Warnstreik Mittwoch: Lufthansa streicht fast alle Flüge nach Frankfurt und München

Mit dem Warnstreik an diesem Mittwoch streicht die Lufthansa fast alle Flüge nach Frankfurt und München

26.07.2022, 11:43 Uhr

Nach der Ankündigung eines Warnstreiks am Mittwoch hat die Lufthansa ihren Flugverkehr an den Drehkreuzen Frankfurt und München fast vollständig eingestellt. Mehr als 1000 Flüge wurden gestrichen. Passagiere äußern bereits ihr Unbehagen.

Aufgrund des Warnstreiks von Verdi am Mittwoch streicht die Lufthansa fast das gesamte Programm an ihren deutschen Drehkreuzen Frankfurt und München. Das Unternehmen teilte in Frankfurt mit, dass es an diesem Dienstag sowie Donnerstag und Freitag zu Flugausfällen kommen werde. Insgesamt sollen mehr als 1.000 Flüge gestrichen worden sein, 134.000 Passagiere seien betroffen.

Die Gewerkschaft Verdi hat rund 20.000 Beschäftigte vor Ort zu einem Generalstreik aufgerufen, um Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen auszuüben. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann kritisierte das Vorgehen: „Die frühzeitige Eskalation nach nur zwei Verhandlungstagen in einer konstruktiven Tarifrunde richtet enormen Schaden an. Dies trifft insbesondere unsere Passagiere in der Hauptreisezeit. Und es belastet unsere Mitarbeiter in einer ohnehin schwierigen Phase mit sehr starkem Flugverkehr.“

Betroffen sind neben den Drehkreuzen Frankfurt und München auch Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Stuttgart und Köln. Die Lufthansa Group unterhält dort meist kleinere Einheiten, die ihre Dienste auch anderen Fluggesellschaften anbieten. Freitag ist in Bayern der letzte Schultag vor den Sommerferien. Passagiere ohne Transfer sollten nicht zu Flughäfen kommen, da dort „wenige, wenn überhaupt, Serviceschalter“ geöffnet sein werden, warnte das Unternehmen.

Fahrgäste beschweren sich online

Passagiere beschwerten sich online über kurzfristige Annullierungen von Interkontinentalflügen in die USA oder nach Hongkong. Das sind in der Regel die letzten Flüge, die Lufthansa im Streikfall streicht. Die Lufthansa warnte Umsteigepassagiere davor, deutsche Drehkreuze ohne Anschlussflug anzufliegen. Es besteht das Risiko, dass Gäste für mehrere Stunden oder Tage nicht anreisen können.

Der ganztägige Streik soll am Mittwoch um 3.45 Uhr beginnen, wie Verdi mitteilte. Dabei kommen ganz unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern zum Einsatz, etwa das Empfangspersonal, Flugzeugtechniker oder die Fahrer der riesigen Schlepper, die die Flugzeuge am Flughafen an die richtigen Stellen schieben. Ohne diese Dienste können Flugzeuge genauso wenig abheben wie ohne Piloten oder Kabinenpersonal.

Der erste Streik bei Lufthansa nach dem Corona-Schock steht vor dem Hintergrund eines teilweise chaotischen Neustarts der Branche. Personalengpässe und eine starke Urlaubsnachfrage haben bereits in diesem Sommer ohne Streiks zu großen Managementproblemen geführt. Verdi macht dafür das Missmanagement von Flughäfen und Fluggesellschaften verantwortlich. Lufthansa-Airline-Chef Jens Ritter hingegen sieht die fragliche Streik-Ankündigung als Fortschritt. Der Streik werde Kunden und Mitarbeiter über den Tag des Streiks hinaus belasten, sagte Ritter auf der Plattform LinkedIn.

Verdi: Gehaltsvorschlag „fair kalkuliert“

Lufthansa bietet nach eigenen Angaben eine pauschale Gehaltserhöhung in zwei Stufen von insgesamt 250 Euro über einen Zeitraum von 18 Monaten an, die ab dem 1. Juli nächsten Jahres mit einer 2-prozentigen Leistungssteigerung einhergeht Bei einem monatlichen Grundgehalt von 3.000 Euro würde dies eine Steigerung von 9 bis 11 Prozent bedeuten, rechnet das Unternehmen vor. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle bezeichnete das Beispiel als „schön kalkuliert“.

Für andere Gehaltsbereiche liege die Erhöhung nur bei rund vier Prozent und führe damit zu Reallohneinbußen bei den Beschäftigten, sagten „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Geld in den Lohntabellen bei 12 Monaten Laufzeit, mindestens aber 350 Euro.

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