Was könnte ein Gaslieferstopp nach der Wartung von Nord Stream 1 bedeuten?

Fragen und Antworten: Was könnte ein Stopp der Gaslieferung nach der Wartung von Nord Stream 1 bedeuten?

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Audio: rbb24-Inforadio | 14.07.2022 | Hans Joachim Viehweger Bild: dpa / Stefan Sauer

Aufgrund der Wartung von Nord Stream 1 fließt derzeit kein Gas aus Russland. Die Sorge vor einem dauerhaften Lieferstopp ist groß. Dies hätte Folgen für Unternehmen und Verbraucher in der Region. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Seit dem 11. Juli fließt kein Gas mehr durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1, und der russische Betreiber hat die Lieferungen wegen Wartungsarbeiten eingestellt. Der Lieferstopp endet voraussichtlich am Donnerstag, 21. Juli. Allerdings hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Bedenken geäußert, dass Russland den Betrieb komplett einstellen könnte. [tagesschau.de]. Unternehmen und private Verbraucher sind nun besorgt über eine mögliche Eskalation der Gaskrise.

Warum ist die Pipeline Nord Stream 1 so wichtig?

Die Erdgasleitung Nord Stream 1 führt unterirdisch von Sibirien über die Ostsee nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Die Pipeline kann ein Drittel aller europäischen Gasimporte aus Russland transportieren. Eigentümer und Betreiber von Nord Stream 1 ist die Nord Stream AG, der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent des Unternehmens.

Im Zuge des Krieges gegen die Ukraine ordnete die russische Regierung eine Reduzierung der Liefermenge auf 40 Prozent an, was den Erdgaspreis an der Terminbörse in die Höhe schnellen ließ. Seit dem 11. Juli hat die russische Betreibergesellschaft Nord Stream AG die Lieferungen komplett eingestellt. Überraschend kommt der Ausfall nicht: Die Wartungsarbeiten an der Pipeline werden jährlich durchgeführt und laut Bundesnetzagentur auch angekündigt. Unklar ist nur, ob Russland beabsichtigt, den Betrieb wieder aufzunehmen oder ganz einzustellen.

Wie lange hält das Gas?

Trotz des zuletzt deutlichen Lieferrückgangs füllten sich die Gasspeicher in Deutschland weiter, wenn auch nur minimal. Im Durchschnitt der vergangenen Woche stieg der Füllungsgrad um 0,3 Prozentpunkte pro Tag auf 64,38 Prozent am Sonntag vor Wartungsbeginn (10. Juli 2022), als der Gasfluss über Nord Stream 1 noch nicht abgeschlossen war. Pause. Bei unverändertem Tempo könnten die Ziele des Gasspeichergesetzes von 80 Prozent zum 1. Oktober und 90 Prozent zum 1. November voraussichtlich erreicht werden. Aufgrund der Unsicherheiten rund um Nord Stream 1 ist derzeit jedoch unklar, wie stark sich das Wachstum der Speicherkapazität vorerst verlangsamen wird. [tagesschau.de].

Wenn dauerhaft kein Gas mehr durch die Pipeline fließt, übernimmt Deutschland nach Prognosen der Bundesnetzagentur die Kontrolle [bundesnetzagentur.de] Bei einer Gasknappheit würde der Rohstoff rationiert. Je nachdem, ob die Bundesrepublik wie bisher eigene Gasreserven exportiert, würde diese Situation im Dezember oder Januar eintreten.

Ein Bericht des Fraunhofer Instituts und der TU Berlin [ieg.fraunhofer.de] kommt zu dem Schluss, dass im kommenden Winter 30 Prozent der im Vorjahr verfügbaren Erdgasmenge fehlen würden, wenn Russland den Gasverkauf an Europa einstellen würde. Das Defizit liegt vor allem daran, dass die technische Infrastruktur nicht so schnell wieder aufgebaut werden kann. Insbesondere würden Flüssiggasterminals in Häfen fehlen, die die Bundesrepublik beispielsweise in größeren Mengen aus den USA beziehen könnte. Dem Bericht zufolge können spezifische technische Maßnahmen das Defizit auf 20 Prozent reduzieren, solange Europa koordiniert vorgeht.

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„Notfallplan Gas“: Was wird gegen drohende Engpässe getan?

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat Ende März die Frühwarnstufe als erste von drei Krisenstufen des sogenannten „Gas-Notfallplans“ erlassen.

Seit dem 23. Juni gilt die zweite Stufe, die sogenannte „Warnstufe“. Zu diesem Zeitpunkt sind die Marktteilnehmer noch selbst für die Überwachung der Situation verantwortlich. Eine Gasrationierung gibt es derzeit nicht, die Bundesnetzagentur und der Wirtschaftsminister rufen aber bereits jetzt alle Verbraucher zum Energiesparen auf. „Alle Szenarien der Bundesregierung sagen Gaseinsparungen von mindestens 20 Prozent zum 1. Juli voraus“, sagte Habeck nach einem Treffen der Wirtschaftsminister.

