Das WIFO habe für Mai nur mit einer jährlichen Inflationsrate von 7,25 bis 7,75 Prozent gerechnet, im Schnitt etwa 7,5 Prozent, so Baumgartner im Ö1-Mittagsjournal. Der höhere Wert dürfte auf die Auswirkungen des Ölembargos, aber auch auf die Anfang des Monats erfolgten Strom- und Gastariferhöhungen des Verbund-Konzerns zurückzuführen sein.
Nach dem langen Ringen um das EU-Ölembargo rechne er mit einem weiteren leichten Anstieg der Ölpreise mit anschließenden Auswirkungen auf die Endverbraucher, etwa bei Diesel, sagte Baumgartner. Hinzu kamen Lieferverzögerungen durch blockierte Häfen in Shanghai, die die Transportkosten erhöhten und in vielen Gebieten zu Lieferproblemen führten.
Grafiken: APA / ORF.at; Quelle: Österreichische Statistik
Eine weitere Zunahme im Lebensmittelbereich wird erwartet
Auch im Lebensmittel- und Konsumgüterbereich werden hohe Produktionspreise und hohe Transportkosten wiederum an die Verbraucher weitergegeben. Auch im Lebensmittelbereich sind die ersten Auswirkungen des Ukrainekrieges zu sehen, allerdings sind die Preissteigerungen noch nicht vollständig bei den verarbeiteten Produkten angekommen. Bei Lebensmitteln rechnet sie ganzjährig mit Zuwächsen, da „die meisten Auswirkungen des Ukrainekriegs noch nicht abgeschätzt sind“, sagt Baumgartner.
Zudem ist aufgrund der aktuellen Entwicklung der europäischen Großhandelspreise ab Herbst bzw. Anfang nächsten Jahres mit einem weiteren Anstieg der Gas- und Strompreise zu rechnen. „Gerade für einkommensschwache Haushalte werden die Belastungen immer schwerer zu bewältigen sein und schnellere Unterstützung erforderlich sein.“
Menschen mit niedrigem Einkommen spüren die Inflation stärker
Die Kostenexplosion ist laut Baumgartner vor allem für einkommensschwache Haushalte schwer zu verkraften. „Die relative Belastung für diese Inflationsgruppen ist größer, weil sie im Vergleich zu den Besserverdienenden einen deutlich größeren Teil ihres Einkommens für notwendige Güter ausgeben, auf die sie nicht verzichten können.“ Hinzu kommt, dass viele Haushalte de facto einkommensschwach sind, weil sie nicht sparen und somit nicht über das Kopfkissen verfügen, um die Mehrausgaben zu decken.
Acht Prozent Inflation im Mai
Baumgartner geht davon aus, dass es in Österreich bis zum Sommer hohe Inflationsraten geben wird, die sich erst im Herbst abschwächen werden. Ob der Höhepunkt im Mai oder vielleicht im Juni oder Juli erreicht wird, ist derzeit schwer zu sagen. Bis vor kurzem wurde dies bereits für Mai oder Juni erwartet. „Ab dem dritten und vierten Quartal dürfte die Inflationsrate aber wieder etwas nach unten gehen“, sagt Baumgartner.
Die Opposition fordert sofortiges Handeln
Am Dienstag erneuerte die SPÖ ihre Forderung nach Sofortmaßnahmen, wie die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, eine Deckelung der Mietpreise, eine Deckelung der Energiepreise für einkommensschwache Haushalte, eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf bis zu 70 Prozent des Nettobetrags Ersatzrate, im Voraus. Rentenanpassung und Frühanpassung von Pflege- und anderen Sozialleistungen.
SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch schrieb in einer Aussendung, er verstehe nicht, „warum die Regierung seit fast einem Jahr zuschaut, wie sich immer mehr Menschen das Leben nicht mehr leisten können und in existenzielle Notlagen geraten.“ .
Debatte
Inflationswelle: Was tun angesichts der Kostenexplosion?
Auch FPÖ-Chef Herbert Kickl forderte in einer Ausgabe staatliche Steuersenkungen. „Der Finanzminister, der die Nettopreissteigerungen in großen Teilen über die Mehrwertsteuer kassiert, muss diese Mehreinnahmen durch Steuersenkungen an die Bevölkerung zurückgeben.“ Fordert eine Senkung der Steuern auf Energie, Treibstoff und Grundnahrungsmittel. Ist dies nach EU-Recht nicht erlaubt, soll der Staat mit Preisgrenzen arbeiten. „Schwarz-Grün kümmert sich nur um sich selbst und kümmert sich erst gar nicht um die Existenzängste der Bevölkerung. Das ist schade“, sagte Kickl.
„Die Regierung muss endlich aufwachen und das tun, wofür sie bezahlt wird, nämlich arbeiten“, sagte NEOS-Wirtschaftssprecher Gerald Loacker. “Rekordinflation kann nicht mit ein oder zwei Gutscheinen gelöscht werden, Rekordinflation erfordert echtes und entschlossenes Handeln.” Dafür würden laut Loacker eine sofortige Senkung der Lohnnebenkosten und ein sofortiges und rückwirkendes Ende der Kaltprogression sorgen. .
Händlerverband: „Es ist Zeit zu handeln“
Der Wirtschaftsverband forderte staatliche Eingriffe, nämlich die Abschaffung der kalten Progression, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie und die Senkung der Lohnnebenkosten. „Neben den bisher am stärksten betroffenen Geringverdienern trifft die Inflation zunehmend auch mittelständische Unternehmen. Betroffen sind zunehmend der lokale Mittelstand, aber auch beschäftigungsintensive Betriebe“, sagte Rainer Will, Hauptgeschäftsführer des Gewerbeverbandes.
GPA-Chefin Barbara Teiber sprach sich für die generelle Abschaffung der Mehrwertsteuer „auf lebensnotwendige Güter“ aus. Dies entlastet die Bevölkerung und ist ein wirtschaftliches Instrument zur Eindämmung der Inflation. ÖGB-Chefsekretärin Ingrid Reischl forderte gemäß dem Maßnahmenpaket der Sozialpartner seit Ende März milliardenschwere Bürgersteuerrückerstattungen.