Romy Schneider badet während seines Sizilien-Urlaubs.
Sygma über Getty Images
Um Romy Schneider ranken sich schon zu seinen Lebzeiten zahlreiche Legenden. 40 Jahre nach dem Tod der Filmikone wirft ein in Cannes gezeigter Dokumentarfilm ein neues Licht auf den Star.
Mal im Dirndl wie eine fröhliche Herzogin in Bayern, die mit „Papili“ durchs Jagdrevier geht. Dann braungebrannt und liebeshungrig mit einem knappen schwarzen Bikini am Pool: Bilder einer großen Künstlerin und einer Frau mit vielen faszinierenden Gesichtern. Zwischen den Aufnahmen vergingen weniger als 14 Jahre, und doch sind es getrennte Welten.
„Romy, femme libre“ heißt der Dokumentarfilm, der anlässlich des 40. Todestages von Romy Schneider bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes gezeigt wird. Sie repräsentiert eine mutige, entschlossene und freie Frau, die sich sowohl persönlich als auch künstlerisch unabhängig gemacht hat, zu einer Zeit, als die finanzielle und sexuelle Autonomie von Frauen noch ein Thema gesellschaftlicher Debatten war.
Die Filmemacherinnen Lucie Cariès und Clémentine Deroudille vollenden mit ihrem Dokumentarfilm eine 180-Grad-Wende. Ihr Porträt widerspricht dem oft gezeichneten Bild von Romy Schneider als fragilem Weltstar und Opfer ihres Schicksals. Sie war „ein freies Elektron“, eine Frau, die keine Angst hatte, alles loszulassen, um neu anzufangen, erklärt Deroudille.
Niemand wartete in Paris auf ihn
Wie 1958, als Romy Schneider Deutschland auf dem Höhepunkt seiner Karriere verließ, um Alain Delon nach Paris zu folgen. Er verließ seine Heimat, wo er mehr als ein Star war, während in Paris niemand auf ihn wartete, betont Deroudille. Mit seinem Ausbruch verärgerte er die deutsche Presse, die darin eine Art Verrat an seinem Erfolgsfilm „Sissi“ sah. Doch Schneider wollte schon lange mit dem Image der Prinzessin brechen, die ihr nach eigener Aussage als “Grießpudding” anhaftete.
Außerdem hatte er ausgerechnet mit einem Franzosen eine Beziehung. Romy Schneider lernte bei den Dreharbeiten zu „Christine“ den jungen und noch unbekannten Alain Delon kennen und verliebte sich in ihn. Er war damals erst zwanzig. Nach einer stürmischen fünfjährigen Beziehung verließ der vielbeschäftigte Playboy die Schauspielerin. Ihre Handgelenke wurden abgeschnitten, aber sie wurde rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht.
Es folgt eine Tragödie
Mutig und entschlossen war sie auch, als sie Mitte der 1960er Jahre wegen des Regisseurs und Schauspielers Harry Meyen, 14, dem Vater ihres Sohnes David, nach Deutschland zurückkehrte. Um ihn 1966 zu heiraten, bezahlte sie ihre Scheidung und wurde in der deutschen Presse als Ehebrecherin gebrandmarkt. Ein weiterer Skandal. Er lernte Meyen 1966 in Berlin kennen, als sein Stiefvater Hans Herbert Blatzheim ein neues Restaurant eröffnete.
1973 trennte sich das Paar. Romy Schneider zahlte Meyen eine horrende Abfindung und zog mit seinem Sohn nach Frankreich. Etwa sechs Jahre später nahm sich Meyen das Leben.
Romy Schneider begann ihr Privatleben wieder in Paris, diesmal mit ihrem elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini, den sie im Dezember 1975 heiratete. Aber auch diese Ehe zerbrach.
Ihr Kind verliert sein Leben
Sie liebte, verführte und litt, sowohl im Leben als auch auf der Leinwand. Romy Schneider hat in mehr als 60 Filmen mitgespielt und mit den Größten der Branche wie Luchino Visconti, Claude Sautet, Bertrand Tavernier und Costa-Gavras zusammengearbeitet. Nachdem sie als Teenagerin in „Sissi“ als Kaiserin Elisabeth von Österreich in die Herzen der Deutschen eingedrungen war, wurde ihr die Krone zur Last. Er brach mit dem Klischee der naiven und sorglosen Kinderfrau. In Frankreich wurde sie mit Filmen wie „The Swimming Pool“, „Incest“ und „The Other’s Lover“ zur „Femme Fatale“.
„Der Kinderwagen von Sans-Souci“ war sein letzter Film. Er drehte es nach dem größten Drama seines Lebens. Im Sommer 1981 wurde ihr 14-jähriger Sohn David beim Versuch, einen Zaun zu erklimmen, von einer Metallspitze aufgespießt und starb.
In dem Film spielt sie eine Frau, die sich um ein jüdisches Kind kümmert. Auf die Frage, woher er die Kraft habe, kurz nach Davids Tod einen fast gleichaltrigen Jungen zu erschießen, antwortete er: „Ich wusste, dass es schmerzhafte Momente geben würde, nicht nur wegen einiger Sequenzen, sondern weil mein Job sehr hart ist.“
„Mich langweilt alles“
Sein Tod am 29. Mai 1982 im Alter von 43 Jahren dürfte ein Rätsel bleiben. Sein damaliger Partner, der französische Filmproduzent Laurent Pétin, fand die Schauspielerin in den frühen Morgenstunden tot an ihrem Schreibtisch versunken. Herzversagen war die offizielle Todesursache. Daneben lag ein unvollendeter handgeschriebener Brief.
Selbstmordgerüchte machten zunächst die Runde, weil Schneiders hoher Alkoholkonsum, Schlafmittel und Aufputschmittel bekannt wurden. Eine Autopsie wurde nie durchgeführt, um den Mythos nicht zu zerstören, wie die französische Presse damals glaubte. Die Filmemacher Deroudille und Cariès, deren Film ausschließlich auf Archivmaterial basiert, glauben nicht an die Selbstmordtheorie. Sie erinnern sich an den Satz, den Romy Schneider auf Französisch sagte: „La facilité m’emmerde“ – das Einfache langweilt mich.