Sollte Nord Stream 1 den Betrieb nach der Wartung nicht wieder aufnehmen, könnte die Bundesregierung in absehbarer Zeit die dritte und höchste Stufe des Notfallplans, die sogenannte „Notfallstufe“, ausrufen.

Was passiert auf der „Notfallebene“?

Im Falle einer „erheblichen Störung der Gasversorgung oder einer sonstigen erheblichen Verschlechterung der Versorgungslage“ kann die Bundesregierung durch Verordnung den „Notfallplan Gas“ in Kraft setzen. Reicht das Gas nicht mehr für alle aus, wird die Bundesnetzagentur zum „Ladungsverteiler des Bundes“ und regelt die Gasverteilung.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte im Gespräch mit „Focus“, dies sei spätestens dann der Fall, „wenn der Verbrauch das Angebot übersteigt“. Die Agentur wird jedoch alles tun, um den Gasnotstand zu verzögern, da es beispielsweise möglich ist, Gasquoten über Auktionen auf den Markt zu bringen. Wenn Gas teurer wird, könnten die Verbraucher zu mehr Einsparungen animiert werden.

Der Notfallplan sieht vor, dass bestimmte Verbrauchergruppen besonders “geschützt” werden. Dazu gehören Privathaushalte, aber auch Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei oder Gaskraftwerke, die auch zum Heizen von Wohnungen dienen. Teile der Industrie sind nicht vor der Rationierung geschützt, insbesondere Unternehmen mit hohem Gasverbrauch, wie die Pharma- oder Chemieindustrie.

Aufgabe der Krisenstäbe der Bundesnetzagentur ist es dann, Verteilungsprioritäten zu setzen.

Wie bereitet sich die Bundesnetzagentur auf ihre neue Rolle vor?

Die Bundesnetzagentur hat 65 Experten für Notfallausrüstung Gas und Strom zusammengebracht, um im Ernstfall auf eine Doppelkrise vorbereitet zu sein, die zu einem gleichzeitigen Engpass bei Gas und Strom führen könnte. Um genau zu dokumentieren, welche Unternehmen wie viel Energie verbrauchen, wird derzeit an einer Computerplattform gearbeitet, die Krisenstäben die Kontrolle möglicher Lieferungen erleichtern soll.

Unternehmen können ihren Gasverbrauch tagesaktuell in die Plattform eingeben. Im Gespräch mit „Focus“ sagte der Leiter der Networking-Agentur, Klaus Müller: „Wir haben durch die Plattform die geschäftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen sowie die Auswirkungen auf die Lieferketten im Blick. Das ist eine Lehre.“ aus der Pandemie gelernt: “Wir wollen weg von der Fax- oder Excel-Ökonomie.” Diese Plattform existiert derzeit nicht, da Sie zuerst sichere Software von Hackern programmieren müssen. Laut Müller soll die Plattform im Oktober verfügbar sein.

Wie werden sich die Gaspreise entwickeln?

Der Chef der Netzagentur, Müller, warnte kürzlich vor einer Verdreifachung oder noch stärkeren Erhöhung der Gaspreise für Verbraucher. „Für diejenigen, die jetzt Heizkostenabrechnungen kassieren, verdoppeln sich die Abzüge schon. Und die Folgen des Ukrainekriegs werden noch nicht einmal berücksichtigt“, sagte Müller gegenüber Zeitungen im Deutschen Verlagsnetzwerk (RND). „Ab 2023 müssen sich Gaskunden auf mindestens dreifache Rabatte einstellen.“

Es sei „absolut realistisch“, dass Kunden, die derzeit 1.500 Euro im Jahr für Gas zahlen, künftig 4.500 Euro und mehr bezahlen, sagte Müller. „An den Börsen haben sich die Preise teilweise versiebenfacht. Nicht alles kommt sofort und nicht vollständig beim Verbraucher an, aber irgendwann muss man bezahlen.“

Man solle jetzt technisch und finanziell vorsorgen, mahnte der Chef der Netzagentur. “Ich habe zwei Mitteilungen. Erstens: Erhöhen Sie freiwillig Ihren Abzug oder legen Sie jeden Monat etwas Geld beiseite, zum Beispiel auf einem Sonderkonto. Zweitens, sprechen Sie mit Ihrem Vermieter oder einem Händler, ob es noch verfügbar ist. Was Sie tun können, um die Optimierung auszuschalten Heizung?”

Wie kann sich das auf die Region auswirken …

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