Österreichs große Landesenergieversorger sind unterschiedlich, wenn es um die Speicherung von Erdgas für den Winter geht. Im Bundesländervergleich sind Wien Energie und Salzburg AG Musterschüler und haben bereits mehr als die Hälfte der Nachfrage. Anderswo sieht es jedoch weniger rosig aus. Das Burgenland dümpelt bei 19 Prozent, Oberösterreich macht keine Aussage.
In vielen Bundesländern bestehen Lieferverträge zur Befüllung der Speicher zu Beginn der Heizsaison. Die bisherigen Erfolge der einzelnen Bundesländer sind jedoch sehr unterschiedlich.
Beispielstudierende: Wien zu 80 Prozent, bis Oktoberplenum
Wien Energie teilte der APA kürzlich mit, bereits mehr als 80 Prozent seiner Speicherkapazität gefüllt zu haben. Bis Oktober sollen die Speicher vollständig gefüllt sein.
Salzburg: 70 Prozent bis Oktober 1995
Salzburg ist ebenso gut aufgestellt wie Wien. Nach Angaben des Unternehmens waren die Gasspeicher für Kunden der Salzburg AG zur Jahresmitte zu rund 70 Prozent gefüllt. Weitere 25 Prozent sollen zu Beginn der Heizsaison Anfang Oktober hinzukommen. Der Jahresbedarf der Salzburger Energieversorger liegt bei rund 2,8 Terawattstunden: Sie benötigen rund 1,1 TWh für eigene Kraftwerke, 1,7 TWh für Kunden. Gut ein Drittel des Gesamtbedarfs wird während der Heizperiode verbraucht.
Niederösterreich: Dreiviertel bis Herbst
Der niederösterreichische Landesenergieversorger EVN hat eine Stunde Terawatt (TWh) nichtrussisches Erdgas gekauft, das im Herbst gespeichert werden soll. Eine TWh entspricht laut EVN Sprecher Stefan Zach einem Fünftel des Kundenbedarfs. Die EVN speichert für ihre Kunden auch Gas aus bestehenden Verträgen.
Ende Juni waren 52 Prozent des Jahresbedarfs gedeckt.
Die Steiermark basiert auf Reservierungen in Italien
Die Speicher der Energie Steiermark sind weniger überfüllt. Am 30. Juni verfügten die Kunden über rund 300 Gigawattstunden (GWh) oder 0,3 TWh an gespeichertem Gas, wie das Unternehmen auf Anfrage der APA mitteilte. Zum Beginn der Heizsaison am 1. Oktober soll die Prognose 1 TWh erreichen. Derzeit sei der Markt jedoch “unglaublich illiquide. Es gibt wenige Deals und Speicher sind fast nicht verfügbar”, sagte Energie Steiermark. Neben der strategischen Reserve war es jedoch möglich, eine Terawattstunde in Italien von einem westlichen Anbieter zu kaufen. Der Jahresbedarf aus Sicht des Vertriebs der Energie Steiermark beträgt ca. 3 TWh. Der Wärmebedarf während der Heizperiode beträgt eine TWh.
Burgenland: Nur rund 19 Prozent und ungewisser Ausblick
Bisher wurden 162 GWh für die Kunden der Burgenland Energie gespeichert, gemessen am Verbrauch 2021, das sind knapp über 19 Prozent. Zusätzliche Speicherkapazität konnte von den Speicherbetreibern OMV und RAG nicht erworben werden. Aufgrund der neuen gesetzlichen Pflichten müssen für den Beginn der Heizsaison zusätzlich 10 GWh hinzugerechnet werden. Diese Mengen wurden mit der OMV in einer gesonderten Sonderspeicherauktion vereinbart, sofern verfügbar, müssen diese Mengen auch vor September gespeichert werden. Die Kunden der Burgenland Energie verbrauchten im Jahr 2021 847 GWh Gas, davon rund 700 GWh im Winter. Ein Sprecher betonte, dass alle Beträge zu 100 Prozent vertraglich abgesichert seien.
