„Was dann passierte, hat mich zum Nachdenken gebracht“

Mathias Flückiger (links) und Nino Schurter hatten im Torraum von Lenzerheide nicht viel zu sagen.

Bild: Schlussstein

Gut zwei Wochen nach dem Unfall mit Nino Schurter hat sich Mountainbiker Mathias Flückiger noch einmal zu den Ereignissen während und insbesondere nach dem Rennen in Lenzerheide geäußert.

Ausgerechnet beim Heimrennen in Lenzerheide vor zwei Wochen standen sich die beiden Schweizer Mountainbike-Meister Mathias Flückiger und Nino Schurter gegenüber. Die beiden liefern sich ein spektakuläres Duell um den Sieg, das kurz vor der Ziellinie abrupt endet.

Im Zauberwald und abseits der Kameras ereignet sich ein tödlicher Vorfall. “Ich wollte an einem Punkt weiterkommen, an dem es nicht möglich war, und es hat mich runtergezogen. Es ist einfach traurig”, sagte Schurter. “Höchstwahrscheinlich war er frustriert.” Flückiger belegte den 3. Platz, Schurter den 4. Platz.

Flückiger sah das kurz nach dem Rennen anders und verteidigte sich. “Es tut mir leid, dass es passiert ist. Aber es muss gesehen werden: Es ist ein Rennen, Mann gegen Mann, jeder will gewinnen.” Dabei verweist er auch auf einige vergangene Duelle und riskante Manöver seines Gegners. “Nino hat mir etwas beigebracht: wie man vorankommt und wie frech man fahren kann.”

Ein unbeabsichtigter Rennunfall

Mit etwas Abstand veröffentlichte Flückiger am Dienstag eine Meldung auf seiner eigenen Website, in der er den Vorfall erneut kommentierte. „Was mich neben dem verlorenen Sieg verletzt hat, war, dass mir Vorsatz, Frustration, schlechter Charakter und mehr vorgeworfen wurden. Jeder, der schon einmal Rennen gefahren ist oder sich in die Lage eines Fahrers versetzen kann, weiß: Man muss in Sekundenbruchteilen intuitiv entscheiden“, schreibt Flückiger. Einen Sturz würde man nie absichtlich verursachen.

Der 33-Jährige steht nach wie vor zu den Aussagen unmittelbar nach dem Rennen. „Ich hatte ehrlich kommuniziert, wie es mir geht, was ich fühle, was ich denke und wie ich diesen Unfall eingeordnet habe. Ich habe auch gesagt, dass es mir leid tut, dass der Unfall passiert ist.“

Frust, Aggression und Hass im Internet

Was Flückiger in den letzten Tagen wohl noch mehr Sorgen bereitet, ist die Entwicklung nach dem Treffen mit Schurter. „Was als nächstes passierte, brachte mich zum Nachdenken. Ich war schockiert darüber, wie viele Menschen online ihre Frustration, Aggression, Wut und ihren Hass schüren, alles nur wegen des Sturzes zweier Mountainbiker. Zum ersten Mal habe ich persönlich erlebt, wie Wut, Frustration oder sogar Hass wird online zum Ausdruck gebracht.“

Manche Menschen hätten ein unkontrollierbares Bedürfnis, jemanden zu beenden, so Flückiger weiter. “Ein Elefant besteht aus einer Mücke und das geschieht ohne jeden Anstand.” Dank seines Umfelds konnte er sich trotzdem auf den Sport konzentrieren. Flückiger betont: „Diese Aussage beunruhigt und beunruhigt mich noch heute. Denn es betrifft uns alle, unsere ganze Gesellschaft.“

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