Warnstreiks des Lufthansa-Bodenpersonals am Mittwoch

Erstmals seit der Corona-Krise drohen Streiks bei Lufthansa. Während die Pilotwahl stattfindet, bereitet sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf einen eintägigen Kündigungsstreik vor. Er rief die Bodenmitarbeiter der Lufthansa im ganzen Land dazu auf, am Mittwoch den ganzen Tag über in einen Warnstreik zu treten. Der Streik werde am Mittwoch um 3.45 Uhr beginnen und am Donnerstag um 6 Uhr enden, teilte Verdi am Montag in Berlin mit. Es werde „größere Flugausfälle und Verspätungen“ geben. Mitarbeiter an allen Lufthansa-Standorten, beispielsweise in Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München oder Berlin, sind zum Alarmstreik aufgerufen.

Deutliche Gehaltserhöhung „gerechtfertigt“

Zum Bodenpersonal gehören Techniker und Logistiker, ohne deren Dienste das Flugzeug nicht abheben kann. Verdi hatte ein erstes Tarifangebot der Lufthansa abgelehnt, sich aber bereit erklärt, die Verhandlungen für den 3. und 4. August fortzusetzen. Nach Gewerkschaftsangaben hatte das Unternehmen in Verhandlungen Festbeträge und eine erfolgsabhängige Komponente über einen Zeitraum von 18 Monaten angeboten. Die Gewerkschaft hingegen fordert 9,5 Prozent mehr Geld auf den Lohntafeln bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Bei einer Laufzeit von 12 Monaten sollen vor allem die untersten Lohngruppen profitieren. Die Lohnerhöhung muss mindestens 350 Euro betragen und zudem müssen alle Stundenlöhne deutlich vom gesetzlichen Mindestlohn abweichen, der im Oktober auf 12 Euro pro Stunde steigen wird.

Lufthansa: Der „unvernünftige“ Streik

Die Lufthansa bezeichnete den geplanten Streik als “unzumutbar” für Kunden und Mitarbeiter. Eine Arbeitsniederlegung dieser Länge an allen Standorten könne kaum als Warnstreik bezeichnet werden, sagte Personalvorstand Michael Niggemann in einer Mitteilung. „Das ist umso unverständlicher, als die Arbeitgeber trotz der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage der Lufthansa nach der Corona-Krise, der hohen Schuldenlast und der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft bereits hohe und sozial ausgewogene Lohnerhöhungen angeboten haben.“

Angesichts von Überbelegung, hoher Inflation und einer dreijährigen Lohnkürzung seien deutliche Lohnerhöhungen gerechtfertigt, sagte Verhandlungsführerin Christine Behle. Sie ist Vizepräsidentin von Verdi und zugleich Vizepräsidentin des Lufthansa-Aufsichtsrats. Die Situation an den Flughäfen eskaliere, sagte Behle. Eine Überbesetzung durch erheblichen Personalmangel, eine hohe Inflation und eine dreijährige Gehaltskürzung würden die Mitarbeiter zunehmend unter Druck setzen.

hb/iw (dpa, afp)

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