Was in Filmen oder Fernsehserien gezeigt wird, spiegelt nicht nur gesellschaftliche Aspekte der Zeit wider, sondern kann auch Trends auslösen. Nach der Veröffentlichung des Films „Top Gun“ soll die Zahl der neuen Rekruten in der United States Navy im Laufe der Zeit stark zugenommen haben. Die Darstellung der intelligenten X-Akte-Agentin Dana Scully soll mehr Frauen davon überzeugt haben, Karrieren in Medizin und Wissenschaft anzustreben. Und wegen Don Draper als kreativem Kopf der Agentur in „Mad Men“ wollten viele junge Leute plötzlich in die Werbung.
Untertitelanalyse von 136.000 Medien
Als Gesellschaft haben sich aber auch die Inhalte der Unterhaltungsmedien in den letzten Jahrzehnten verändert. Wie viel, untersuchte Sabyasachee Baruah von der Informatik an der University of Southern California (USA). Zusammen mit zwei Kollegen hat er eine Untertitel-Datenbank mit rund 136.000 Filmen und Fernsehserien aus den letzten 70 Jahren angelegt.
Mit Hilfe künstlicher Intelligenz konnten die Forscher analysieren, wie oft rund 4.000 verschiedene Berufe in den Unterhaltungsmedien genannt wurden. Die Ergebnisse ihrer Forschung stellen sie derzeit in der Fachzeitschrift PLOS ONE vor.
Weniger Bauarbeiter, mehr Forscher
„Unser Ziel war es aufzuzeigen, welche Berufe im Laufe der Zeit in den Medien immer mehr an Bedeutung gewannen und ob die Berufe eher positiv oder negativ dargestellt wurden“, erklärt Baruah. Das Ergebnis: Generell hängt die Bekanntheit bestimmter Berufe in Film und Fernsehen stark mit den Beschäftigungszahlen in der realen Welt zusammen. Früher waren Berufe mit schwerer körperlicher Arbeit oder beim Militär häufiger und damit auch auf der großen Leinwand zu sehen, in modernen Medien sind es aber oft Wissenschaftler oder Künstler.
Amerikanische Forscher interessierten sich nicht nur dafür, wie oft bestimmte Berufe zu sehen sind, sondern auch dafür, wie sie in Filmen und Serien dargestellt werden. Durch weitere Analysen stellte das Team fest, dass sich beispielsweise Architekten und Ingenieure in den Unterhaltungsmedien in den letzten 70 Jahren positiver dargestellt haben. Dagegen wurden Berufe im Zusammenhang mit dem Verkauf von Waren generell negativer dargestellt.
Aber auch hier gab es im Laufe der Jahrzehnte deutliche Veränderungen. Im Laufe der Zeit sahen Astronauten, Detektive, Musiker und Therapeuten immer besser aus. Anwälte, Polizisten und Ärzte hingegen verloren auf der Leinwand an Popularität.
Geschlechtsneutrale Medien
Laut Baruah hat sich in den vergangenen 70 Jahren auch die Bezeichnung bestimmter Berufe in den Unterhaltungsmedien verändert. Bezeichnungen spezialisierterer Berufe – wie Kardiologe oder Gynäkologe – haben sich zunehmend gegenüber Gattungsbezeichnungen wie Arzt durchgesetzt.
Auch die Zahl weiblicher Positionen, etwa als Kongressabgeordnete oder Kellnerin, hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Auch geschlechtsneutrale Bezeichnungen, möglichst im Englischen, werden immer häufiger verwendet, zum Beispiel „Massagetherapeut“ oder „Flugbegleiter“. Aber: Laut Baruah stehen die Erwähnungen männlicher Schützlinge immer noch klar im Vordergrund.
Werkzeug für weitere Recherchen
Die im Rahmen der Studie erstellte Datenbank soll Forschern und Filmemachern als Open-Access-Tool dienen, um mehr über Unterhaltungsmedien und die Repräsentation von Berufen zu erfahren.
Allerdings räumen die Autoren selbst ein, dass das Studium der Untertitel weiter ausgebaut werden könnte. Bisher haben sie sich ausschließlich auf Filme und Fernsehserien in englischer Sprache konzentriert; Das Hinzufügen weiterer Sprachen und Kulturen zur Forschung könnte zu weiteren interessanten Erkenntnissen führen, sagt Baruah.