Monkeypox: Was ist die Gefahr des Virus?
Das Affenpockenvirus breitet sich normalerweise von Tieren auf Menschen aus, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ziemlich selten und erfordert engen physischen Kontakt. Es gibt keine spezifische Therapie zur Behandlung einer Infektion.
23.05.2022
Experten rechnen nicht mit einem schnellen Ende der Pockenwelle der Affen. In den ersten Ländern gibt es Impfungen und lange Quarantänezeiten. Die Schweiz ist noch entspannt, aber sie bereitet sich vor.
Pocken sind seit langem eine der gefährlichsten Krankheiten für den Menschen. Impfstoffe kamen zur Rettung und seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei. Ein verwandter, aber harmloserer Erreger ist nun für einen ungewöhnlichen Anstieg der Infektionen verantwortlich.
Was bedeutet das vermehrte Auftreten von Affenpockeninfektionen? Gibt es einen Impfstoff? Steht gar eine neue Pandemie bevor? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Monkeypox (offiziell Monkeypox Virus, MPV) beim Menschen ist eine Viruserkrankung, die häufig in Afrika vorkommt. Viren gehören zu einer Unterfamilie der weit verbreiteten Pockenviren und haben vermutlich ihr Reservoir in Nagetieren, sie können aber auch auf den Menschen übertragen werden. Affen, von denen die Erreger ihren Namen haben, gelten nur als sogenannte „falsche Wirte“. Das Virus kann auch beim Menschen eine pockenähnliche Erkrankung auslösen, die meist mild verläuft.
Was sind die Symptome von Affenpocken?
Zu den Symptomen gehören: plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten und oft geschwollene Lymphknoten. Typisch ist auch ein typischer Pockenausschlag, der sich vom Gesicht bis zum Körper erstreckt. Blindheit und entstellende Narben treten selten als bleibende Schäden auf.
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Warum sind Affenpocken heutzutage so verbreitet?
Experten wissen es immer noch nicht. Sie sind sich jedoch einig, dass der aktuelle Ausbruch überraschend ist. Infektionsketten zwischen Menschen sind ungewöhnlich und sollten engmaschig überwacht werden.
Infektionen mit Affenpocken beim Menschen sind bisher vor allem in den Regionen West- und Zentralafrikas bekannt. Die neu nachgewiesenen Infektionen seien unter anderem deshalb untypisch, weil die meisten Betroffenen nicht nach West- oder Zentralafrika gereist seien, so eine Aussage von Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa.
Die WHO forderte eine rigorose Überwachung aller Kontakte der Betroffenen. Krankenhäuser und die breite Öffentlichkeit müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein ungewöhnlicher Hautausschlag von Fachpersonal untersucht werden muss. Bei Verdacht auf Pocken sollten die Patienten isoliert werden.
Weltweit wurden inzwischen mehr als 100 Fälle nachgewiesen, und aufgrund der langen Inkubationszeit von bis zu drei Wochen erwarten Experten in naher Zukunft eine Vielzahl weiterer Meldungen.
Wie viele Fälle sind in der Schweiz bekannt?
Ein erster Fall von Affenpocken in der Schweiz wurde bestätigt. Dies ist ein Fall im Kanton Bern, wie das kantonale Gesundheitsamt am Samstag mitteilte. Der Fall wurde am Freitag gemeldet und nach Labortests bestätigt.
#monkeypox #monkeypox Affenpockeninfektionen nehmen derzeit in Europa und Nordamerika zu. Auch in der Schweiz (Kanton Bern) wurde ein erster Fall bestätigt.
– BAG – OFSP – UFSP (@BAG_OFSP_UFSP) 21. Mai 2022
Wie gefährlich sind Affenpocken?
Laut Gesundheitsbehörden in mehreren Ländern verursacht eine Viruserkrankung normalerweise nur leichte Symptome, kann aber auch schwere Belastungen haben. «Wir schätzen das Risiko derzeit als gering ein, aber die epidemiologischen Daten sind noch begrenzt», sagt Céline Gardiol, Leiterin der Sektion Impfempfehlungen und Kontrollmassnahmen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), gegenüber SRF.
Gibt es einen Impfstoff gegen Affenpocken?
Laut BAG gibt es keinen spezifischen Impfstoff gegen Affenpocken. Herkömmliche Pockenimpfstoffe der ersten und zweiten Generation bieten jedoch bereits einen wirksamen Schutz. Diese wurden im Rahmen des Pockenausrottungsprogramms in der Schweiz bis 1972 verabreicht.
Nartey sagte, dass Menschen, die zuvor mit dem Pockenimpfstoff geimpft worden waren, auch „wahrscheinlich eine gewisse Immunität“ gegen das Affenpockenvirus haben würden. “Ich kann nicht sagen, wie gut diese Immunität im Moment ist.” Das BAG prüft derzeit die Beschaffung eines Impfstoffs. Die Behörden sehen jedoch keinen Grund zur Panik.
