Wie schnell hätte die Schweiz ihr Erdgas genutzt?

Ein Geothermieprojekt in St. Gallen scheiterte am 7. Mai 2013, als die Erde bebte.

Bild: KEYSTONE

Unter Schweizer Boden liegt Erdgas. Es gibt Ideen, dies zu fördern. Aber das ist kompliziert. Ein Überblick.

In der Ukraine herrscht Krieg und die Schweiz will möglichst unabhängig von russischem Erdöl und Erdgas werden. Eine Idee, die derzeit diskutiert wird: die Nutzung des auf Schweizer Boden vorhandenen Erdgases.

Diese Debatte hat auch das Bundeshaus erreicht. UDC-Nationalrat Christian Imark fordert den Bundesrat in einer Initiative auf, die nationale Erdgasförderung «ernsthaft zu prüfen». Es soll auch einen runden Tisch geben, um zu klären, wie das Öl gefördert werden könnte. Der SVP-Politiker fordert sogar finanzielle Bürgschaften des Bundes, damit die Gasproduktion so schnell wie möglich starten kann.

Klingt einfach? Aber es ist kompliziert. Politiker sind sich uneins darüber, ob lokales Gas gefördert werden soll. Die SP und die Grünen sind dagegen. Aus Umweltgründen. Stattdessen haben die Grünen alpine Solarenergie im Blick, wie Nationalrat Bastien Girod (ZH) dem «Tages-Anzeiger» sagte. Berichte des Weltklimarats zeigen, dass neue Erdgasquellen problematisch für die Erreichung der Pariser Klimaziele wären. Links-Grün wird von der ablehnenden Haltung der LPG unterstützt.

Energiekrise

Soll die Schweiz ihr Erdgas fördern?

Per Abstimmung entscheiden

Bei FDP und Mitte hört sich das anders an. Dort gilt die Idee der heimischen Gasförderung als „interessant“. Aber wir müssen die Antwort des Bundesrates auf die Mark-Initiative abwarten. Das Zentrum sagt auch, dass die Klarstellungen hilfreich sind. Doch bis die Gastanks tatsächlich herausgezogen werden können, wird es wohl noch länger dauern. Die Bevölkerung könnte Bohrprojekte verhindern, dafür sind die Kantone zuständig.

Umweltbedenken sprechen gegen die lokale Erdgasförderung. Für Walter Steinmann macht so etwas keinen Sinn, wie er dem Tages-Anzeiger sagte. Steinmann ist ehemaliger Direktor des Bundesamts für Energie und Mitglied des Verwaltungsrats von Transitgas. Letztere ist für den Transport von Erdgas in die Schweiz zuständig. Steinmanns Begründung: «Die Schweiz will die Emissionen in dreißig Jahren netto auf null reduzieren.»

Alle Explorationsprojekte seien vor fünf oder zehn Jahren gestoppt worden, weil sich die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen geändert hätten, sagt der Geologe Werner Leu. Auch die Finanzierung wird dadurch erschwert.

– Das grösste theoretische Potenzial wird in der Westschweiz vermutet: Geologen schätzen laut Tages-Anzeiger zwischen 50 und 100 Milliarden Kubikmeter Schiefergas. Doch Bohrprojekte werden aus Umweltgründen seit Jahren auf Eis gelegt, wie Werner Leu in der Zeitung erklärt. Der Geologe ist einer der besten Experten in der Erdgasexploration in der Schweiz.

– Es gibt ein Erdgasprojekt in einer Tiefe von 3500 Metern am Genfersee in Noville. Dies ist versichert. Aber nicht einmal die ersten umfangreichen Versuche konnten unternommen werden. Da? 2019 hat der Kanton Waadt die Förderung von Kohlenwasserstoffen verboten.

– Erdgas war im Tessin allenfalls im Mendrisiotto zu finden. Aber es bedarf neuer seismischer Daten und dann zahlreicher Bohrungen, um das wirtschaftliche Potenzial abschätzen zu können.

Wann könnte Gas gefördert werden?

Das geht schon eine Weile so. Die Gründe liegen zum einen in der Politik, aber auch in der Beschwerdekultur. Der «Tages-Anzeiger» zeigt dies exemplarisch am Standort Noville im Waadtland. Es besteht ein Bohrverbot. Ob dies jemals zur Sprache kommt, ist eine politische Frage.

Außerdem würden allein Erkundungsbohrungen drei bis fünf Jahre dauern. Der Aufbau der Finanzierungsinfrastruktur würde weitere Jahre in Anspruch nehmen. Der Geologe Werner Leu wartet seit mindestens zehn Jahren.

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