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Erstellt: 12.01.2023 04:45
Von: Markus Hofstetter
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Die Sublinie XBB.1.5 von Omikron ist weltweit auf dem Vormarsch. Auch weil es als ansteckender als andere Varianten gilt, erhielt es den Spitznamen „Kraken“.
Update vom 10. Januar: Die WHO hat nun erneut über die Verbreitung der neuen omicron-Sublinie XBB.1.5 gesprochen. Das ist also auch in Europa auf dem Vormarsch. Jüngste Daten aus einigen Ländern der Region deuteten allmählich auf die zunehmende Präsenz von XBB.1.5 hin, sagte der Direktor des WHO-Regionalbüros für Europa, Hans Kluge, auf einer Online-Pressekonferenz am Dienstag in Kopenhagen. Fälle würden in kleinen, aber wachsenden Zahlen entdeckt werden. Wir arbeiten daran, die möglichen Auswirkungen davon abzuschätzen. Nach drei langen Jahren der Pandemie darf kein Druck mehr auf die Gesundheitssysteme ausgeübt werden.
Bezüglich der Verschärfung der Corona-Lage in China teilte Kluge die aktuelle Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, dass der Anstieg der Fallzahlen keine wesentlichen Auswirkungen auf die epidemiologische Lage in Europa haben dürfte. Den verfügbaren Informationen zufolge sind die in China im Umlauf befindlichen Varianten diejenigen, die in Europa und anderswo zu sehen sind.
Allerdings dürfe man nicht nachlässig sein, sagte Kluge. Es ist für Länder unvernünftig, Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerung zu ergreifen. Staaten, die vorsorgliche Reisemaßnahmen einführen, sollten jedoch sicherstellen, dass diese wissenschaftlich fundiert, angemessen und nicht diskriminierend sind.
Gefährlicher Omicron „Kraken“: XBB.1.5 „ansteckendste Untervariante, die bisher entdeckt wurde“
Erstmeldung 9. Januar: München – Ausgehend von Nordamerika breitet sich die XBB.1.5-Subline der Corona-Omicron-Variante weiter aus. Was die Mutante so gefährlich macht: Sie gilt als deutlich ansteckender als die anderen Varianten. Laut Maria Van Kerkhove, Direktorin des Programms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, ist es die „ansteckendste Untervariante, die bisher entdeckt wurde“.
Omicron XBB.1.5 Untervariante: Wegen hoher Infektiosität Spitzname „Kraken“.
Die extrem hohe Infektiosität führte zu einem unrühmlichen Spitznamen von XBB.1.5. Der kanadische Biologieprofessor T. Ryan Gregory schlug auf Twitter den Namen „Oktopus“ (der Oktopus, auch Riesenkrake) vor. Anscheinend hat sich der Spitzname so gut durchgesetzt, dass er inzwischen zu einem Gemeinplatz geworden ist.
Omicron-Subvariante „Kraken“: XBB.1.5-Frequenz verdoppelt sich jede Woche
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurde „Kraken“ erstmals Ende November vergangenen Jahres in einer Stichprobe in Deutschland nachgewiesen. Laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC könnte es einen zunehmenden Einfluss auf die Zahl der Corona-Fälle in Europa haben, aber nicht im nächsten Monat, da es derzeit nur in geringem Umfang auftritt.
Laut Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe zur Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel, hat sich die Häufigkeit von XBB.1.5 wöchentlich etwa verdoppelt. Allerdings ist die Basis klein. Setzt sich dieser Trend fort, ist in der ersten Januarhälfte mit einem Anteil von drei bis sechs Prozent zu rechnen.
Die Omicron-Variante XBB.1.5 gilt als besonders ansteckend © Christian Ohde/imago
Omicron „Kraken“ Untervariante: XBB.1.5 könnte in den kommenden Wochen und Monaten auf Deutschland ausgeweitet werden
Laut anderen Experten könnte sich XBB.1.5 jedoch in den kommenden Wochen und Monaten nach Europa und Deutschland ausbreiten. „Man kann mit einiger prognostischer Sicherheit sagen, dass die Variante auch bei uns zur dominierenden Variante wird“, sagte der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb.
Aber es gibt keinen Grund zu großer Sorge. „Wir sehen ein bisschen mehr Fälle in den USA, aber es gibt keine gigantische Welle.“ Zeeb sieht auch eine noch größere Infektiosität mit XBB.1.5. “Es wurde bereits bei Omikron entwickelt, und jetzt schlägt XBB.1.5 es noch einmal.”
Omicron Untervariante „Kraken“: Entwicklung in Deutschland genau beobachten
Und was bedeutet der Unterstrich speziell für Deutschland? Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich bereits besorgt über XBB.1.5 geäußert. Letzte Woche twitterte er: „Hoffentlich kommen wir über den Winter, bevor sich eine solche Variante auf uns ausbreitet.“
Immunsystem stärken und so Grippe und Corona vorbeugen: Acht einfache Regeln
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Die Befürchtung wird von Zeeb bestätigt: „XBB.1.5 stößt auf nachlassende Immunität von Menschen, deren Impfung oder Infektion schon einige Zeit zurückliegt.“ Allerdings ist die Zahl der XBB.1.5-Nachweise in Deutschland derzeit noch sehr gering. “Über neue Maßnahmen muss noch nicht nachgedacht werden.” Es ist wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten.
Luka Cicin-Sain, Virologe am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, empfiehlt stattdessen allen Risikopersonen und älteren Menschen eine Auffrischimpfung mit Omicron-angepassten Impfstoffen. Das könnte auch gegen den „Kraken“ helfen.