Vor 40 Jahren ist Sissi-Schauspielerin Romy Schneider gestorben

29.05.2022 10:47 (29.05.2022 10:47)

Vor 40 Jahren starb die österreichische Schauspielerin Romy Schneider. © Gerhard Rauchwetter / dpa (Archivbild)

Schauspielerin Romy Schneider wurde vor allem durch ihre Rolle als „Sissi“ bekannt. 2022 wird der 40. Todestag der „Femme fatal“ bei den Filmfestspielen von Cannes mit einem Dokumentarfilm gefeiert.

Mal im Dirndl wie eine fröhliche Herzogin in Bayern, die mit „Papili“ durch die Jagdreviere streift. Dann braungebrannt und liebeshungrig mit einem knappen schwarzen Bikini am Pool – Bilder einer Frau mit vielen faszinierenden Gesichtern. Zwischen den Aufnahmen von Romy Schneider liegen keine 14 Jahre, und doch sind es getrennte Welten. Die Psyche der vielseitigen Schauspielerin kann man sich in einem Buch ihrer Tochter Sarah Biasini oder im Filmmuseum anschauen. Romy Schneider wurde 1938 in Wien geboren.

Vor 40 Jahren starb Schauspielerin Romy Schneider

„Romy, femme libre“ heißt der Dokumentarfilm, der anlässlich des 40. Todestages von Romy Schneider (29. Mai) bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde. Sie repräsentiert eine mutige, entschlossene und freie Frau, die sich sowohl persönlich als auch künstlerisch unabhängig gemacht hat, zu einer Zeit, als die finanzielle und sexuelle Autonomie von Frauen noch ein Thema gesellschaftlicher Debatten war.

Romys Dokumentarfilm bei den Filmfestspielen von Cannes 2022

Die Filmemacherinnen Lucie Cariès und Clémentine Deroudille vollenden mit ihrem Dokumentarfilm eine 180-Grad-Wende. Ihr Porträt widerspricht dem oft gezeichneten Bild von Romy Schneider als fragilem Weltstar und Opfer ihres Schicksals. Sie war „ein freies Elektron“, eine Frau, die keine Angst hatte, loszulassen und noch einmal von vorne anzufangen, erklärt Deroudille.

In die Rolle der „Sissi“ schlüpfte Romy Schneider als „Grießbrei“.

Wie 1958, als Romy Schneider Deutschland auf dem Höhepunkt seiner Karriere verließ, um Alain Delon nach Paris zu folgen. Er verließ seine Heimat, wo er mehr als ein Star war, während in Paris niemand auf ihn wartete, betont Deroudille. Mit seinem Ausbruch verärgerte er die deutschsprachige Presse, die darin eine Art Verrat an seinem Erfolgsfilm „Sissi“ sah. Doch Schneider wollte schon lange mit dem Image der Prinzessin brechen, die ihr nach eigener Aussage als “Grießpudding” anhaftete.

Mit offenen Handgelenken ins Krankenhaus gebracht

Außerdem hatte er ausgerechnet mit einem Franzosen eine Beziehung. Romy Schneider lernte den jungen und noch unbekannten kleinen Alain Delon bei den Dreharbeiten zu „Christine“ kennen und verliebte sich in ihn. Er war damals erst zwanzig. Nach einer stürmischen fünfjährigen Beziehung verließ der vielbeschäftigte Playboy die Schauspielerin. Ihre Handgelenke wurden abgeschnitten, aber sie wurde rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht.

Als Ehebrecherin in der deutschen Presse versiegelt

Mutig und entschlossen war sie auch, als sie Mitte der 1960er Jahre wegen des Regisseurs und Schauspielers Harry Meyen, 14, dem Vater ihres Sohnes David, nach Deutschland zurückkehrte. Um ihn 1966 zu heiraten, bezahlte sie ihre Scheidung und wurde in der deutschen Presse als Ehebrecherin gebrandmarkt. Ein weiterer Skandal. Er lernte Meyen 1966 in Berlin kennen, als sein Stiefvater Hans Herbert Blatzheim ein neues Restaurant eröffnete. 1973 trennte sich das Paar. Romy Schneider zahlte Meyen eine horrende Abfindung und zog mit seinem Sohn nach Frankreich. Etwa sechs Jahre später nahm sich Meyen das Leben.

