Warnstreik des Bodenpersonals: Am BER fallen alle Lufthansa-Flüge aus

Warnstreik des Bodenpersonals: Am BER fallen alle Lufthansa-Flüge aus

dpa / Axel Heimken

Audio: rbb24-Inforadio | 27.07.2022 | Thomas Rautenberg | Bild: dpa/Axel Heimken

Wegen einer Streikwarnung streicht die Lufthansa für Mittwoch fast tausend Flüge. Auch der Flugplan der Airline wird am BER gekürzt. Im Vergleich zu anderen Flughäfen sind die Auswirkungen in Schönefeld aber recht überschaubar.

Das Bodenpersonal der Lufthansa ist am Mittwoch in einen eintägigen Warnstreik getreten. Infolgedessen reduzierte die Fluggesellschaft fast ihr gesamtes Flugangebot. Auch am Hauptstadtflughafen BER werden am Mittwoch keine Flugzeuge der Lufthansa starten oder landen, wie der Flughafen auf seiner Website mitteilte.

Lufthansa fliegt vom BER zu ihren innerdeutschen Drehkreuzen in Frankfurt und München. Allerdings kommt der Lufthansa-Flugverkehr am Mittwoch fast vollständig zum Erliegen. Lufthansa hatte zunächst angekündigt, vier weitere Flüge vom BER nach München durchführen zu wollen. Sie wurden inzwischen abgesagt.

Flugreisende müssen von Lufthansa informiert werden

Passagiere, die Flüge bei Lufthansa über oder nach Frankfurt und München gebucht haben, sollen von der Fluggesellschaft informiert und möglichst auf andere Flüge umgebucht werden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Allerdings seien „die dafür zur Verfügung stehenden Kapazitäten sehr begrenzt“, betonte ein Sprecher. Passagiere, die nicht zur Umbuchung gebucht hatten, wurden im Vorfeld gebeten, am Mittwoch nicht zum Flughafen zu kommen. Die Schalter sind höchstwahrscheinlich unbemannt.

Hintergrund der Flugausfälle ist ein Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Der ganztägige Ausflug begann am Mittwoch um 3.45 Uhr. Dabei kommen ganz unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern zum Einsatz, etwa das Desk-Personal, Flugzeugtechniker oder die Fahrer der riesigen Schlepper, die die Flugzeuge am Flughafen an die richtigen Stellen schieben. Ohne diese Dienste können Flugzeuge genauso wenig abheben wie ohne Piloten oder Kabinenpersonal.

Die Lufthansa hat wegen des angekündigten Warnstreiks deutschlandweit rund 1.000 Flüge gestrichen. 134.000 Passagiere können ihre ursprünglich geplanten Flüge nicht antreten. Dass die Auswirkungen auf den BER relativ gering sind, liegt daran, dass Lufthansa neben den wenigen Lufthansa-Linienflügen kein eigenes Bodenpersonal in Schönefeld hat. Auch das Abfertigungspersonal wird nicht von Lufthansa, sondern von Dienstleistern beschäftigt. Auswirkungen auf den gesamten Flugbetrieb am BER sind daher nicht zu erwarten.

Für 20.000 Beschäftigte gibt es keine Tarifvereinbarung

Hintergrund des Warnstreiks ist laut Verdi das Schwanken der Tarifverhandlungen der rund 20.000 Beschäftigten. In der zweiten Verhandlungsrunde am 13. Juli legte die Lufthansa-Geschäftsführung ein Tarifangebot vor, das von betroffenen Verdi-Mitgliedern als unzureichend kritisiert wurde.

Verdi hatte eine Lohnerhöhung von 9,5 Prozent oder mindestens 350 Euro mehr pro Monat für Beschäftigte der Lufthansa AG Boden, Lufthansa Technik, Lufthansa Cargo und weiterer Konzerntöchter gefordert.

Lufthansa bietet nach eigenen Angaben eine pauschale Gehaltserhöhung in zwei Stufen von insgesamt 250 Euro über einen Zeitraum von 18 Monaten an, die ab dem 1. Juli nächsten Jahres mit einer 2-prozentigen Leistungssteigerung einhergeht Bei einem monatlichen Grundgehalt von 3.000 Euro würde dies eine Steigerung von 9 bis 11 Prozent bedeuten, rechnet das Unternehmen vor.

  • dpa / Jörg Carstensen

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Lufthansa kritisiert Warnstreiks in Hauptreisezeiten

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock steht vor dem Hintergrund eines teilweise chaotischen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben bereits in diesem Sommer ohne Streiks zu erheblichen Abwicklungsproblemen geführt. Verdi macht dafür das Missmanagement von Flughäfen und Fluggesellschaften verantwortlich.

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte den Warnstreik erneut als überzogen. Die frühe Eskalation des Tarifstreits nach nur zwei Verhandlungstagen in einer konstruktiven Tarifrunde richte enormen Schaden an, erklärte er. Dies betrifft insbesondere Kunden in der Hauptreisezeit, aber auch Mitarbeiter in einer ohnehin schwierigen Phase des Flugverkehrs.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 27.07.2022, 07:05 Uhr

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