Wie teuer wird die Gaskrise?: Worauf Verbraucher vorbereitet sein müssen

Was kostet die Gaskrise? Worauf Verbraucher vorbereitet sein müssen

Von Thomas Steinmann und Christiane Kreder 17.07.2022, 17:26

Das Gas wird bald durch die Nord Stream 1-Pipeline zurückfließen, richtig? Andernfalls wird der Engpass in der russischen Gasversorgung zu weiteren Engpässen führen. Und das geht ins Geld. Die Anbieter werden es zuerst spüren, aber dann, mit Verzögerung, werden es auch die Verbraucher spüren. Wie schlimm wird es werden?

Wie fühlen sich die höheren Anschaffungskosten von Gasimporten bereits an?

Nachdem die Gaspreise nach den ersten Kriegswirren bis Mitte Juni relativ stabil auf hohem Niveau blieben, sind sie seit Mitte Juni enorm gestiegen. Hintergrund sind die russischen Lieferkürzungen für die Gaspipeline Nord Stream 1, angeblich wegen technischer Probleme mit einer Turbine. Aufgrund der seit Montag laufenden jährlichen Wartung der Pipeline und der Ungewissheiten, wie es nach dem geplanten Abschluss der Arbeiten Ende nächster Woche weitergeht, ist der Kurs am Terminmarkt zuletzt wieder in die Höhe geschossen . – vergangene Woche für einen Tag zwischenzeitlich acht Prozent auf 175 Euro pro Megawattstunde.

Niederländischer TTF Daily Gas Future 170,00

Aufgrund von Lieferengpässen in Russland müssen viele Gashändler rund 60 Prozent teureres Gas am Terminmarkt kaufen, um ihre Kunden weiterhin mit den versprochenen Mengen zu bedienen. Das kostet Geld: Allein der Energiekonzern Uniper rechnet bei einem ähnlichen Preisniveau bis Ende des Jahres mit Mehrkosten beim Gaseinkauf von bis zu 10 Milliarden Euro.

Was halten die Verbraucher davon?

Viele Gaskunden haben die Neuigkeiten aus dem Gasmarkt kaum auf ihrer Rechnung gesehen. „Der massive Anstieg der Einstellungskosten macht sich in Privathaushalten erst bemerkbar, wenn der Jahrestarifvertrag ausläuft oder wenn man umzieht und deshalb einen neuen Vertrag abschließen muss“, bestätigt Lion Hirth, Energieökonom an der Hertie School und Gründer von das Beratungsunternehmen “Neon New Energy Economics”. Auch Uniper-Vorstandsvorsitzender Klaus-Dieter Maubach warnte davor, dass massive Preissteigerungen an den Terminmärkten auch die Endkunden treffen würden, wenn auch mit einiger Verzögerung: „Die deutschen Verbraucher stehen vor einer sehr, sehr großen Preiswelle“, sagte Maubach in einer Pressemitteilung. Konferenz.

Was bedeuten die Änderungen des Energiesicherheitsgesetzes nun für die Verbraucher?

Um Gasimporteure wie Uniper zu entlasten, soll das kurz vor vergangene Woche novellierte Energiesicherungsgesetz einen „Werkzeugkasten“ mit mehreren Optionen bieten. Verbraucher könnten direkt zwei hören: Entweder kann die Bundesregierung den Lieferanten erlauben, die Erhöhung der Einkaufskosten entlang der Lieferkette kurzfristig an ihre Kunden weiterzugeben (Ziffer 24), also von interessierten Importeuren zu Zwischenhändlern wie kommunalen Diensten und dann zu der Endkunde.

Alternativ können die Mehrkosten künftig auf alle Gasverbraucher in Deutschland umgelegt werden (§ 26). Ersteres war auch bei den meisten Gasverträgen möglich, wenn auch mit Verzögerung. Die zweite Option ist praktisch ein Solidaritätsbeitrag aller Gaskunden. Allerdings sind die beiden Mechanismen der Preiswirkung noch nicht aktiviert. Daher sollte die Bundesnetzagentur zunächst eine erhebliche Gasknappheit aufgrund dauerhaft unzureichender Gasimporte feststellen. Dies könnte schnellstmöglich der Fall sein, wenn nach der regulären Wartungspause von Nord Stream 1 kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland fließt.

Inwieweit können Lieferanten die Preise anpassen?

Nach dem Energiesicherheitsgesetz können Anbieter die Preise auf ein „angemessenes Niveau“ anheben. Allerdings kritisieren Verbraucherschützer bereits, dass es dafür keine Begrenzung gibt. „Private Haushalte wären nicht vor extrem hohen Gaspreisen geschützt“, befürchtet Thomas Engelke, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Dies könnte auch Kunden betreffen, die eine Preisgarantie auf ihren Gasvertrag haben. Bisher konzentriert sich die Bundesregierung jedoch vor allem darauf, Energieunternehmen zu unterstützen, damit Preiserhöhungen gar nicht erst durchgesetzt werden müssen.

Auf welcher Höhe könnte die Gasrate liegen?

Dies kann nicht genau quantifiziert werden und hängt weitgehend von der Entwicklung der russischen Liefermengen und Terminmarktpreise ab. Am Freitag forderte Uniper-Chef Maubach, dessen Unternehmen als größter Gasimporteur des Landes auch Russlands größte Gasmengen ersetzen muss, mindestens eine Größenordnung: Ob sie die Mehrkosten für den alternativen Bezug an Terminmärkten übertragen . für alle Gasverbraucher könne laut Maubach ein Anschlag von 25 Euro pro Megawattstunde erreicht werden. Grundlage für die Berechnung dieser Zahl seien jedoch die Gaspreise von vor zwei Wochen, fügte er hinzu; Inzwischen sind die Preise am Terminmarkt weiter gestiegen. Wenn der Bund dagegen mit einer Zuwendung von 1 Milliarde Dollar direkt zu Uniper ginge und substanzielle Aktien einlegte, könnte dies den Liquiditätsbedarf und die Höhe einer Abgabe etwas reduzieren. Mit anderen Worten: Je mehr Steuergelder fließen, desto geringer sollten die Gasverbraucher im Moment sein.

Welche Preiserhöhungen drohen Gaskunden mittelfristig?

Wie sich die Turbulenzen auf dem Gasmarkt auf die Verbraucher auswirken werden, hängt maßgeblich von den politischen Entwicklungen in den kommenden Monaten ab, vor allem von den Entscheidungen des Kremls über die künftigen Gaslieferungen von Gazprom nach Westeuropa. Es gibt bereits anfängliche Ladeschätzungen, aber viele davon variieren. So rechnen Verbraucherschützer bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Erdgas mit Mehrkosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Auch Energieökonom Hirth erwartet eine deutliche Steigerung für die Verbraucher: „Bisher hatte eine Altbauwohnung oder ein unsaniertes Einfamilienhaus mit einer Gastherme Heizkosten von etwa 100 Euro im Monat wahrscheinlich zwischen 300 und 400 Euro steigen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Capital.de.

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