Warnstreiks legen Lufthansa lahm: Rund 1.000 Flugausfälle

27.07.2022 22:21 (27.07.2022 22:30)

Kranich Airline musste mehr als 1.000 Flüge streichen ©APA/dpa-Zentralbild

Mitten in der Ferienzeit legte die Gewerkschaft Verdi die Lufthansa mit einem Warnstreik des Bodenpersonals lahm. Nach der Streichung von mehr als 1.000 Flügen ist an den Drehkreuzen Frankfurt und München am Mittwoch fast nichts passiert, rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. Betroffen sind auch 19 Flüge der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA). Bis morgen wolle die AUA aber den regulären Betrieb wieder aufnehmen, sagte eine APA-Sprecherin.

Die deutsche Gewerkschaft Verdi hatte zuvor angekündigt, bis zur nächsten Tarifrunde keinen weiteren Streik zu planen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 3. und 4. August geplant. Am Flughafen Schwechat hätten die Störungen heute kein Chaos verursacht, sagte die Sprecherin. Die meisten Passagiere wurden pünktlich erreicht und so konnten hilflose Menschenmassen an den Check-in-Schaltern vermieden werden. Von den Pannen sind laut AUA rund 2.100 Passagiere der österreichischen Lufthansa-Tochter betroffen.

Rund 5000 Beschäftigte beteiligten sich laut Verdi an der Aktion und demonstrierten für höhere Löhne, während viele Passagiere in den Terminals um ihre nächsten Flugmöglichkeiten fürchteten. In Frankfurt bildeten sich morgens lange Schlangen von meist ausländischen Passagieren vor unterbesetzten Reservierungsschaltern. Laut einer Lufthansa-Sprecherin wurden den Kunden je nach Flugziel unterschiedliche Lösungen angeboten. Für diese Aufgabe wurde zusätzliches Personal eingeplant, das überschaubar blieb. Grundsätzlich konnten Passagiere auf Folgeflüge von Lufthansa oder anderen Fluggesellschaften umgebucht werden, obwohl verfügbare Plätze meist knapp waren.

In Einzelfällen könne es auch sein, dass Menschen mehrere Tage auf die Weiterreise warten müssten, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Terminal. Ein britischer Tourist auf dem Weg nach Singapur sagt, er bereite sich bereits auf eine zweite Hotelnacht in Frankfurt vor. Ein Paar hatte noch keine Antworten auf seine Fragen: „Wir stecken hier buchstäblich fest. Wie und wann kommen wir nach Mexiko? Ich habe keine Ahnung!“.

Verdi und Lufthansa warfen sich gegenseitig vor, für die Situation verantwortlich zu sein. Das Unternehmen habe nach Bekanntgabe des Warnstreiks bewusst auf Nachverhandlungen verzichtet, sagte Verdi-Streikchef Marvin Reschinsky. Warten Sie nun auf ein schnelles und gutes Ergebnis. “Wir gehen ganz klar davon aus, dass Lufthansa nächste Woche das Tempo erhöht, damit der Flugverkehr wieder aufgenommen werden kann.” Eine gute Note ist auch für bestehende Mitarbeiter ein Zeichen der Erleichterung, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbietet. “Sie werden dringend benötigt.”

Personalvorstand Michael Niggemann wurde von der Lufthansa-Geschäftsführung niedergeschmettert, als er protestierenden Verdi-Gewerkschaftern sagte: “Ich halte diesen Warnstreik für völlig unvernünftig.” Seine respektvollen Äußerungen für die Arbeit der Mitarbeiter wurden manchmal mit höhnischem Gelächter beantwortet und die Stimmung wurde aufgeheizt.

Verdi-Unterhändlerin Christine Behle hatte dem ZDF-Morgenmagazin bereits mitgeteilt, dass es bis zum nächsten Verhandlungstermin am kommenden Mittwoch (3. August) keinen weiteren Streik des Bodenpersonals geben werde. Verdi lehnte ein erstes Angebot als zu niedrig ab. Die Gewerkschaft fordert 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Den Parteien wurden zwei Tage für Gespräche eingeräumt, was nur auf eine gewisse Abschlussbereitschaft hindeutet. Unabhängig davon findet unter den Lufthansa-Piloten der Cockpit Association (VC) eine Abstimmung statt, die ab August unbefristete Streiks ermöglichen würde.

Der Streik von Verdi begann am Mittwochmorgen und sollte bis Donnerstag um 6 Uhr dauern. Lufthansa befürchtete die Auswirkungen bis Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien in Bayern. Allerdings habe es am Donnerstag keine planmäßigen Flugausfälle mehr gegeben, teilte die Lufthansa mit. Obwohl der Streik bis Donnerstag um 6 Uhr dauern wird, wird versucht werden, wie gewohnt in der ersten Morgendämmerung zu fliegen.

An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt wurden am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers des Betreibers Fraport 725 der 1160 planmäßigen Flüge gestrichen. Dies betraf auch Flüge anderer Fluggesellschaften, die normalerweise vom Bodenpersonal der Lufthansa abgefertigt werden. Neben den 646 Annullierungen durch Lufthansa gab es auch Flüge von anderen Konzerngesellschaften wie der Schweiz, Österreich, Brüssel und Air Dolomiti. Zudem konnten die Maschinen der Firmen Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben.

Ähnlich war die Situation in München, wo die Lufthansa selbst 330 Flüge gestrichen hatte, aber auch andere Fluggesellschaften betroffen waren. An den kleineren Flughafenstandorten wurden meist nur Verbindungen nach München und Frankfurt gestrichen. In Düsseldorf konnte der Flughafen einen Streik der Lufthansa-Tochter Leos vermeiden, deren Fahrer häufig Flugzeuge aus ihren Parkpositionen schieben. Diese Aufgabe wurde von anderen Dienstleistern übernommen.

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