Einige Voraussetzungen für die Gewinnung von Solarstrom sind in den Alpen hervorragend. Allerdings hat die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Lac des Toules auch ihre Tücken.
SCHLÜSSELSTEIN
Die Grünen wollen die großen Solaranlagen in den Alpen nicht mehr kategorisch bekämpfen. Werden statt des Mittellandes nun die Berge zum Schauplatz der Energiewende? Ein Experte vergleicht die beiden Varianten.
Die Grünen haben eine Kehrtwende vollzogen: Sie werden nicht mehr unbedingt gegen große Solaranlagen in den Alpen kämpfen. Das sagt er in einem Positionspapier der Grünen-Fraktion, das von verschiedenen Medien zitiert wird.
Alpine Solarkraftwerke spielen in der Schweiz bisher nur eine marginale Rolle. Der Großteil der hierzulande erzeugten Solarenergie wird von kleinen Anlagen auf Gebäuden im Mittelland erzeugt.
Die sogenannten Freifeldanlagen in den Alpen hätten eine Reihe von Vorteilen. Sie könnten viel größer dimensioniert werden, als dies auf Hausdächern möglich ist. Auch im Winter, wenn es im Mittelland oft neblig ist, liefern sie mehr Strom. Alpine Photovoltaikzellen profitieren auch vom Sonnenlicht, das vom Schnee reflektiert wird.
Kleine Anlagen im Flachland liefern günstigeren Strom
Laut einer Publikation des Bundesamtes für Energie (BFE) liefern Solaranlagen in den Alpen in den Wintermonaten bis zu 50 Prozent mehr Strom pro Fläche als Flachlandanlagen. Die anderen Faktoren sprechen jedoch eher gegen alpine Freiraumsysteme.
Simon Banholzer ist Leiter Politik der Energiestiftung, die sich mit Publikationen und Lobbyarbeit für eine umweltfreundliche Energiepolitik einsetzt. Er ist sich sicher: „Kleine Anlagen in niedrigen Gebäuden sind wirtschaftlich gesehen viel sinnvoller. Sie sind einfach zu installieren und die Anschlüsse an das Stromnetz sind bereits hergestellt.» Das wirkt sich direkt auf die Stromkosten aus: Je günstiger eine Anlage in Installation und Betrieb ist, desto günstiger ist der Strompreis.
Große Anlagen sind im Mittelland übrigens durchaus möglich, zum Beispiel in Industriebauten. Aktuell wächst die Solarfläche in der Schweiz besonders in diesem Bereich.
Der Bau und Betrieb einer Solarstromanlage in den Alpen ist wesentlich komplexer. Viele Orte sind schwer zugänglich und weit entfernt von der nächsten Stromleitung. All das verteuert die alpine Sonnenenergie, ein Umstand, auf den auch das OFE hinweist.
Simon Banholzer von der Energiestiftung ergänzt: „Die Mittellandanlagen erzeugen auch in den Wintermonaten ein Drittel ihres Jahresstromertrags.“ Und da der Schweizer Solarpark derzeit hauptsächlich aus kleinen Anlagen auf Gebäuden besteht, ergibt dies viel mehr elektrische Energie als einige Freiflächenanlagen, die in großer Höhe mittlerweile etwas realistischer geworden sind.
Solaranlagen stören in den Bergen mehr als im Mittelland
Die großen Photovoltaikanlagen in den Alpen haben einen weiteren Makel: Sie stören das Landschaftsbild. Auch im Positionspapier der Grünen-Fraktion heißt es, sie seien nur dort sinnvoll, wo “schwer einsehbar” und “wenig Interessenkonflikte” seien.
Simon Banholzer empfiehlt, alpine Solarkraftwerke mit Vorsicht einzusetzen. „Die Akzeptanz von Solarstrom leidet, wenn es in den Bergen, auf die wir Schweizer so stolz sind, zu viel davon gibt.“
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Freiraumsysteme in den Alpen bleiben jedoch ein Problem. Am Muttsee-Staudamm wurden kürzlich Solarmodule installiert, und eine Pilotanlage schwimmt auf dem Toules-See. Die Bergbahn Muottas Muragl fährt seit einiger Zeit mit Strom aus Modulen entlang der Strecke.
Das OFE verfolgt weiterhin alpine Solaranlagenprojekte und arbeitet derzeit an einem Gutachten über die erschließbaren Potenziale alpiner Photovoltaikanlagen in Freiflächen und Infrastruktur. Simon Banholzer ist sich sicher: „Wir brauchen alles: kleine und große Anlagen im Flachland und große Anlagen in den Alpen.“
Auf 2500 Metern über Meer entsteht das grösste Solarkraftwerk der Schweiz
Die riesige Solaranlage entsteht an der Muttsee-Staumauer im Kanton Glarus. Die Herausforderungen beim Bauen im Hochgebirge sind groß: Material und Personal müssen per Helikopter auf den Berg gebracht werden.
20.08.2021