Romy Schneider begann sein Privatleben wieder in Paris

Romy Schneider begann ihr Privatleben wieder in Paris, diesmal mit ihrem elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini, den sie im Dezember 1975 heiratete. Aber auch diese Ehe zerbrach. Sarah hat ein intimes Buch über diese Zeit und dann letztes Jahr geschrieben. „The Beauty of Heaven“ folgt seiner heutigen Beziehung zu seiner Mutter, die starb, als er viereinhalb Jahre alt war, und Sarahs eigener Rolle als Mutter. „Mir war nicht klar, wie sehr man als Elternteil an die eigene Kindheit denkt“, sagte er der APA.

Schneider liebte, verführte und litt im Leben wie auf der Leinwand

Romy Schneider hingegen liebte, verführte und litt, sowohl im Leben als auch auf der Leinwand. Er hat in mehr als 60 Filmen mitgespielt und mit den wichtigsten Namen der Branche wie Luchino Visconti, Claude Sautet, Bertrand Tavernier und Costa-Gavras zusammengearbeitet. Nachdem sie als Teenager Kaiserin Elisabeth von Österreich in „Sissi“ gespielt hatte, wurde ihr die Krone zur Last. Er brach mit dem Klischee der naiven und sorglosen Kinderfrau. In Frankreich wurde sie mit Filmen wie „The Swimming Pool“, „Incest“ und „The Other’s Mistress“ zur „Femme Fatale“.

Von der Schauspielerin Romy Schneider sind noch 62 Filme übrig

Der Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler hat die 62 Filme von Romy Schneider neu aufgegriffen und gezeichnet. Kurz gesagt, seine Konfrontation mit Mimin ist jetzt in Buchform erhältlich. Unter dem schlichten Titel „Romy Schneider“ (btb Verlag) finden Sie zeichnerische Impressionen zu jedem seiner Aufsätze. Außerdem gibt es für jeden Film eine Art Profil. Wer Schneider in diesen Tagen im Kino erleben möchte, kann dies bei der Präsentation des Buches im Filmmuseum Wien tun. „Les Choses de la vie“ von Sautet (1970) wird am Mittwoch (25. Mai) gezeigt.

„The Walker from Sans-Souci“ letzter Film seiner Karriere

„Der Wanderer von Sans-Souci“ war sein letzter Film. Er drehte es nach dem größten Drama seines Lebens. Im Sommer 1981 wurde ihr 14-jähriger Sohn David beim Versuch, einen Zaun zu erklimmen, von einem Metallnagel aufgespießt und starb. In dem Film spielt sie eine Frau, die sich um ein jüdisches Kind kümmert. Auf die Frage, woher er kurz nach Davids Tod die Kraft nahm, mit einem fast gleichaltrigen jungen Mann zu drehen, antwortete er: „Ich wusste, dass es schmerzhafte Momente geben würde, nicht nur wegen einiger Sequenzen, sondern weil mein Job sehr hart ist“.

Romy Schneider starb am 29. Mai 1982 im Alter von 43 Jahren

Sein Tod am 29. Mai 1982 im Alter von 43 Jahren dürfte ein Rätsel bleiben. Sein damaliger Partner, der französische Filmproduzent Laurent Pétin, fand die Schauspielerin in den frühen Morgenstunden tot an ihrem Schreibtisch versunken. Herzversagen war die offizielle Todesursache. Daneben lag ein unvollendeter handgeschriebener Brief.

Gerüchte über den Selbstmord der Schauspielerin kursierten

Selbstmordgerüchte machten zunächst die Runde, weil Schneiders hoher Alkoholkonsum, Schlafmittel und Aufputschmittel bekannt wurden. Eine Autopsie wurde nie durchgeführt, um den Mythos nicht zu zerstören, wie die französische Presse damals glaubte. Die Filmemacher Deroudille und Cariès, deren Film ausschließlich auf Archivmaterial basiert, glauben nicht an die Selbstmordtheorie. Sie erinnern an den Satz, den Romy Schneider auf Französisch sagte: „La facilité m’emmerde“ – das Einfache langweilt mich.

Aktuelle Bücher zu Romy Schneider: Nicolas Mahler: „Romy Schneider. Alle Filme rezensiert und gezeichnet von Mahler“, btb Verlag, 128 Seiten, 12,40 Euro, ISBN: 978-3-442-77235-3; Sarah Biasini: „Die Schönheit des Himmels“, deutsch von Theresa Benkert, Zsolnay Verlag, 192 Seiten, 22,70 Euro, ISBN 978-3-552-07261-9

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