Verzweifelte Eltern: Spanische Behörden stecken zwei Schweizer Mädchen (6 und 9) in ein Heim

Veröffentlicht24. Juli 2022, 14:47 Uhr

Verzweifelte Eltern: Spanische Behörden stecken zwei Schweizer Mädchen (6 und 9) in ein Heim

Die katalanische Kinderschutzbehörde hat schwere Vorwürfe gegen die Eltern erhoben. Der Vater weist dies zurück und wirft den Behörden vor, sich mit den Kindern finanziell bereichern zu wollen.

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Die katalanische Kinderschutzbehörde DGAIA steht in Spanien seit langem in der Kritik.

Bilder imago/ZUMA Wire

Keinesfalls sollen alle bei der Behörde eingenommenen Gelder an die jeweiligen Häuser fließen.

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Die DGAIA hat mehr als 8.000 Kinder unter Vormundschaft, rund 40 Prozent davon Ausländer.

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Der letzte Tag, an dem der Schweizer Thomas Lang und seine in Russland geborene Frau Elena Lang ihre Töchter Ellie (9) und Lilie (6) sahen, war der 17. Juni. Die Mädchen sind am Morgen in der renommierten öffentlichen Schule ISCAT Maresme in Canet de Mar (Barcelona) angekommen. Ihre Mutter machte ein Foto von ihnen und nachdem sie sie in der Schule abgesetzt hatte, ging sie zur Arbeit.

Um 13 Uhr erhielt Elena einen Anruf. Es war jemand aus der Abteilung für Sozial- und Familienangelegenheiten der Generalitat de Catalunya, der ihm sagte, er solle die Mädchen nicht von der Schule abholen, weil die Generaldirektion für Kinderbetreuung und Jugend (DGAIA) die Verantwortung übernommen habe Seitdem wissen die Eltern nur noch, dass ihre Töchter in einem Haus leben. Wo genau, wird ihnen nicht gesagt, wie das «NZZ Magazin» (kostenpflichtiger Artikel) berichtet. Auch in Spanien schlägt der Fall Wellen.

Schwere Vorwürfe gegen die Eltern

Thomas und Elena Lang wird vorgeworfen, nicht die leiblichen Eltern der beiden Mädchen Ellie und Lilie zu sein. Außerdem haben sie sich getrennt. Der Vater würde auch die Mutter schlagen. Die weiteren Vorwürfe lauten, dass die Kinder oft die Schule gewechselt hätten und Ellie bereits mit neun Jahren einen eigenen Instagram-Account hatte. Der Schulleiter berichtete den Behörden, dass die Mädchen sexuell gesprochen hatten, unangemessene Kleidung trugen und von fremden Männern von der Schule abgeholt worden waren.

Thomas Lang wehrt sich gegen diese schweren Vorwürfe. Er hat die Geburtsurkunden seiner Töchter. Die Bilder zeigen seine Frau während der Schwangerschaft und nach der Geburt ihrer beiden Töchter. Lang zeigt dem “NZZ Magazin” auch Fotos von Ellie und Lilie als Babys. Auch der Anwalt der Familie weist die Vorwürfe gegenüber den Behörden zurück: Bei den „fremden Männern“ handele es sich um den Vater eines Klassenkameraden, der als Polizist arbeitet, sowie um einen pensionierten Anwalt und Freund der Familie. Sieben Familienmitglieder würden dem “öffentlichen Instagram-Profil” folgen. Nachdem sie mit der Schule gesprochen hatte, stellte die Mutter es auf privat. Die “unangemessene Kleidung” ist großartig, da sie in der Schule Uniformen tragen. Und der Anwalt verlangt einen DNA-Test, damit die Abstammung der Langs zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Der Kinderschutzbund muss bereichert werden

Der Vater wirft der katalanischen Kinderschutzbehörde vor, reich werden zu wollen. 4.000 Euro bekommt er monatlich für jedes Kind unter seiner Obhut. Das Pendant zur Schweizer Kesb steht in Katalonien seit langem in der Kritik.

Die lokalen Medien berichten, dass nicht alle von der Behörde erhaltenen Gelder an die jeweiligen Heime fließen müssen, in denen sich die Minderjährigen aufhalten. Ende 2019 soll die Behörde Jugendzentren 13 Millionen Euro geschuldet haben. Wohin das Geld geflossen ist, ist nicht bekannt. Bei der DGAIA stehen mehr als 8.000 Minderjährige unter Vormundschaft, darunter 40 Prozent Ausländer, erklärt Francisco Cárdenas, Präsident von Aprodeme, dem katalanischen Jugendschutzverband.

Thomas Lang vermutet hinter dem Rückzug des Jungen auch ein politisches Motiv. Seine Frau lebt in einer Ferienvilla, die einem sanktionierten Russen gehört, der die Villa auf einem Immobilienportal zur Miete ausgeschrieben hat. Damit hatte der Regisseur ein Problem. Lang berichtete dem «NZZ Magazin» über eine Familienreise in die Karibik während der Schulschliessung während der Corona-Pandemie. Das hat auch die Schule verärgert.

Die Schweiz kann nicht helfen

Der verzweifelte Vater hat auch die Schweiz um Hilfe gebeten. Die Schweizer Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb hat den spanischen Behörden wegen Ellies Gesundheitszustand eine Gefahrenmeldung übermittelt. Das Verfahren wurde jedoch am 20. Juli ausgesetzt. Dies liegt an einer fehlenden Zuständigkeit nach dem internationalen Kinderschutzübereinkommen.

Auch das Schweizer Konsulat in Barcelona hat sich mit dem Fall befasst, wie die Aussenabteilung des EDA gegenüber dem «NZZ Magazin» bestätigt. „Da sich der Fall auf spanischem Boden abspielt, sind ausschließlich die spanischen Behörden zuständig“, sagt Stéphanie Périllard, Leiterin der konsularischen Schutzabteilung. Das EDA kann bei der DGAIA den Status der Mädchen einsehen, aber nicht direkt eingreifen.

Der Fall dürfte sich hinziehen. Ein Gericht wird sich frühestens im September mit der Angelegenheit befassen. So lange wollen die Eltern nicht warten. “Wir vertrauen den spanischen Behörden nicht”, sagt Thomas Lang. “Wir haben alle Unterlagen eingereicht, aber die Behörden machen, was sie wollen.” Deshalb sucht er Hilfe in der Schweiz.

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