WEF: Der ukrainische Präsident Selenskyj bedankt sich bei der Schweiz

Das Davoser WEF wurde am Montag mit einer Rede von Bundespräsident Ignazio Cassis eröffnet. Der Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj sagte auch sein.

Die Teilnahme an der ukrainischen Wiederaufbaukonferenz wäre Selenskyjs erste Auslandsreise seit Kriegsbeginn. – Gian Ehrenzeller / KEYSTONE / dpa

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Bundespräsident Ignazio Cassis eröffnete das WEF 2022 in Davos mit einer Rede.
  • Im Mittelpunkt stand der Krieg in der Ukraine.
  • Nach Cassis wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem WEF beitreten.

Bundespräsident Ignazio Cassis hat am Montagmorgen das Weltwirtschaftsforum in Davos eröffnet. Der Fokus lag auf dem Ukrainekrieg. Wir müssen anfangen, über die Nachkriegszeit nachzudenken. 40 Länder waren im Juli zur Wiederaufbaukonferenz im Tessin eingeladen.

Cassis sagte in seiner Eröffnungsrede beim Weltwirtschaftsforum (WEF), dass die letzten Jahrzehnte für viele Jahrzehnte hoffnungsvoll gewesen seien. Man glaubte, dass die nach dem Kalten Krieg geschaffene Ordnung Bestand haben würde. Es habe viele Fortschritte gegeben, auch für Demokratie und Freiheit, sagte Cassis.

Cassis: Eine Krise folgt der anderen

Allerdings verleite dieses “trügerische Fundament vermeintlicher Sicherheit” dazu, die eigene Verwundbarkeit zu unterschätzen, sagte Cassis. Wer glaubt, dass diese Errungenschaften von Dauer sind, läuft Gefahr, die Risiken von aufkommendem Nationalismus, Machthunger und Protektionismus zu ignorieren. Eine Krise folgte der anderen: die Finanzkrise, der Klimawandel, die Pandemie und schließlich der Krieg in der Ukraine.

Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, ist praktisch mit dem WEF verbunden. – Schlüsselschlüssel

Dieser “Angriffskrieg” habe die Ukraine als souveränen Staat ruiniert, sagte Cassis. Angesichts der Neutralität der Schweiz seien viele überrascht, dass die Schweiz diesen Krieg scharf verurteilt habe, sagte Cassis.

Allerdings gibt es keine neutrale Haltung im Falle einer “brutalen Verletzung” von Grundwerten. Denn diese Werte stehen für Freiheit par excellence. “Demokratie muss stärker sein als Tyrannei”, sagte der Bundespräsident.

Die schweizerische Neutralität hat Grenzen

Damit steht die Schweiz auf der Seite der Länder, die diesen Angriff auf die Grundfesten der Demokratie nicht abwarten wollen. Die Schweiz entspricht dieser “genossenschaftlichen Neutralität”. Dies bedeutet, als neutrales Land zu arbeiten, um Grundwerte zu stärken und Friedensbemühungen sicherzustellen.

Allerdings sind der schweizerischen Neutralität durch das Neutralitätsrecht Grenzen gesetzt. Diese verbietet beispielsweise die Teilnahme an Kriegen oder die Gewährung von Waffenlieferungen und Vorfahrtsrechten der Konfliktparteien.

Fokus auch auf die Nachkriegszeit

Cassis blickte in seiner Rede vor WEF-Teilnehmern auch auf die Nachkriegszeit. Die Schweiz ist bereit, als Vermittlerin die Gespräche wieder zu ermöglichen und dafür Plattformen zu schaffen.

Wladimir Klitschko ist zu Gast am WEF Davos. – Schlüsselschlüssel

Zudem geht es bereits um die Planung des Wiederaufbaus der kriegszerrütteten Ukraine. 40 Länder und 18 internationale Organisationen waren im Juli zur Wiederaufbaukonferenz ins Tessin eingeladen. Dort müssen sich die Hauptakteure erstmals über das “komplexe System des Wiederaufbaus” austauschen.

Auch die Schweiz bietet an, für die nächsten Schritte wieder Gastgeber zu sein.

Selenskyj bedankt sich bei der Schweiz

Nach Cassis sagte auch der virtuell zugeschaltete ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seins. Es gibt so viel zu tun, die Zerstörung ist riesig. Er hofft, dass große Unternehmen auf der Wiederaufbaukonferenz im Juli Wege finden werden, der Ukraine beim Wiederaufbau zu helfen.

Standing Ovations erhielt er vom WEF: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. – Schlüsselschlüssel

Die Ukraine erwarte, dass jedes Partnerland eine bestimmte Region beim Wiederaufbau unterstützen könne, sagte Selenskyj. Er dankte der Schweiz für die Ausrichtung dieses Treffens.

Zelenksy: Russland ist ein „Verbrecherstaat der Kriegsverbrecher“

Der ukrainische Präsident bezeichnete Russland in seiner Rede als “Verbrecherstaat der Kriegsverbrecher”. Er wiederholte die Forderung nach Sanktionen. Diese sind jedoch präventiv und nicht als Reaktion auf Ereignisse zu verstehen.

Auch Zelenskyj sprach sich für eine „United 2024“-Initiative aus. Teilnehmende Staaten sollen einen Fonds eröffnen, der anderen Staaten im Falle einer Katastrophe oder eines Angriffs schnell helfen kann. Das ist nicht einfach, könnte aber in Zukunft auch dazu beitragen, Angreifer abzuschrecken.

Zuvor erhielt Zelenskyi stehende Ovationen von den im Raum stehenden Teilnehmern.

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