In Guntramsdorf wird die Sonne gleich doppelt genutzt. Zwischen den Photovoltaikmodulen hat die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) am Standort Wien Energie Kartoffeln gepflanzt. „Sie haben einen ähnlichen Ertrag oder nur geringe Verluste im Vergleich zum photovoltaikfreien Anbau“, sagt Alexander Bauer, Mitarbeiter der Abteilung Landtechnik der BOKU. Allerdings fehlen noch Langzeitstudien und es ist noch nicht möglich, eine verlässliche Empfehlung zu geben, welche Pflanzen in diesen Systemen gut gedeihen.
„Das hängt vom Lichtbedarf der Pflanzen und dem Klima ab. In einem heißen, trockenen Jahr wirkt sich Agri-PV sogar positiv aus, weil die Module Schatten werfen. Auch Windgeschwindigkeit und Verdunstung kann das System beeinflussen“, erklärt Bauer.“ Pflanzen, die viel Sonne brauchen, wie Mais, würden zwischen Photovoltaikmodulen nicht gut wachsen.
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Die Anlage neben der Autobahn versorgt rund 1.200 Haushalte mit Strom. „Die Schlussfolgerungen waren für uns, dass die Kabelstränge von den Modulen zum Boden und hinter den einzelnen Panelreihen anders verlegt werden sollten, damit der Landwirt die Kabel beim Durchfahren hier mit den Geräten nicht beschädigt“, sagt er. Herbert Brandner, Leiter Erneuerbare Energien bei Wien Energie.
In Guntramsdorf gibt es Module, die schräg nach Süden sowie senkrecht nach Osten und Westen ausgerichtet sind. „Wenn man nur nach Süden ausgerichtete Paneele hat, ist die größte Spitze der Erzeugung am Mittag. Mit dem Mix hat man sogar über den Tag verteilt eine Erzeugung von Energie, was auch die Netze entlastet“, sagt Brandner.
große Erde
Vom 17. bis 29. Mai berichten alle ORF-Medien über das Thema „Klima und Energie“ einerseits und die „Rückkehr der Wüste“ andererseits.
Solarenergie für 2030
Für diese Netze bleibt mit der Energiewende noch viel zu tun. Nach Berechnungen der Österreichischen Energieagentur muss die Photovoltaik bis 2030 auch in Niederösterreich 2,7 Terawattstunden Strom erzeugen, um die Energiewende zu schaffen. Die Energiewende wird als Wendepunkt verstanden, ab dem Österreich vollständig und autark mit Ökostrom versorgt werden kann. Derzeit werden im Bundesland 0,48 Terawattstunden Solarstrom erzeugt. Daher soll sich der Wert in den nächsten acht Jahren fast versechsfachen.
Für diesen Ausbau tragen die Bundesländer eine große Verantwortung, indem sie zum Beispiel die Flächennutzungsplanung bestimmen. Das Land Niederösterreich arbeitet derzeit an einem Flächennutzungsplan für Photovoltaikanlagen, dh ausgewiesene Flächen, in denen Photovoltaik auf Freiflächen realisiert werden soll. Bevorzugt sind genutzte oder kontaminierte Flächen wie Deponien. Auch höherwertige Ackerflächen werden nicht genutzt und sollen künftig nicht mehr für Photovoltaikanlagen genutzt werden. Der Bewirtschaftungsplan soll im Sommer vorliegen.
Anzahl der geförderten Photovoltaikanlagen pro 1.000 Einwohner
Interessenten stellen fest, dass Photovoltaikanlagen boomen, vor allem weil die Module vergriffen und die nötigen Installateure meist über Monate ausgebucht sind. Vor kurzem sagte Netz Niederösterreich, dass die vielen kleinen Systeme, die speisen, das Netz destabilisieren werden; mehr dazu in Photovoltaik-Boom führt zu Netzproblemen (noe.ORF.at; 06.05.2022). Bei größeren Anlagen wie Guntramsdorf sei das aber kein Problem, weil sie sich aus einem übergeordneten Netz speisen, sagt Herbert Brandner.
Schwebende Elektrizität
Nicht nur der Boden könnte künftig mehr Strom liefern: Ein Amstettener Unternehmen entwickelt Photovoltaik-Module für Wasserflächen. Seit vergangenem Sommer werden acht Module in einem Kiesteich in Pöchlarn (Kreis Melk) getestet. Sie sind laut Unternehmen wind- und wellenfest und für Süß- und Salzwasser geeignet. In Österreich sieht das Unternehmen vor allem bei Stauseen Potenzial. Die Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen in Seen und Teichen wurden noch nicht untersucht.
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SolOcean GmbH SolOcean testet Solarmodule in einem Kiesteich SolOcean GmbH Die Anlage ist laut SolOcean GmbH für Süß- und Salzwasser geeignet Acht Photovoltaikmodule mit jeweils vier Kilowatt Leistung erzeugen schwimmend im See Strom.
Hinsichtlich der Forschung geht die Photovoltaik in der Landwirtschaft bereits weiter. Guntramsdorf war 2019 einer der ersten Versuche in Österreich. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen baute Wien Energie in Wien-Donaustadt eine dreimal größere Photovoltaikanlage. „Dort werden Winterweizen, Dinkel und Sojabohnen angebaut“, sagt Herbert Brandner.
Gesetzesänderung: einfacher für die Photovoltaikanlage
PV auf den Dächern reicht nicht aus
80 Prozent der Photovoltaikanlagen von Wien Energie stecken in den Ziegeln, und das ist immer noch die bevorzugte Nutzung, „aber wir brauchen jede Möglichkeit, in dieser Geschwindigkeit Strom zu erzeugen, um die Energiewende zu schaffen, denn das sind nicht einmal zehn Jahre mehr“. sagt Brandner.
Nur bei den Dachflächen wird dies nicht möglich sein. „Es ist wichtig, alle sinnvollen Bereiche eines Portfolios an Stromerzeugungsanlagen in Österreich zu nutzen, um unabhängig Energie liefern zu können.“
Auch wenn jemand gute Erfahrungen mit dem Mix aus Landwirtschaft und Photovoltaik in Guntramsdorf und Donaustadt gemacht hat: Kein Gebiet gleicht dem anderen, und „Landwirtschaft funktioniert nicht, da werden ein, zwei Jahre Versuche angebaut und dann weiß man, wie man das macht fünf bis zehn Jahre Erfahrung, um zu wissen, was am besten funktioniert und wo es lang geht“, sagt Alexander Bauer. Aber er spricht sehr gut von Photovoltaik auf Freiflächen: „Wir folgen keiner Fläche, die Anlagen können komplett rückgebaut werden und werden nach ihrer Nutzung wieder zu reinen Ackerflächen.“