Kärnten: Kelag-Lager halb voll, Klagenfurt hat kein Lager
Der Kärntner Energieversorger Kelag hat bei Erdgas einen Marktanteil von 2,3 Terawatt pro Stunde. Davon entfallen etwa 70 Prozent oder 1,6 Terawattstunden auf das Wintersemester (Oktober bis März). Bis zur Jahresmitte waren die Speicher etwa zur Hälfte gefüllt, bis zum 1. Oktober will die Kelag 80 Prozent erreichen. Die Stadtwerke Klagenfurt mit ihrer Tochtergesellschaft Energie Klagenfurt verfügen über kein eigenes Lager; Lieferung erfolgt über OMV. Der Jahresbedarf beträgt 270 Gigawattstunden, davon entfallen 205 Gigawattstunden auf den Winter.
Tirols Füllgrad liegt bei 24 Prozent
In Tirol haben der Landesenergieversorger Tiwag und sein Tochterunternehmen Tigas vor wenigen Wochen mit der Bevorratung zusätzlicher Mengen für die kommende Heizsaison begonnen. Bis Anfang Juli waren laut APA rund 120 GWh gespeichert. Bis Ende September soll der Speicherstand bei 400 bis 450 GWh (zwischen 80 und 90 Prozent) liegen. Im Allgemeinen wurde die Einstellung aller für den nächsten Winter eingestellten Kunden von Tigas abgeschlossen, wurde betont. Der Speicher bietet Kunden, die durch die SOS-Verordnung geschützt sind, eine Zusatzreservierung in Höhe des verbrauchsstärksten Monats Jänner und ein Teil des Speichervolumens wird auch großen Tiroler Unternehmen als Zusatzreservierung zu den bereits kontrahierten Mengen angeboten. Der Gesamtbedarf im Bereich des Tigas-Netzes liegt nach Angaben des Unternehmens bei rund 4.200 GWh oder 4,2 TWh. Davon entfallen 15 bis 20 Prozent auf die Haushalte. Der höchste monatliche Verbrauch im Winter liegt laut staatlichem Energieversorger bei etwa 600 GWh für alle Kunden.
Den Winter will Vorarlberg mit verbindlichen Termingeschäften verbringen
Die Vorarlberger Illwerke / VKW Energieversorger haben am 30. Juni rund 200 GWh in ihren Gasspeichern gespeichert. Zu Beginn der Heizsaison sollen weitere 300 GWh hinzukommen. Damit seien rund 500 GWh gespeichert, der Rest des Winterbedarfs sei bereits durch verbindliche Termingeschäfte gedeckt, so ein Sprecher in der APA-Anfrage. Während der Heizperiode beträgt der Bedarf in Vorarlberg rund 1.500 GWh, die von den Illwerken / VKW und den Stadtwerken Bregenz als Handelspartner geliefert werden. Insgesamt beträgt der jährliche Gasbedarf in Vorarlberg rund 2.000 GWh. Erst im Mai kaufte das Land zusätzliche Erdgasspeicherkapazitäten von der RAG Austria AG, die seit 1. Juni gefüllt sind. Vorarlberg ist wie Tirol nicht an das österreichische Gasnetz angeschlossen, sondern bezieht Erdgas über deutsche Ferngasleitungen.
Oberösterreich sagt nichts, will aber im Oktober 80 Prozent erreichen.
Die Energie AG Oberösterreich lehnte jede Auskunft ab. Auf Anfrage der APA teilte das Unternehmen mit, am 30. Juni sei „ungefähr doppelt so viel eingelagert worden, wie nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben im Winterlager für schutzbedürftige Kunden eingelagert werden müsste“. Der Speichergrad muss über 80 Prozent liegen. Die gesamte jährliche Nachfrage nach Häusern, Geschäften, Wohnungen, Unternehmen usw. sie wird auf etwa 5,2 TWh geschätzt, wovon etwa 3,5 TWh für die Heizperiode von Oktober bis März verbraucht würden. Rund 500 GWh Erdgas seien am 5. Juli bei der Linz AG gespeichert, was 80 Prozent der Speicherkapazität entspreche, teilte der Stadtversorger mit. Zu Beginn der Wintersaison (1. Oktober) liegt das Ziel bei 600 GWh.