Wegen psychischer Probleme: SPD-Politikerin Roth nimmt sich Zeit

SPD-Politiker Roth nimmt sich eine Auszeit von psychischen Problemen

04.06.2022, 05:40 Uhr

Als Exponent der Ukraine ist Michael Roth bei gesellschaftlichen Zusammenkünften präsent und reist mit seinen Genossen der Ampelkoalition sogar ins Kriegsgebiet. Umso überraschender ist die Rücktrittsentscheidung des SPD-Politikers. Roth spricht offen über psychische Probleme, also kündigt er eine Pause an.

Der SPD-Politiker Michael Roth, zuletzt regelmäßiger Gast bei Gesprächen über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, hat eine Pause angekündigt. „Auf Anraten meines Arztes werde ich den Verkehr für eine Weile pausieren“, sagte Roth dem „Spiegel“. Daher plant der 51-Jährige, keine Interviews zu geben, die Termine nicht wahrzunehmen und derzeit nicht erreichbar zu sein. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Roth, kündigte auf seinem Twitter-Account an, dass bis Juli Funkstille herrscht, um sich zu erholen.

In dem Magazin spricht Roth offen über die psychische Erschöpfung, die ihn schon lange plagt: „Ich hatte das Gefühl, als würde ich vom Ufer des Polarmeers springen und immer kleiner werden.“ In den vergangenen Monaten machten sich bei ihm “Versagensängste” und “Panik vor dem Kommenden” breit. Roth, der seit mehr als 20 Jahren Bundestagsabgeordneter ist, hatte das vorher nicht gewusst.

Im letztjährigen Bundestagswahlkampf habe er “manchmal Angst gehabt, Menschen zu begegnen, obwohl ich das normalerweise gerne und gut mache”. Die Termine hätten ihn viel gekostet. In seinem Wahlkreis hat er mit über 40 Prozent große Erfolge erzielt, aber die Probleme sind geblieben und haben sich sogar noch verschlimmert. Auch bei ganz einfachen Alltagsdingen wie Einkaufen oder Kochen sei er plötzlich gescheitert: „Es war klar: Ich brauche Hilfe.“ Roth ist seit Anfang des Jahres in ärztlicher Behandlung und es geht ihm inzwischen besser. Im Juni ist er für vier Wochen krankgeschrieben.

Roth ist seit 1998 Bundestagsabgeordneter und gilt als außenpolitischer Experte. Von 2013 bis 2021 war der 51-Jährige Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr trat er als Spitzenkandidat der hessischen SPD an.

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