Warum ist die Pipeline Nord Stream 1 geschlossen?
Eigentlich ein Routinevorgang, aber dieses Jahr sorgt er für Nervosität. Die Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream 1 beginnen am Montag, den 11. Juli, und umfassen die Überprüfung und gegebenenfalls Reparatur oder Kalibrierung der Stromversorgung, des Brand- und Gasschutzes sowie bestimmter Ventile. Auch Software-Updates werden vorgenommen. Marine-Pipelines blieben unter Druck. In den letzten Jahren wurden die entsprechenden Arbeiten regelmäßig durchgeführt und dauerten zwischen 10 und 14 Tagen. Manchmal wichen sie auch von der gesetzten Frist ab.
Welche Rolle spielt Nord Stream 1 bei der Gasversorgung Österreichs?
Die Pipeline Nord Stream 1 spielt bei direkten Gaslieferungen nach Österreich nur eine untergeordnete Rolle. Österreich wird hauptsächlich über das Pipelinesystem durch die Ukraine versorgt. Aufgrund des Totalausfalls der Lieferung über Nord Stream 1 aufgrund von Wartungsarbeiten ist jedoch auch in Österreich mit einem deutlichen Lieferrückgang zu rechnen.
Welche Auswirkungen hat der Unterhalt auf Österreich?
„Wir haben die seit langem angekündigte Wartung von Nord Stream 1 in allen Planungen und Berechnungen berücksichtigt“, sagt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne). Nach aktuellen Berechnungen kann Österreich weiterhin durch Importe versorgt werden. Die Einlagerung in österreichische Speicher wird jedoch deutlich zurückgehen. Die E-Control hat diesen Rückgang in ihren Berechnungen zum Zwecke der Speicherung berücksichtigt. Österreichische Speicher müssen laut Regierungsbeschluss zu Beginn der Heizsaison zu 80 Prozent gefüllt sein. Dieses Ziel kann trotz Wartung erreicht werden, wenn Russland nach der Wartung wieder Erdgas in der vereinbarten Menge liefert.
Wann fließt das Gas wieder?
Wartungsarbeiten sind bis zum 21. Juli geplant. Allerdings betont Gewessler: „Russland befindet sich im Krieg. Wir können Russland nicht vertrauen. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußert große Besorgnis darüber, dass Russland den Gashahn auch nach Abschluss der Wartung nicht mehr öffnen kann.
Was bedeutet das für den Rest Europas?
Die Nervosität ist groß, besonders in Deutschland. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte bereits im Juni die Fördermenge durch die mehr als 1.200 Kilometer lange Gaspipeline zwischen Russland und Mecklenburg-Vorpommern reduziert und dies auch mit dem Fehlen einer Turbine begründet. Laut Bundesnetzagentur ist die Leitung derzeit nur zu etwa 40 Prozent ausgelastet. Auch russische Gaslieferungen über andere Leitungen in Deutschland waren zuletzt zurückgegangen. Gleichzeitig haben mehrere europäische Länder bereits aufgehört, Gas aus Russland zu beziehen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar gilt die Gasversorgung Europas aus Russland als gefährdet.