Wasserkocher, Handys, Toaster: Supermärkte müssen ausgediente Elektrogeräte annehmen

Wasserkocher, Handys, Toaster Supermärkte müssen Elektrogeräte zurücknehmen

02.07.2022, 14:05 Uhr

Künftig können sich Verbraucher die oft abseits gelegenen Wege zum Wertstoffhof oder zum Elektrofachmarkt in der Innenstadt sparen. Ab sofort sind Supermärkte und Discounter verpflichtet, aussortierte Elektrogeräte anzunehmen, sie sollten aber nicht zu groß sein.

Ab dem 1. Juli wird es für Verbraucher in Deutschland deutlich einfacher, ausgediente Elektrogeräte fachgerecht zu entsorgen. Denn dann müssen Supermärkte und Discounter auch Wasserkocher, Rasierer oder ausrangierte Smartphones annehmen, egal ob gekauft oder nicht. Den Gang zum städtischen Wertstoffhof, der oft abseits der üblichen Kreisläufe liegt, oder zum Elektronikmarkt in der Innenstadt können Sie sich dann sparen.

Dank der neuen Regelung soll es ab Freitag 25.000 zusätzliche Rücknahmestellen für Elektro-Altgeräte in Deutschland geben, teilte das Umweltbundesamt mit. „Alte Elektrogeräte können jetzt auch unter der Woche beim Einkaufen zurückgegeben werden“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner. Das erleichtert die Entnahme durch bessere Zugänglichkeit und längere Öffnungszeiten. “Der Einzelhandel ist gerüstet und bereit, mit seinen Vorbereitungen nach Hause zu gehen. Alle werden am 1. Juli mit Rücknahmesystemen starten und den Kunden die Möglichkeit geben, ihre alten Elektrogeräte möglichst einfach zurückzugeben”, sagte der Generaldirektor von Deutschland. Handelsverband (HDE), verantwortlich für Nachhaltigkeit., Antje Gerstein.

Alte Geräte im Karton liefern

Auch die großen deutschen Lebensmittelhändler signalisierten in einer Umfrage Startbereitschaft. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka verspricht: „Ab dem 1. Juli 2022 können unsere Kunden Geräte in unsere Märkte liefern.“ Und Konkurrent Rewe verriet sogar, wie es in seinen Filialen sein soll: „Einfach an der Kasse einchecken und dann wird geprüft, ob sich die Abholung des Geräts lohnt.“ Die Geräte werden dann erfolgreich gelöscht. Gleiches gilt dem Bericht zufolge für Netto und Penny, die Discounttöchter der beiden Handelsriesen.

Aldi verspricht ebenso wie Lidl eine „einfache und unkomplizierte Rücknahme von Elektro- und Elektronik-Altgeräten“ für alle deutschen Märkte. Dort sollen Kunden die Altgeräte im Karton abgeben. „Dies entspricht der vom Kunden erlernten Praxis, Waren im Rahmen unseres Garantiesystems umzutauschen oder zurückzugeben“, betonte das Unternehmen.

Hintergrund ist eine Neuregelung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes. Sie zwingt ab 1. Juli auch Supermärkte und Discounter mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern zur Rücknahme von Elektroaltgeräten, wenn sie mehrmals im Jahr oder dauerhaft Elektro- und Elektronikgeräte verkaufen.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, werden bereits elektrische Zahnbürsten angeboten. Konkret müssen Händler künftig Altgeräte mit Abmessungen von bis zu 25 Zentimetern Kantenlänge, also manche Teekannen, Rasierer oder Smartphones, auch ohne Neukauf hinnehmen. Die Rückgabepflicht ist jedoch auf drei Geräte pro Gerätetyp beschränkt. Bei größeren Geräten wie Computern oder Fernsehern besteht die Rückgabepflicht nur, wenn ein neues Gerät des gleichen Typs gekauft wird.

Die Rücknahme elektronischer Geräte ist bisher nur mäßig

Für Abfallexperte Rolf Buschmann vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist die neue Verordnung trotz dieser Einschränkungen ein Schritt in die richtige Richtung. „Das ist eine zusätzliche Vereinfachung für die Verbraucher“, sagt er. Das ist wichtig. Denn: „Gerade bei Haushaltsgeräten ist die Rendite bisher sehr moderat.“ Tatsächlich wurde laut Umweltbundesamt die von der EU geforderte Sammelquote von 65 Prozent in Deutschland zuletzt deutlich verfehlt: Nur 44,3 Prozent wurden erreicht.

Daran wird sich laut Branche auch bis 2020 nicht viel ändern: „Deshalb brauchen wir noch viel mehr Belieferungsmöglichkeiten im Handel“, sagt BUND-Experte Buschmann. Der Einzelhandel sieht das natürlich anders. „Die Mehrbelastung des Handels durch die Rücknahme von Altgeräten ist für viele Handelsunternehmen insgesamt erheblich“, beklagte HDE-Vorstandsvorsitzender Gerstein. Oft stehen gerade in urbanen Lagen ohnehin nur kleine Lagerflächen zur Verfügung. „Wenn sie jetzt auch noch zur Aufbewahrung von Elektroaltgeräten dienen sollen, wird sich vielerorts etwas richten.“

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