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Autor: Eine Analyse von Andi Lüscher
Die Protagonisten hier in Davos waren die 2-Meter-Riesen Wladimir und Vitali Klitschko. Sie betraten allein das WEF-Gebiet und mischten sich unter die Menschen. Die Ukrainer haben eine Boxkarriere hinter sich, natürlich brauchten sie hier in der Schweiz keinen Escort. Wer sollte sich mit ihnen anlegen?
In Ihrem Land ist das anders. Dort sollen sie um ihr Leben fürchten. So erinnerten sich die Teilnehmer des WEF bei jeder Begegnung mit den freizügigen Klitschko-Brüdern automatisch an das Kriegsleid der ukrainischen Bevölkerung.
Das vergessene Problem: Krone
Russlands Angriffskrieg und westliche Sanktionen haben auch das Weltwirtschaftssystem aus dem Spiel gebracht. Hohe Rohstoffpreise machen Schweizer Unternehmen und Privathaushalten zu schaffen. Und als ob das nicht genug wäre, müssen Lieferkettenprobleme in China infolge von Kronenblockaden noch gelöst werden. Fügen Sie die Inflation hinzu, und niemand weiß, wie lange sie anhalten wird.
Und so wollte ich mich dieses Jahr angesichts der ungelösten Problempunkte wirklich nicht über die horrenden Preise der Davoser Restaurants und Hotels während der WEF-Zeit ärgern. Sie sind temporär und werden nach Abreise der WEF-Gäste der Vergangenheit angehören.
Stimmung ausgeschaltet
Die frühsommerlichen Temperaturen machten den Davoser Teilnehmern sichtlich Freude: Statt wie üblich Federmäntel tat es für einmal ein luftig-leichtes Kleid. Und bei den vielen Gesprächen stand die Zeit an erster Stelle. Doch auch hier wurde die Euphorie im Laufe des Gesprächs schnell gebremst.
Grund für den außergewöhnlichen Moment der Veranstaltung ist bekanntlich die Corona-Pandemie. Und obwohl diese Krise für viele in den Hintergrund gerückt ist: Crown und insbesondere der chinesische Umgang mit der Pandemie haben die Wirtschaft weiterhin stark im Griff; eine Änderung der chinesischen Strategie ist noch nicht absehbar.
Fast kein Dialog
Die chinesischen Vertreter blieben dem WEF meist fern, die Russen waren unerwünscht. Anstatt mit ihnen zu reden, reden sie viel darüber, was dem Credo des “Dialogs” des WEF widerspricht. Das mag verständlich sein, ist aber gleichzeitig kontraproduktiv.
Obwohl das WEF 2022 keine große Einigung oder Lösung gebracht hat. Zumindest eines hat das Forum in Schwung gebracht: Die diesjährige Ausgabe ging unter die Haut und regte zum Nachdenken an. Und das bedurfte nicht der vielen – teilweise emotionalen – Präsentationen und Diskussionsrunden. Ein Gespräch, ein Restaurantbesuch oder gar ein Treffen mit den Klitschko-Brüdern genügten.
Andi Lüscher
Wirtschaftsredakteur SRF
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Andi Lüscher arbeitet seit 2011 beim Schweizer Radio- und Fernsehsender SRF. Er ist Wirtschaftsjournalist und Moderator der Sendung «SRF Börse». Sie publiziert insbesondere zu Börsen-, Finanz- und Arbeitsmärkten.