Verkauf des russischen Immobilienmarktes in Karlovy Vary

Stand: 03.07.2022 10:32 Uhr

Etwa 20.000 Wohnungen und Häuser in russischem Besitz in der tschechischen Kurstadt Karlovy Vary. Aber aus Angst vor Strafen und dem Einfrieren von Vermögenswerten stehen viele Immobilien jetzt zum Verkauf.

Der Makler Alexandr Mizjuk verkauft im Auftrag russischer Eigentümer Immobilien in Karlovy Vary in Tschechien. Und davon gibt es eine Menge. „Russische Vermieter sind sehr besorgt darüber, was mit ihrem Eigentum passieren könnte, wenn sie es jetzt nicht verkaufen“, sagt Mizyuk. “Und sie machen sich Sorgen darüber, wie sie an das Geld kommen, wenn sie jetzt verkaufen.”

Das Immobiliengeschäft mit russischen Kunden war schon einmal gewachsen. Das war vor zehn bis 15 Jahren, als viele von ihnen Wohnungen und Häuser in der traditionsreichen Kurstadt Böhmen kauften. Karlsbad profitierte laut dem Agenten stark davon. „Meine russischen Kunden haben in Karlsbad viel restauriert und renoviert, sie haben viel Geld in den Wiederaufbau der alten historischen Gebäude investiert.“

Karlovy Vary erinnert an eine lange russische Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. 1711 und 1712 reiste der russische Zar Peter der Große zur Kur nach Böhmen. Ihr folgte der russische Adel bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Aber auch Schriftsteller wie Iwan Turgenjew oder Nikolai Gogol zog es immer wieder nach Karlsbad.

Abgleich mit der Sanktionsliste

Eine Renaissance erlebte diese Liebe Anfang der 2000er Jahre: Etwa 20.000 Wohnungen und Häuser in Karlsbad gehören laut Maklerkreisen mehreren tausend russischen Eigentümern. Doch seit dem Krieg in der Ukraine und den Sanktionen des Westens wollen viele ihren Besitz so schnell wie möglich loswerden. An fast jeder Ecke stehen Wohnungen und Häuser zum Verkauf. Oft sind es Geschäftsfamilien aus Moskau, St. Petersburg oder Jekaterinburg, die hier um ihren Besitz fürchten.

Es besteht die Angst, auf der westlichen Sanktionsliste zu landen. Denn dann ist es zu spät. „Wir haben eine Liste von Personen aus Russland und Weißrussland, die sanktioniert wurden“, sagt Makler Mizyuk. “Mit denen können wir keine Geschäfte machen. Sonst gibt es Probleme.”

Russische Besitzer akzeptieren Verluste

Alexandr Mizjuk ist russischsprachiger Ukrainer und lebt seit 2004 in Karlovy Vary. Er versichert nun, dass wohlhabende Russen ihre Immobilien immer noch in Geld umwandeln können. Von einer 135 Quadratmeter großen Wohnung, ideal gelegen in einer Fußgängerzone im Stadtzentrum. Hochwertig renoviert und komplett im russischen Stil ausgestattet. Kronleuchter dürfen nicht fehlen.

„Die Besitzer kommen aus Moskau, eine Unternehmerfamilie“, sagt er. “Hier haben sie 2013 oder 2014 alles fertig gestellt, komplett renoviert.” 400.000 hätten die Eigentümer hier inklusive Kaufpreis investiert. Im Internet wird die Wohnung noch für 8,65 Millionen Kronen angeboten. Das entspricht 350.000 Euro. Aber jetzt soll es nur noch 300.000 Euro kosten.

Russische Besitzer haben kein Visum mehr für die Tschechische Republik. Alles wird durch den ukrainischen Korridor an die Macht gebracht. Da nehmen sie den sechsstelligen Verlust in Kauf. Und hoffentlich kommt der Verkaufserlös auch bei ihnen an. “Über einige Banken können wir das Geld immer noch auf ihre Konten in Russland schicken. Dort tauschen sie es in Rubel um”, berichtet Mizyuk. Dies geschieht längst auch außerhalb der Banken. Denn: „Auf dem Schwarzmarkt gibt es 100 Rubel für einen Euro. Auf der Bank sind es nur 65.“

Viele Russen auch in Baden-Baden

Auch Baden-Baden im Schwarzwald hat eine jahrhundertealte russische Tradition. Und im wohl bekanntesten deutschen Ferienort kauften vor zehn bis 15 Jahren auch viele wohlhabende Russen Immobilien. Anders als in Karlovy Vary gibt es jedoch keine Hinweise auf übereilte Verkaufsaktionen. Im Gegenteil: Rund 2.500 Russen haben hier inzwischen ihren Wohnsitz und prägen das Stadtbild. Davon profitiere auch die Stadt seit Jahren, sagt Baden-Badens Tourismuschefin Nora Waggershauser. „Viele, viele russische Gäste haben hier Immobilien gekauft, weil sie gesehen haben, dass es hier sehr schön ist und sie mehr als zwei Wochen im Jahr dort bleiben wollen.“

Daran sei nichts auszusetzen, sagt der Baden-Badener SPD-Stadtrat Kurt Hochstuhl. Er fordert jedoch eine Überprüfung des Grundstücks und pocht auf Sanktionen gegen Putin-Anhänger. “Unser Ansatzpunkt sollte sein, mögliche Sympathisanten oder Unterstützer dieses Regimes in Moskau dort zu finden, wo es alle wirklich trifft und schmerzlich trifft: im sogenannten Portfolio.”

Undurchsichtige Eigenschaftsstruktur

Ob die sanktionierten Personen auch Immobilien in Baden-Baden besitzen, konnte die Stadtverwaltung dem Kommunalpolitiker allerdings nicht sagen. In Deutschland verhinderten unter anderem Datenschutz und fehlende kommunale Befugnisse, dass Eigentum von Oligarchen ausfindig gemacht werden konnte. Schloss Bühlerhöhe zum Beispiel war für Investoren aus Kasachstan. Diese kasachischen Investoren mit ständig wechselnden Unternehmen haben auch Schloss Seelach und Villa Stroh erworben. Nach Recherchen der Deutschen Welle steckt hinter ihm ein Vertrauter Putins: der frühere kasachische Präsident Nasarbajew.

Stefan Ohme von Transparency International Deutschland fordert eine Behörde, die Vermögenswerte ständig überwachen kann. Tourismus-Chefin Nora Waggershauser hingegen sieht darin den aktuellen Zeitgeist: „Dass schwer zu sagen ist, wer wirklich dahintersteckt, ist eine Situation, an die wir uns einfach gewöhnen müssen.“ Eigentlich gehört das heutzutage zum Immobiliengeschäft dazu.

Haus inkl. Mercedes im Angebot

In einem Vorort der tschechischen Kurstadt Karlsbad macht Immobilienmakler Mizjuk einen kurzen Stopp im Waisenhaus der „Carlsbad International School“. „Es gehörte auch russischen Investoren und wird jetzt versteigert“, sagt er. Weil russische Investoren ihre Zahlungen eingestellt haben. Dann geht es in die Urbanisation „Gejzin Apart“, eine Art „geschlossene Gemeinschaft“. Die 48 Häuser hier wurden 2010 gebaut …

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