Dass in der Schweiz derzeit kein Impfstoff gegen Pocken (Affen) zugelassen ist, liegt daran, dass «die Krankheit ausgerottet war, es keine Impfungen mehr gab und Firmen auf die Zulassung vor Jahren zugelassener Medikamente verzichtet haben», erklärt Swissmedic-Mediensprecher Alex Josty. auf Anfrage von Blue News.
In der EU ist ein Pockenimpfstoff der dritten Generation (MVA-BN / Imvanex) zugelassen, der auch vor Affenpocken schützt, zur Pockenimpfung bei Erwachsenen. Dieser Impfstoff ist jedoch laut BAG in der Schweiz weder erhältlich noch zugelassen.
Warum ist der neue Impfstoff in der Schweiz nicht zugelassen?
Impfstoffe sind von Swissmedic zugelassen. Die Arzneimittelbehörde wird jedoch nicht von sich aus tätig, sondern nur auf Antrag der Hersteller. «Momentan und in den letzten Jahren sind bei Swissmedic keine Zulassungsanträge für Pockenbekämpfungsmittel eingegangen», sagt Alex Josty.
Allerdings dürfen Mediziner mit bestimmten Bewilligungen und unter bestimmten Voraussetzungen «Medikamente zur Behandlung von Affenpocken-Infektionen, die in der Schweiz nicht zugelassen sind, ohne Swissmedic-Bewilligung einführen». Grundlage hierfür ist § 49 der Arzneimittelzulassungsverordnung.
Damit wäre in der Schweiz grundsätzlich die Verwendung von Impfstoffen oder Medikamenten aus Nachbarländern ausserhalb des Etiketts erlaubt. «Die gesetzlichen Grundlagen dafür sowie die Kontrolle der ärztlichen Tätigkeit obliegen den Kantonen», sagt Swissmedic.
Wie werden Affenpocken behandelt?
Symptome und mögliche sekundäre bakterielle Infektionen werden in der Regel behandelt. In der EU gibt es mit dem Medikament Tecovirimat eine antivirale Behandlungsoption für Affenpocken, die jedoch in der Schweiz nicht zugelassen ist.
Welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen sollten Sie treffen?
Personen, die aus einem Risikogebiet (West- und Zentralafrika) zurückkehren, sollten ihren Gesundheitszustand überprüfen und bei Symptomen einen Spezialisten aufsuchen. Letzteres rät das BAG generell allen Personen mit Symptomen.
Wenn Sie mit einer infizierten Person in Kontakt kommen, sollten Sie sich schützen. Wie bei allen Infektionskrankheiten ist Hygiene besonders wichtig: öfter Hände waschen und desinfizieren.
Das BAG empfiehlt auf seiner Website zudem, Verdachtsfälle einzugrenzen und zu testen.
Wie ansteckend ist das Affenpockenvirus im Vergleich zum Coronavirus?
Beim aktuellen Infektionsgeschehen sind die genauen Infektionsketten noch unklar. Derzeit scheint die Übertragung von Affenpocken nicht durch Aerosole zu erfolgen, sagen Experten. «Nach dem, was über das Virus bekannt ist, ist davon auszugehen, dass es weniger übertragbar ist als das Kronenvirus», sagt Linda Nartey gegenüber SRF.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nur bei engem Kontakt möglich, kann aber auch durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Krusten infizierter Personen erfolgen.
Werden infizierte Personen unter Quarantäne gestellt?
Die ersten Länder beginnen mit Impfungen und haben bereits lange Quarantänezeiten etabliert. Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA empfiehlt für enge Kontakte von Infizierten eine Quarantänezeit von drei Wochen.
Die belgischen Behörden ordnen 21 Tage Isolation für Infizierte an, bestätigte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag. Dies gilt nicht für Kontaktpersonen, diese werden lediglich zu besonderer Sorgfalt angehalten. Solche Empfehlungen gibt es in Deutschland noch nicht, aber es wird daran gearbeitet.
Droht jetzt eine Pandemie?
Generell gewinnen die Pocken nach und nach weltweit an Bedeutung, sagen Forscher. Was er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt machen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.
Im Moment gebe es keine Anzeichen dafür, dass «wir vor einer neuen Pandemie stehen», sagte BAG-Chefin Linda Nartey gegenüber SRF. Die Situation muss jedoch überwacht werden. Für Infektiologie-Professor Jan Fehr ist dieses Bewusstsein wichtig, um „eine gute Zukunft zu haben“. Es werde noch mehr solcher Krankheiten geben, “das ist zumindest meine Prognose.”
Mit Material der Nachrichtenagenturen Keystone-SDA und dpa.
Hautausschlag an der Hand des Kindes nach Infektion mit den Pocken des Affen. (Archiv)
Bild: Schlussstein