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Von Judith Braun
Schlussfolgern
Laut dem Anthropologen Herman Pontzer ist die einzige Möglichkeit, Gewicht zu verlieren, die Ernährung. Sport und Bewegung helfen kaum.
Durham: Wenn du abnehmen willst, musst du dich ernähren und Sport treiben. So sagt er es zumindest in vielen Ratgebern, die uns im Kampf gegen die Freien unterstützen wollen. Professor Herman Pontzer, ein biologischer Anthropologe und Professor an der Duke University, und sein Team verwenden eine Methode der Physiologie, um den Gesamtenergieverbrauch von Menschen und Tieren in verschiedenen Lebensbereichen zu messen. Dabei fanden sie ein überraschendes Ergebnis: Sport helfe angeblich nicht viel beim Abnehmen.
Diät-Mythos von Experten dementiert: Bewegung hilft nicht beim Abnehmen
Sport ist wichtig zum Abnehmen. Ein Forscher ist dieser Vermutung auf den Grund gegangen und hat Überraschendes entdeckt. (Symbolfoto)
© Claudia Nass / IMAGO
Viele Kollegen halten Pontzers Arbeit für revolutionär. In seinen Augen streitet er überholte Mythen über den menschlichen Energieverbrauch ab. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, ein neues Verständnis von Evolution und Physiologie zu entwickeln. „Wir haben jetzt Daten, die uns eine ganz neue Denkweise darüber geben, wie sich Menschen an Energiegrenzen angepasst haben“, sagte die Paläoanthropologin Leslie Aiello laut Süddeutscher Zeitung. Weil Pontzers Forschung gezeigt hat, dass Bewegung allein nicht dazu beiträgt, im Durchschnitt mehr Energie zu verbrennen. Zum Beispiel verbrauchen sitzende Büroangestellte in den USA weniger Energie als Jäger und Sammler in Afrika, und schwangere Frauen verbrauchen nicht mehr Kalorien pro Tag als andere Erwachsene.
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Forscher untersuchen den Gesamtenergieverbrauch bei Mensch und Tier
Pontzer untersuchte dazu den Gesamtenergieverbrauch (TEE), also die Anzahl der Kilokalorien, die menschliche Zellen in 24 Stunden verbrennen. Es war bereits bekannt, dass der Grundumsatz (BMR), bei dem der Körper im Ruhezustand Energie verbraucht, nur 50 bis 70 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausmacht. Dabei wurde die Kalorienaufnahme von Menschen und Tieren beim Gehen und Laufen auf Laufbändern gemessen.
Anhand einer Orang-Utan-Urinprobe fand der Anthropologe heraus, dass die Tiere nur ein Drittel der Energie verbrauchten, die man bei Säugetieren ihrer Größe vermutet hätte. Nachfolgende Studien mit Affen bestätigten dieses Ergebnis. Studien haben auch gezeigt, dass Menschen unter Menschenaffen mehr Energie pro Tag verbrauchen als andere Menschenaffen, bereinigt um die Körpermasse. Zum Beispiel verbraucht es 20 Prozent mehr als Schimpansen, 40 Prozent mehr als Gorillas und 60 Prozent mehr als Orang-Utans.
Gleichzeitig nehmen Menschenaffen mehr Fett zu als andere Menschenaffen. Laut Pontzer könnte unser überschüssiges Körperfett aufgrund unseres schnelleren Stoffwechsels entstanden sein. Fett dient also als Brennstoffreserve, weil es weniger Energie verbrennt als mageres Gewebe. „Unser Stoffwechsel ist in Jahrmillionen Evolution sicher nicht für einen strandtauglichen Bikini-Körper geschaffen worden“, sagt Pontzer. Menschen haben jedoch die Fähigkeit, Nahrung und Fette schneller in Energie umzuwandeln als andere Menschenaffen. Das verschafft uns gegenüber Tieraffen einen Vorteil, da wir jeden Tag mehr Energie haben, mit der wir zum Beispiel unser Gehirn versorgen können.
Jäger und Sammler verbrauchen nicht mehr Energie als Büroangestellte
Als Pontzer den Energieverbrauch der Hadza in Tansania maß, lieferte ihm diese Studie weitere überraschende Erkenntnisse. Hadza-Frauen laufen etwa fünf Meilen am Tag, Männer neun Meilen, um Essen zu teilen und zu verteilen. Sie bewegen sich also viel mehr als ein typischer Amerikaner in einer Woche. Trotz Unterschieden im Aktivitätsniveau verbrauchen Hadza-Männer und -Frauen täglich die gleiche Menge an Energie wie Männer und Frauen in den Vereinigten Staaten, Europa, Russland und Japan, heißt es in einem Bericht aus dem Jahr 2012.
Die Ergebnisse wurden durch spätere Studien bestätigt. Pontzer vermutet, dass der Körper der Menschen weniger Kalorien für andere unsichtbare Aufgaben wie das Immunsystem oder Stressreaktionen verbraucht und sich so auf mehr Aktivität einstellt. Laut Pontzer stieg die Kalorienaufnahme der Hadza nicht pro Tag, aber die körperliche Aktivität der Hadza “veränderte die Art und Weise, wie sie ihre Kalorien verbrannten”. Eine andere Studie mit Marathonläufern ergab, dass Läufer im Laufe der Zeit immer weniger Kalorien verbrannten.
Bewegung hilft nicht beim Abnehmen, aber Bewegung ist trotzdem wichtig für eine gute Gesundheit
Für Menschen, die versuchen, Gewicht zu verlieren, sind die Ergebnisse von Pontzer sicherlich entmutigend. Allerdings betont der Wissenschaftler, dass Bewegung und Sport für eine gute Gesundheit sogar unerlässlich sind. Schließlich reduziert es das Risiko von Diabetes und Herzerkrankungen. Laut Experten hilft Sport auch dabei, das Gewicht zu halten und nicht zuzunehmen. Pontzer kommt jedoch zu dem Schluss: “Übung verhindert, dass Sie krank werden, aber der beste Weg, das Gewicht zu kontrollieren, ist die Ernährung.”
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und ist daher nicht zur Selbstdiagnose, Behandlung oder Medikation gedacht. Ersetzt keinesfalls einen Arztbesuch. Individuelle Fragen zur klinischen Bildgebung können unsere Redakteure leider nicht beantworten.
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