsbehörden neben ihrer unklaren Herkunft und dem ständigen Tapetenwechsel darin, dass sie die neuen Ereignisse immer wieder zum Anlass nehmen, gegen den vermeintlich restriktiven Staat zu hetzen: etwa die Flutkatastrophe an der Ahr, die Pandemiekrone oder aktuell der Krieg gegen die Ukraine und die klare Parteinahme der Bundesregierung gegenüber dem Aggressor Russland.

„Einerseits hat sich der breite Protest gegen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus verfestigt und einige der dahinter stehenden Gruppen radikalisiert“, sagte Extremistenforscher Funke. Neben der Bekämpfung von Rechts- und Linksterrorismus sowie islamistisch motiviertem Terrorismus sieht er eine große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden. „Darüber hinaus gibt es jetzt Krieg in der Ukraine, der ein wachsendes Risiko von Cyberangriffen und Spionage durch den russischen Geheimdienst birgt.“

Der Chef des Verfassungsschutzes, Haldenwang, bezeichnete das Vorgehen der russischen Geheimdienste in Deutschland als “ernsthafte Bedrohung, die mit dem Angriff auf die Ukraine eine neue Dimension angenommen hat”. Die Bundesrepublik muss sich stärker als bisher gegen Spionageversuche und Fehlinformationen wappnen.

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„Die Vorstellung, dass mit dem Ende des Kalten Krieges auch entsprechende Aktivitäten ausländischer Geheimdienste in Deutschland obsolet würden, hat sich längst als falsch erwiesen“, sagte Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion.

Der Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollausschusses forderte: „Im Sinne einer gestärkten Demokratie brauchen wir dringend neue Strukturen und Kooperationen, um diese sicherheitspolitischen Bedrohungen zu erkennen und zu bekämpfen.“

Auch Polizeivertreter fordern eine Anpassung der Strukturen zur Extremismusbekämpfung an die veränderte Gefährdungslage. „Wir müssen unbedingt die Analysefähigkeit der Sicherheitsbehörden ausbauen und enger miteinander vernetzen“, sagte Gewerkschaftsvorsitzender Rainer Wendt. „Darüber hinaus muss die rechtliche Möglichkeit geschaffen werden, auf verschlüsselte Kommunikation und IP-Adressen zugreifen zu können, um drohende Gefahren schnellstmöglich zu erkennen.“

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